Die zweitgrößte Insel im toskanischen Archipel, die Insel Giglio, gilt ein wenig als kleine, wilde Schwester des bekannten Elba. Sie ist gebirgig und an vielen Stellen kaum erschlossen, bietet geschäftiges Hafenflair in Porto, mittelalterliches Burgleben in Castello und einen gechillten Badeort in Campese. Taucher frohlocken regelmäßig über die hervorragenden Tauchsportmöglichkeiten, aber am besten entdeckt man die raue Schönheit auf einer Wanderung. Ein OUTSIDEstories-Team hat feste Schuhe angezogen und ist auf Entdeckungstour gegangen.
► Wir stellen dir hier drei Wanderungen vor, auf denen du Giglio perfekt kennenlernen kannst.
Zum Giglio-Gipfel und zur Steinpyramide
Die Wanderung auf das Dach Giglios startet in Giglio Castello und bringt uns auf den Poggio della Pagana, den höchsten Gipfel der Insel Giglio, und weiter zum Poggio del Sasso Ritto zählt für uns zu den schönsten Touren der Insel.
Der Weg führt durch die typischen Kiefernwälder und mediterrane Macchia zu den bizarren Granitfelsen, die grandiose Aussichten über das tiefblaue Tyrrhenische Meer und die Halbinsel Monte Argentario bieten, von der wir vor ein paar Tagen übergesetzt haben.
Nach dem Aufstieg zum aussichtsreichen hohen Poggio della Pagana, mit 496 Metern der höchste Punkt der Insel, führt uns der Weg durch fast mannshohe Macchia über den Inselrücken in südlicher Richtung. Auf dieser Seite Giglios gibt es keine Ansiedlungen oder Landwirtschaft, mal abgesehen von einer völlig überwucherten Steinhausruine. Nur Wind begleitet uns und das blaue Meer.
Der Pfad bietet kaum Schatten, es ist totenstill und wir haben das Gefühl, am Ende der Welt anzukommen. Am Ziel und Umkehrpunkt, der Steinpyramide Sasso Ritto, verlocken eine Bank- und Tischgarnitur zum Schlendrian.
Ganz Ambitionierte können von hier aus noch zur äußersten Südspitze, dem Punta del Capel Rosso rund 130 Höhenmeter absteigen, ein Schlenker, auf den wir in der Hitze gern verzichten.
Kurzprofil:
- Dauer: ca. 2 Stunden
- Distanz: 7,36 km
- Höhenmeter: 200 hm
- Charakter: mittel (teilweise nur Pfade, keine Versorgung)
- Start- und Zielort: Giglio Castello
Knackige Rundtour: Hafen, Historie und Strand
Vom Hafen von Giglio Porto startest du direkt dort, wo die meisten Besucher die Insel zum ersten Mal sehen: zwischen Fischerbooten, bunten Häusern und dem kleinen Hafenbecken. Schon nach wenigen Minuten lässt du das Meer hinter dir und steigst auf dem alten Verbindungsweg hinauf nach Giglio Castello.
Der Anstieg hat es in sich, belohnt aber mit immer besseren Ausblicken auf die Ostküste und das gegenüberliegende Monte Argentario.
Giglio Castello liegt auf rund 405 Metern Höhe und zählt zu den am besten erhaltenen mittelalterlichen Ortskernen des Toskanischen Archipels. Die mächtigen Mauern und die Rocca Aldobrandesca prägen das Bild des Dorfes bis heute. Hinter den mächtigen Festungsmauern tauchst du kurz in enge Gassen und steinerne Torbögen ein, bevor die Tour auf die Westseite der Insel führt.
Der Weg nach Giglio Campese verläuft durch die typische Macchia mit Zistrosen, Mastixsträuchern und vereinzelten Kiefern. Immer wieder öffnet sich der Blick auf die Granitlandschaft und die markanten Menhiren, die weite Teile der Insel prägt.
In Campese erreichst du die größte Bucht der Insel. Die lange Sandbucht wirkt fast überraschend weitläufig nach den schmalen Pfaden des Hochlands. Über dem Wasser steht die markante Torre del Campese, ein Wachturm aus der Medici-Zeit, der zum Schutz vor Piratenangriffen errichtet wurde.
Für den Rückweg steigst du wieder hinauf nach Giglio Castello. Die zweite Passage durch das historische Dorf bietet Gelegenheit für eine Pause, bevor es auf einer anderen Perspektive zurück Richtung Porto geht. Besonders beeindruckend sind die wechselnden Ausblicke über beide Küstenseiten der nur knapp 24 Quadratkilometer großen Insel.
Die Runde verbindet die drei wichtigsten Orte Giglios zu einer abwechslungsreichen Tagestour: Hafenflair in Porto, mittelalterliche Geschichte in Castello und die offene Küstenlandschaft von Campese. Wer die Insel zu Fuß entdecken möchte, bekommt auf dieser Tour einen erstaunlich umfassenden Eindruck ihres Charakters.
Kurzprofil:
- Dauer: ca. 6 Stunden
- Distanz: 14,9 km
- Höhenmeter: 820 hm
- Charakter: schwierig (weil lange), technisch mittel, aber einige Punkte zum pausieren (Castello, Campese)
- Start- und Zielort: Giglio Porto
- Info: Alle Orte sind auch gut mit dem Bus erreichbar
Rundtour an die Nordspitze zum Leuchtturm Punta del Fenaio
Die Wanderung zur Punta del Fenaio zählt für uns zu den eindrucksvollsten Touren auf der Insel. Wir starten in Giglio Campese am Torre del Campese, dem markanten historischen Medici-Turm aus dem 16. Jahrhundert, und folgen schwitzend der Straße bis zum Campingplatz.
Der Weg schlängelt sich an dem kleinen, terrassenförmig aufgebauten Platz vorbei und schlägt sich bergan durch die duftende Macchia. Immer wieder bleiben wir stehen, um den Blick über das tiefblaue Tyrrhenische Meer schweifen zu lassen.
Wir durchstreifen einen Kieferwald, kommen an Weinbergen und Obsthainen vorbei. Die Natur übernimmt das Kommando und vermittelt das Gefühl, auf einer fast unberührten Mittelmeerinsel unterwegs zu sein.
Einige Höhenmeter weiter oben am Parkplatz Sterrato Scopeto, den man auch hätte bequem mit dem Auto erreichen können, beginnt eine für den Verkehr gesperrte Gravelroad, der wir zu Fuß bequem folgen. Ein Segelschiff weit unten im tiefblauen Meer begleitet uns an die Nordspitze.
Schließlich erreichen wir Punta del Fenaio, den nördlichsten Punkt Giglios. Der ehemalige Leuchtturm liegt 39 Meter über dem Meer und wird heute als Boutique-Hotel genutzt. Die extrem steile Abfahrt ist jedoch für wenige Gäste ein Abenteuer für sich. Einmalig dafür sind die einsame Lage und das fantastische Panorama auf das toskanische Archipel. Bei klarer Sicht reichen die Blicke bis nach Elba, Montecristo und manchmal sogar bis nach Korsika.
An der Westküste windet sich der von Kakteen gesäumte Pfad bergan durch Olivenhaine und Weinberge. Er spuckt uns unmittelbar wieder an dem Parkplatz aus, von dem wir dann wieder zurück nach Giglio Campese absteigen. Die Ausbeute für Wein und Öl scheint jedoch recht überschaubar, wie wir erfahren. Entsprechend hoch sind die Preise für die heimischen Spezialitäten.
Kurzprofil:
- Dauer: ca. 2,3 Stunden
- Distanz: 8,65 km
- Höhenmeter: 290 hm
- Charakter: mittel (technisch leicht aber teilweise nur Pfade, keine Versorgung)
- Start- und Zielort: Giglio Campese
Insel Giglio: Die wichtigsten Reiseinfos auf einen Blick
Die Isola del Giglio gehört zum Toskanischen Archipel und liegt rund 15 Kilometer vor dem Monte Argentario an der südlichen Küste der Toskana. Die Insel ist nur etwa 24 Quadratkilometer groß. Traurige Bekanntheit erlangte die Insel durch die Havarie des Kreuzfahrtschiffs Costa Concordia im Januar 2012, das wegen der Leichtsinnigkeit des Kapitäns direkt vor der Hafeneinfahrt auf ein Riff auffuhr und kenterte, wobei 32 Menschen ums Leben kamen.
Anreise nach Giglio mit dem Auto:
Von Deutschland aus führt die Anreise meist über die Autobahn Richtung Florenz und weiter nach Grosseto. Ziel ist Porto Santo Stefano auf dem Monte Argentario, der einzige Fährhafen zur Insel.
Fähre zur Insel Giglio:
Die Fähren fahren ganzjährig von Porto Santo Stefano nach Giglio Porto. Betreiber sind die Gesellschaften Toremar und Maregiglio. Fahrzeit ca. 1 Stunde pro Strecke.
Die Kosten für einen Pkw: je nach Saison größtenteils 45 bis 60 Euro oder mehr pro Strecke.
Tipp: In den Sommermonaten unbedingt vorab buchen. Für Fahrzeuge gelten in der Hochsaison teilweise Einschränkungen.
Wandern:
Giglio besitzt ein gut ausgeschildertes Wegenetz von rund 80 Kilometern. Viele alte Maultierpfade verbinden die Küstenorte mit dem Inselinneren. Wasser und Snacks mitnehmen, es gibt keine Quellen oder Versorgungsmöglichkeiten unterwegs.
Busverbindungen auf der Insel:
Alle drei Ortschaften, Porto, Castello und Campese, sind mit einer regelmäßigen Buslinie verbunden.
Beste Reisezeit:
April bis Juni, Frühling und Herbst gelten als beste Wanderzeit.
Haftungsausschluss: Diese Tour(en) wurde(n) nach bestem Wissen aufbereitet. Eine Gewähr für die Richtigkeit der Angaben wird dennoch nicht gegeben. Das Befahren und Begehen erfolgt stets auf eigene Gefahr. Lies hier den vollständigen Haftungsausschluss.