Leicht, sicher und überraschend stabil
VORTEILE
- Leicht
- Einfache Bediengung
- Innovatives Sicherheitskonzept
- Hohe Bewegungsfreiheit
- Stabile Abfahrtsperformance
- Zwei Steighilfen
NACHTEILE
BEWERTUNG
Durch den frühen Wintereinbruch der letzten Wochen konnte ich bereits zahlreiche Touren absolvieren und viel Zeit im Gelände verbringen. Dabei hatte ich die Möglichkeit, die “Fritschi Xenic Plus 10” ausführlich auf mehreren Touren mit langen Aufstiegen, unterschiedlichsten Schneearten und wechselnden Geländeformen zu testen.
Besonders interessiert hat mich das patentierte Sicherheitskonzept mit horizontal verschiebenden Pin-Hebeln im Vorderbacken. Diese Konstruktion unterscheidet sich deutlich von klassischen Pinbindungen und verspricht eine höhere Toleranz gegenüber vertikalen Schlägen sowie eine stabile Abfahrtsperformance.


Da ich aktuell mitten in der Bergführerausbildung stehe und mein Material dadurch deutlich intensiver nutze als viele Freizeittourengeher, musste die “Xenic” mehr leisten als ein durchschnittliches Touring-Setup. Sie sollte nicht nur zuverlässig funktionieren, sondern auch unter Zeitdruck und bei häufiger Belastung und Wechsel verlässlich bleiben. Meine Erwartungen an Stabilität, Bedienbarkeit und Sicherheit sind hoch und genau hier musste sich die Bindung beweisen.

Steckbrief – Fritschi Xenic plus 10
Gewicht: 290 Gramm pro Bindung ohne Stopper (+45 Gramm)
Auslösewerte (DIN): 4–10 (daher der Name)
Steighilfe: 2 Stufen, per Stock bedienbar
Material: Hightech-Kunststoffe & Metallkomponenten
Ski-Kompatibilität: ca. 70–105 mm Mittelbreite – Skistopperbreiten 75 / 85 / 95 / 105 mm
Einsatzbereich: Pisten-Skitouren, klassische Skitouren bis zu hochalpine Skihochtouren
Preis: UVP 449,49 Euro
Exklusive Eigenschaften – Angaben vom Hersteller
- Patentiertes System horizontal verschiebender Pin-Hebel. Verriegelung in der Abfahrt nicht nötig.
- DIN-Werte für Seitwärts und Frontalauslösung stufenlos und separat hinten einstellbar.
- Extrem breite Abstützung der drehenden Ferseneinheit.
- 10 mm Längenausgleich für zuverlässige Auslösung auch bei Durchbiegung des Skis.

Mein persönlicher Eindruck
Funktionsprinzip der Bindung
Wie bei vielen Tourenbindungen erfolgt der Wechsel zwischen Geh- und Fahrmodus über eine Drehung des Hinterbackens. Beim Abfellen ist Vorsicht geboten: Wird der Hinterbacken nicht zuerst zurückgedreht, bevor die Felle abgezogen werden, sind die Stopper nicht einsatzbereit, der Ski könnte unkontrolliert den Hang hinunterrutschen. Diese Bedienlogik ist intuitiv, erfordert aber klare Abläufe.


Steighilfe
Im Gegensatz zur “Xenic 7 oder 10” verfügt die “Xenic Plus 10 oder 12” über zwei statt nur einer Steighilfe. Die Steighilfen bestehen aus Kunststoff, sind stabil ausgeführt und lassen sich präzise an die Hangneigung anpassen. Sie ermöglichen Winkel von 2°, 7° und 11°. Die Bedienung mit dem Stock funktioniert problemlos und ist bei Wind oder tiefem Schnee ein echter Vorteil.



Vorderbacken im Aufstieg
Für den Aufstieg wird der Vorderbacken durch Zug nach oben verriegelt, nachdem man in die Pins eingestiegen ist. Dadurch wird verhindert, dass die Bindung bei Spitzkehren auslöst. Der Mechanismus funktioniert zuverlässig und gibt ein klares haptisches Feedback. Der Ausstieg ist über einen einfachen Stockdruck auf den Hebel möglich.

Bewegungsfreiheit
Im Vergleich zur “Fritschi Vipec EVO 12”, die ich im vergangenen Winter getestet habe, bietet die Xenic deutlich mehr Bewegungsfreiheit im Aufstieg, ideal für ambitionierte Skialpinisten, die Wert auf effiziente Spitzkehren selbst im steilen Gelände legen. Während die “Vipec” stärker auf Sicherheit in der Abfahrt ausgelegt ist, überzeugt die Xenic durch ein agiles und leichtes Handling.
Leicht, aber überraschend kraftvoll in der Abfahrt
Trotz des geringen Gewichts vermittelt die “Xenic” ein sehr direktes und kontrolliertes Fahrgefühl. Auf windgepressten Hängen, verspurtem Schnee oder halbpräparierten Pisten zeigte sich die Bindung äußerst stabil. Die breit abgestützte Ferse überträgt Druck sauber und sorgt für präzise Kontrolle bei schnellen Richtungswechseln. Der Einstieg in den Hinterbacken benötigt etwas mehr Kraft als bei anderen Bindungen, für mich erhöht das aber das Gefühl von Stabilität und Sicherheit.

Innovatives Sicherheitskonzept
Der patentierte Vorderbacken mit horizontal verschiebenden Pin-Hebeln ist das Herzstück der “Xenic” und bringt deutliche Vorteile im Gelände. Klassische Pinbindungen neigen dazu, bei vertikalen Schlägen, etwa bei Geländeübergängen oder harten Schneeverhältnissen, ungewollt auszulösen. Die “Xenic” absorbiert solche Impulse. Das verhindert Fehl-Auslösungen und erhöht die Sicherheit spürbar. Besonders angenehm ist, dass der Vorderbacken im Abfahrtsmodus im steilen Gelände, Rinnen oder “No-Fall-Zone” nicht verriegelt werden muss, da sie zuverlässig hält. Das reduziert Bedienungsfehler und erhöht die Sicherheit, gerade in anspruchsvollen Situationen.
Zusätzlich ist Fritschi der einzige Hersteller, der bei Tourenbindungen echte DIN-Werte für beide Auslöserichtungen anbietet, was eine präzise Abstimmung ermöglicht. Die DIN‑Einstellung der “Xenic” unterscheidet sich von vielen anderen Pin‑Bindungen, da Fritschi als einziger Hersteller im Tourenbereich echte, genormte DIN‑Werte sowohl für die Seitwärts‑ als auch die Frontalauslösung ermöglicht.
Während viele ultraleichte Pinbindungen nur einen nicht‑genormten „Z‑Wert“ besitzen, der eher ein Orientierungspunkt ist, entsprechen die DIN‑Einstellungen der Xenic den im Pistenskibereich etablierten Normvorgaben. Dadurch kann die Auslösung präziser und reproduzierbarer eingestellt werden, was besonders sicherheitsrelevant ist, insbesondere im steilen Gelände, bei höheren Geschwindigkeiten oder für Skifahrer mit spezifischen Auslöseanforderungen (Körpergewicht, Fahrstil, Vorerkrankungen etc.). Dass beide Auslöserichtungen stufenlos und unabhängig voneinander einstellbar sind, ist ein echtes Alleinstellungsmerkmal im Tourensegment.

Komfortabler Aufstieg
Der Gehmodus ist intuitiv, der Hinterbacken dreht leicht und das System vereist weniger als andere Bindungen mit höheren Metallanteilen. Selbst nach langen Passagen im tiefen Schnee sammelte sich wenig Eis, wodurch der Mechanismus frei beweglich blieb und so stets voll funktionsfähig bleibt. Die Steighilfen lassen sich bei wechselnder Hangneigung sehr präzise anpassen. Der Wechsel zwischen Aufstieg und Abfahrt gelingt schnell und zuverlässig. Für die ganz Schnellen unter euch: Der Wechsel zwischen Auf- und Abstieg, sowie das Abfellen sind auch ohne Ausstieg aus dem Ski möglich.


Kompatibilität mit Harscheisen
Im Gegensatz zu anderen Fritschi-Bindungen ist die “Xenic” mit den meisten am Markt erhältlichen Harscheisen kompatibel. Zwar musste ich Harscheisen diesen Winter aufgrund größtenteils guter Bedingungen noch nicht nutzen, aber diese Flexibilität ist ein klarer Pluspunkt.


Hoher Kunststoffanteil
Der Vorteil der Gewichtsreduktion bringt ebenfalls eine potenzielle Schwäche: Kunststoffteile fühlen sich weniger massiv an als Metallkomponenten. Für klassische Skitouren ist das absolut ausreichend, für Freeriden könnte es meiner Meinung nach jedoch an Grenzen stoßen, aber dafür ist die Xenic auch nicht konzipiert.


Fazit
Die Fritschi Xenic 10 ist eine sehr gelungene Touringbindung, die besonders fortgeschrittene Skitourengeher anspricht. Ich absolvierte viele lange Tage im alpinen Gelände mit zahlreichen Wechseln. Die “Xenic” überzeugte hier voll: Sie funktioniert zuverlässig und ist schnell zu bedienen.
Sie bietet eine ausgezeichnete Kombination aus Leichtigkeit, Sicherheitsfunktionen, intuitiver Bedienung und stabiler Abfahrtsperformance. Für klassische bis sportliche Touren sowie lange Tage im alpinen Gelände ist sie ideal. Das innovative Sicherheitskonzept, das effiziente Handling und die solide Performance machen sie zu einer hervorragenden Wahl für ambitionierte Tourengeher.

Gesamturteil: Eine intelligente, leichte und sichere Touringbindung mit überzeugenden Allroundfähigkeiten.
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