Sehr robustes, vielseitiges Leichtsteigeisen
VORTEILE
- Super leicht
- Sehr kleines Packmaß
- Monozacken und 2 Zacken, Körbchen und Bügel
- Robust
- Antistollenplatten
- Gute Anleitung
NACHTEILE
- Keine Tasche für Zusatzequipment
BEWERTUNG
Ich durfte die BLUE ICE Harfang Tech Steigeisen die letzten Wochen testen. "Leider" in der Sommer-Saison. Ich freue mich schon auf die erste Eiskletter-Tour mit ihnen. Ich habe sie bei klassischen Hochtouren getestet.
Die Harfang Steigeisen gibt es in vielen verschiedenen Modellen, welche kompatible sind. Vom fixen Monozacker hin zum Alu-Touren Steigeisen. Spezialisiert oder wie das von mir getestete Harfang Tech vielseitig und umbaubar. Die verschiedenen Einzelteile der Steigeisen sind in der Beschreibung namentlich und mit Artikelnummer gelistet. Auf der Homepage findet man auch alle Einzelteile zum Nachbestellen. Das ist natürlich super nachhaltig, da man, bei Verlust oder Verschleiß eines Teils nicht gleich komplett neue Steigeisen benötigt.

Allgemein habe ich, glaube ich noch nie eine Anleitung / Beschreibung so gerne angesehen wie die der Blue Ice Harfang Steigeisen. Sie enthält wirklich viele gute Piktogramme für das einfache Verständnis der Eisen, deren Montage, Umgang und der Details. Wirklich sehr gut!
** Eckdaten: **
- 617 g ohne und 676 g mit Antistollenplatten pro Paar
- alle 11 - 12 Zacken aus Stahl
- Leichter Umbau von Monozacke vorne (insgesamt 11 Zacken) zu 2 Zacken vorne
- Leichter Umbau von "Körbchen-Steigeisen" zu Bügeln (benötigen voll steigeisenfeste Schuhe) vorne. Hinten immer mit Hebel --> benötige daher zumindest bedingt steigeisenfeste Schuhe mit einer Kante an der Ferse.
- Umbauwerkzeug inkludiert
- Zwischen den beiden Zackenbereichen ist das Eisen mit einem Zentralriemen aus Dynema verbunden.
- für Schuhgröße 35 - 47 geeignet
- Antistollenplatten aus Kunststoff
** Bevor es auf Tour geht: **
Nachdem die Steigeisen vielseitig einstellbar sind, muss man sich zuerst überlegen, was ist das beste für die Tour? Monozacke oder 2 Zacken vorne? Mit welchen Schuhen bin ich am Weg? Voll oder bedingt steigeisenfähig? Und natürlich muss auch die Größe der Steigeisen an die gewählten Schuhe angepasst werden.
--> Umbau von Monozacker auf 2 Zacken und Zackenlänge: Für eine klassische Hochtour beim Gehen im Schnee habe ich die als Monozacker gelieferten Steigeisen gleich mal auf 2 Zacken umgebaut. Der Umbau ist in der Anleitung gut erklärt, aber auch intuitiv einfach ausgeführt.
Mit dem mitgelieferten Werkzeug wird die Schraube vorne geöffnet. Zwischen den Zacken sind 1 - 2 kleine Rollen auf der Schraube aufgefädelt, welche als Abstandshalter dienen. Beim Monozacker sind es 2 verschieden lange, da die Monozacke nicht zentral in der Mitte ist. Bei 2 Zacken vorne, ist es eine längere. Das ganze dann wieder gut verschrauben und schon fertig.
Weiters hat jede Frontzacke des Steigeisens 2 Löcher. Daher können die Zacken in 2 unterschiedlichen Längen montiert werden.
--> Umbau von Bügel auf Körbchen (vorne): Wenn von vollsteigeisenfesten Schuhen auf bedingt steigeisenfeste Schuhe gewechselt wird, muss der Bügel vorne durch das mitgelieferte Körbchen ersetzt werden. Die geht jetzt nicht ganz so einfach wie der Zackenwechsel.
Prinzipiell muss nur der eine Verschluss vorne herausgehebelt werden und der neue hinein. Dies geht jedoch nicht so leicht mit bloßen Händen. Auf der Homepage nachgeschaut, wird das Steigeisen dafür richtig fixiert und eingespannt. So geht das Ganze auch wirklich gut. Ohne Schraubstock habe ich es auf die Schnelle jedoch nicht hinbekommen. Daher sicher nichts, was ich für jede Tour hin und her wechseln werde.
Siehe Video von der Homepage (29.07.2025):
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Allgemein findet man auf der Homepage zu jeder Anpassung, Einstellung, Umbau und Einzelteil ein Video, das den besagten Schritt erklärt! Wirklich gut gemacht!
--> Größenanpassung: Das Wichtigste am Steigeisen: Es muss richtig gut am Schuh sitzen! Als Erstes wird hier die allgemeine Größe angepasst. Dies geschieht bei diesem Steigeisen stufenlos mit dem Zentralband. Hierfür wird das Band einmal gelöst, und das Steigeisen am Schuh angelegt.
Vorne einfädeln und dann soll das Eisen soll dann 15 Millimeter vor dem Sohlenende mit den Zacken aufhören. So kann dann das Band wieder fest gemacht werden und an dem Schuh dann geprüft werden, ob es passt.
Wenn man vor dem finalen Check das Band nicht komplett zurück fädelt, weitet es sich beim Schließen des Steigeisens wieder. Auch das ist eine gute und praktikable Möglichkeit zur finalen Anpassung: Lieber etwas kürzer ziehen, dann das Band noch nicht final fixieren und das Eisen fest auf den Schuh schnallen. Das Eisen wieder herunternehmen und das Band etwas kürzer fest machen und fertig.
Die stufenlose Anpassung hat den großen Vorteil dass sie stufenlos auf jeden Schuh passt. Bei unerfahrenen Anwendern jedoch auch den Nachteil, dass die Feinanpassung sehr lange dauern kann, da der unerfahrene Anwender unsicher ist, ob man es nicht doch noch ein klein bisschen besser / enger machen kann.
Wenn die Bandlänge einmal fixiert ist, kann der Fersenhebel mit einer Schraube noch adjustiert werden bzw. wenn dieser mit der passenden Bandlänge nicht geschlossen werden konnte, muss das natürlich noch davor gemacht werden.

Weiters kann der Bügel / das Körbchen für die Zehen auf 3 verschiedenen Positionen installiert werden. Bei mir hat ganz klassisch die mittlere Einstellung gepasst. Ich liebe mit Schuhgröße 39 bis 40, aber auch gut im Bereich der Steigeisen (35 bis 47). Das mag im Randbereich der Schuhgrößen dann relevanter werden.
Wenn das Steigeisen fertig eingestellt ist, kann es in der Tasche verstaut werden. Bei großen Schuhgrößen gibt es eine angenehme Art, das Steigeisen zusammenzulegen, sodass alle Zacken eines Eisens in dieselbe Richtung schauen und es minimal Platz benötigt. Wenn das Zentralband jedoch eher kurz ist (so wie bei mit bei Schuhgröße 39 bis 40) geht sich dieses Falten nicht mehr aus. So lege ich einfach bei jedem Eisen Zacken an Zacken und packe es so in die mitgelieferte Tasche.
Bevor man dann jedoch die Tasche für die Tour zum Rucksack legt, sollte man noch die nicht benötigten Teile aus der Tasche nehmen (Werkzeug, Abstandsrollen und gegebenenfalls die 2. Frontzacken). Denn wenn man das nicht tut, verliert man die Teile ganz bestimmt früher oder später auf Tour. Hier finde ich es etwas schade, dass keine ganz kleine zusätzliche Tasche mitgeliefert ist, in der man das Zusatzmaterial verstauen kann. Es wäre nett, man kann es jedoch auch eigenständig lösen ;-)
** Auf Tour: **
Ich konnte die Steigeisen im Testzeitraum leider nur auf klassischen Hochtouren testen. Also nicht allzu steiles Eis, eisiger Schnee und etwas Fels, mehr aber nicht. Wenn man sich die Eisen anschaut, sind sie auch für deutlich mehr gut geeignet und ich freue mich schon sehr auf anspruchsvollere Touren und auf das erste Mal Eisklettern und anspruchsvolle Skitouren mit ihnen im Winter.
Richtig super ist wie leicht die Eisen sind, ihr geringes Packmaß und mit den Stahlzacken sind sie dennoch sehr robust. So sind sie sehr gut für mehrtägige Touren sowie als Backup für z.B. Skitouren geeignet, bei denen man ja oft nicht weiß, ob man die Ski dann doch mal gegen Steigeisen wechseln muss oder nicht.
Was für mich noch recht schwer abschätzbar ist, ist, wie schnell sich das Mittelband am Fels abnutzt. Gut ist hier einmal, dass das Band sehr breit ist und mit Dynema eine allgemein sehr hohe Schnittfestigkeit aufzeigt. So kann ich mir nicht vorstellen, dass dieses einfach so plötzlich reißt. Wenn man seine Steigeisen also nach jeder Tour eh zum Trocknen auflegt und dabei einen kurzen Blick auf das Band wirft, sollte früh genug ersichtlich sein, wenn es dort Abnutzungserscheinungen gibt. Und wenn dem so ist, kann dieses einfach über die Homepage nachbestellt werden.
Zu Hause gut angepasst, sind die Steigeisen auf Tour sehr schnell angelegt. Wer möchte, kann die Tasche mit den Steigeisen auch direkt außen am Rucksack am Hüftgurt montieren. Hierfür hat die Tasche passende Schlaufen. Ich bevorzuge sie lieber leicht zugänglich im Rucksack zu haben. Tasche auf, hoffentlich alle zusätzlichen Kleinteile zu Hause gelassen, und mit wenigen Griffen ist das Steigeisen montiert. Der Verschluss des Fersenbandes ist angenehm. Einfach einhaken und zuziehen. Genau gegengleich, wenn man die Eisen dann wieder ablegt.
Wenn zwischenzeitlich auf der Tour dann doch auch gut über Schnee gegangen wird, schützen die Antistollenplatten sehr gut. Zwischen dem Mittelband und dem Schuh sammelt sich zwar Schnee an, dieser stört jedoch nicht.
Bei Schuhgröße 39-40 steht sehr viel von dem Zentralband über. Dies hat mich auf Touren nie gestört, dennoch ist die Überlegung, ob man dieses Band dann nicht einfach kürzt, wenn das Eisen für einen selbst gedacht ist, bzw. zumindest etwas kürzt und so ja noch immer kompatibel für viele Standard-Schuhgrößen ist. Sie müssen ja nicht bis Schuhgröße 47 kompartibel bleiben.
Der Halt des Steigeisens am Schuh ist sehr gut, die Zacken sind bei Lieferung richtig scharf und sie motivieren! Ich hätte keinerlei Instabilität oder so durch das Zentralband im Vergleich zu einem Metallbügel bemerkt. Alle verarbeiteten Materialien sind sehr gut und innerhalb des Testzeitraumes konnte ich keine Abnutzungen feststellen.
** Zusammenfassung: **
Zusammengefasst sind die Harfang Tech Steigeisen von Blue Ice richtig gute vielseitig einsetzbare Steigeisen. Als Backup beim netten Gletscherspaziergang bis hin zu steilem Eis und wahrscheinlich auch im Mixed-Gelände. Der für solch ein Material doch eher kurze Zeitraum von 6 Wochen im Sommer motiviert zu mehr Touren und für die Wintersaison.
Nachdem die Verarbeitung sehr gut ist, und die Materialien sehr hochwertig wirken, gehe ich in einer ersten Annahme davon aus, dass die Eisen auch im Langzeittest robust abschneiden und viel Freude bringen. Daher vom Hobby-Hochtourengeher, mit minimalem Gepäck und Gewicht, zu Skitourengehern und Eisklettern. Ein Eisen für sehr viele Anwendungen!