Super Trailrunningschuh für unterschiedlichste Ansprüche
VORTEILE
- Stabilität
- Abrollverhalte
- Grip
- Optik
- Dämpfung
NACHTEILE
BEWERTUNG
361° Lynx Trailrunningschuhe – Mein Erfahrungsbericht
Nach unzähligen Trail-Kilometern in verschiedenstem Gelände habe ich mir vor einigen Monaten die 361° Lynx Trailrunningschuhe zugelegt. Als begeisterte Trailrunnerin und Wanderin war ich gespannt, was dieser weniger bekannte Schuh im Vergleich zu meinen bisherigen Favoriten (insbesondere dem NNormal Tomir) leisten kann.
Inzwischen habe ich die Lynx bei rund 10–15 Touren getragen und dabei insgesamt ungefähr 5000 Höhenmeter absolviert – Zeit für einen ausführlichen Erfahrungsbericht zu Qualität, Passform, Grip und mehr. Am Ende ziehe ich mein persönliches Fazit mit den wichtigsten Vor- und Nachteilen.



Qualität & Verarbeitung
Beim ersten Auspacken der 361° Lynx Trailrunningschuhe war mein Eindruck: hochwertig und solide verarbeitet. Obwohl 361° hierzulande nicht so bekannt ist wie manch großer Markenname, stehen die Lynx in Sachen Verarbeitungsqualität den Konkurrenten in nichts nach. Die Materialien fühlen sich robust an: Das Obermaterial besteht aus einem dicht gewebten Mesh mit abriebfesten Überzügen an den typischen Verschleißstellen (wie Zehenkappe und Fersenbereich). Schon beim Anfassen merkt man, dass dieser Schuh für den rauhen Outdoor-Einsatz gebaut ist – keine dünnen, empfindlichen Stoffe, sondern strapazierfähiges Gewebe, das dennoch nicht steif oder unbequem wirkt.
Nach etwa 15 intensiven Läufen und Wanderungen – teils auf scharfkantigem Fels, durch Matsch und über wurzelige Pfade – kann ich berichten, dass die Schuhe die Beanspruchung sehr gut wegstecken. Die Sohle (eine Vibram-Sohle mit sogenannter Litebase-Technologie) zeigt erwartungsgemäß leichte Abriebspuren an den Kanten der Stollen, aber das Profil ist noch nahezu voll intakt. Gerade an der Außenseite, wo ich beim Bergablaufen viel Druck habe, hätte ich mit mehr Abnutzung gerechnet. Doch hier zahlt sich offenbar die Qualität der Vibram-Gummimischung aus – sie scheint nicht nur griffig, sondern auch langlebig. Das ist mir wichtig, denn nichts ist ärgerlicher, als wenn die Sohle schon nach 100 km runter ist. Bei den Lynx habe ich das Gefühl, ich komme noch lange nicht an die Verschleißgrenze.
Auch der Klebstoff und die Nähte machen einen robusten Eindruck. Die Verbindung zwischen Sohle und Schuh ist bombenfest; ich sehe kein Ablösen oder offenen Stellen. Die seitlichen Verstärkungen sind sauber vernäht, es stehen keine Fäden heraus. Selbst innen im Schuh: Das Innenfutter und die Polster an Ferse und Zunge sind ordentlich verarbeitet. Im Fersenbereich ist eine feste Fersenkappe verbaut, die dem Schuh Form und Halt gibt – diese ist gut eingepasst, ich spüre keine harten Kanten. Überhaupt habe ich innen keine scheuernden Nähte oder Klebestellen bemerkt, was für die Verarbeitung spricht.
Ein Detail, das mir positiv auffällt, ist die Schnürung und die Ösenführung: Die Lynx haben klassische Schnürsenkel, die durch verstärkte, teils versteckte Ösen laufen. Alles wirkt vertrauenerweckend, nichts was so aussieht, als würde es beim strammen Zuziehen reißen. Ich ziehe meine Schuhe gerne kräftig fest, vor allem für technische Trails, und bisher halten Schnürsenkel und Ösen tadellos. Die Senkel selbst sind flach und griffig, wodurch sie sich gut verknoten lassen. Einzig die Länge der Schnürsenkel ist etwas großzügig bemessen – ich habe recht viel Band übrig für die Schleife. Das ist besser als zu kurz, aber ich musste lernen, die Schlaufe gut zu verstauen, damit ich nicht hängenbleibe (ein Doppelknoten schafft Abhilfe).
Von der Optik und Designqualität bin ich ebenfalls angetan. Meine Lynx sind in der Farbkombination „Deep Ocean/Absinthe Green“ (ein dunkles Blau-Grün mit Akzenten). Die Farben sind nicht nur schick, sondern auch unempfindlich gegen Dreck – nach einer Matschpartie sehen sie zwar staubig aus, lassen sich aber leicht reinigen und der Stoff nimmt keine Verfärbungen an. Der Schuh behält insgesamt seine Form; oft leiern manche Trailrunner an der Seite aus, aber bei den Lynx ist das Obermaterial formstabil geblieben.
Zusammengefasst überzeugen mich Qualität und Verarbeitung der 361° Lynx voll. Es ist offensichtlich, dass hier Wert auf langlebige Materialien und solide Konstruktion gelegt wurde. In meinen Augen können die Lynx in dieser Kategorie mit meinen NNormal Tomir absolut mithalten – und das will was heißen, denn die Tomir gelten als äußerst robust. Ich gehe davon aus, dass mich die Lynx noch über viele weitere Höhenmeter begleiten werden, ohne schlapp zu machen.
Passform & Laufgefühl
Die Passform eines Schuhs ist sehr individuell – für mich persönlich passt der 361° Lynx ziemlich gut, mit einer kleinen Einschränkung im Vorfußbereich. Aber der Reihe nach: Ich habe einen eher breiten Vorderfuß und normalen Fersenbereich. Beim Anprobieren der Lynx fiel mir sofort auf, dass die Schuhe im Mittel- und Fersenbereich schön eng anliegen. Die Ferse sitzt fest in der Fersenschale, da wackelt nichts. Das ist super, weil es Blasen vorbeugt und auf unebenem Untergrund Stabilität gibt. Im Mittelfuß sorgt eine Art umlaufendes Band (die Schnürung greift hier tiefer) für guten Halt, so dass mein Fuß nicht im Schuh herumrutscht. Dieser umschließende Sitz vermittelt Vertrauen, vor allem beim Bergablaufen oder auf Querungen, wenn viel seitlicher Druck auf den Schuh kommt.
Im Vorfuß jedoch sind die Lynx etwas schlanker geschnitten. Für normale Fußbreiten dürfte das prima sein, denn der Hersteller bewirbt sogar eine „geräumige Zehenbox“ zur natürlichen Zehenbewegung. Meine persönliche Erfahrung: Während die Zehenbox in der Höhe und Länge ausreichend Platz bietet (ich stoße vorne nicht an, auch bei Gefälle nicht), empfinde ich die Weite über den Ballen etwas knapp. Meine Zehen können sich nicht ganz so spreizen, wie ich es etwa in meinen NNormal Tomir gewohnt bin. Bei den ersten Läufen spürte ich seitlich einen leichten Druck an den Kleinzehenballen. Es war nicht schmerzhaft, aber bemerkbar. Allerdings muss ich dazu sagen, dass sich das Obermaterial mit der Zeit minimal eingetragen hat. Nach den ersten 50 Kilometern fühlte es sich schon besser an – entweder hat der Schuh etwas nachgegeben oder mein Fuß hat sich angepasst. Jedenfalls laufe ich mittlerweile 20-km-Trails damit ohne ernsthafte Komfortprobleme. Dennoch würde ich sagen: Für Läuferinnen mit sehr breiten Füßen könnte der Lynx im Vorfußbereich etwas zu eng sein. In meinem Fall ist es an der Grenze des Angenehmen, geht aber noch okay. Wer zwischen zwei Größen steht, sollte eventuell die größere probieren, um vorne genug Raum zu haben.
Nun zum Laufgefühl: Sobald ich loslaufe, merke ich sofort die ausgezeichnete Dämpfung des Lynx. Der Schuh verfügt über eine spezielle Zwischensohle (genannt PrimoFoam), die wirklich einen klasse Job macht. Sie fühlt sich weich und federnd an, ohne schwammig zu sein. Besonders auf harten Untergründen – zum Beispiel felsige Schotterpisten oder festgetretene Waldwege – werden die Stöße sehr gut abgefedert. Ich hatte auf einer Tour einen längeren Downhill auf einer Forststraße; normalerweise spüre ich da am Ende jeden Stein durch die Sohle, vor allem wenn ich müde werde. Mit den Lynx war das Abwärtslaufen deutlich angenehmer für meine Gelenke. Die Dämpfung schluckt viel vom Aufprall, so dass die Knie und Knöchel geschont werden. Gleichzeitig ist das Material reaktiv genug, um beim Abdruck etwas Energie zurückzugeben. Es ist kein super straffes, direktes Laufgefühl wie bei einem flachen Wettkampfschuh – das will der Lynx aber auch gar nicht sein. Er ist mehr ein komfortabler Trainings- und Tourenschuh, und genau so läuft er sich auch: bequem, gedämpft, stabil.
Die Stabilität hat mich ebenfalls überzeugt. Trotz der relativ dicken Sohle (der Schuh hat einen moderaten Stack, um die 35 mm Fersenhöhe mit 5 mm Sprengung) habe ich nie das Gefühl, zu hoch über dem Boden zu stehen oder umzuknicken. Im Gegenteil, der Schuh vermittelt ein sicheres Laufgefühl, was ich seinem guten Fersenhalt und der breiteren Sohlenauslegung zuschreibe. Die Basis des Schuhs – sprich die Außensohle – ist etwas breiter als der Fuß selbst, insbesondere im Mittelfuß. Das erzeugt so eine Art Plattform, die seitlich stützt. Ich habe das besonders auf einem Trail bemerkt, der seitlich am Hang verlief: normalerweise kippelt da der Fuß leicht nach außen, aber die Lynx blieben stabil, mein Fuß kippte im Schuh nicht weg. Sicher spielt auch die Dämpfung eine Rolle, die scheint nämlich so konzipiert, dass sie zwar weich nach unten federt, aber seitlich nicht allzu nachgiebig ist. In Kombination mit der festen Fersenkappe hatte ich in Sachen Stabilität volles Vertrauen, auch auf unebenem Terrain.
Ein wichtiger Punkt fürs Laufgefühl ist auch das Abrollverhalten. Der 5 mm-Sprengung sind ein guter Kompromiss zwischen natürlichem Laufstil und unterstützter Fersen-Abrollbewegung. Ich laufe recht viel Vorfuß/Mittelfuß, aber bergab oder wenn ich müde werde, lande ich auch mal auf der Ferse. Mit den Lynx funktioniert beides problemlos. Der Übergang von Ferse zu Zeh beim Abrollen ist schön gleichmäßig. Kein Wegsacken im Mittelfuß, keine harte Kante – man rollt flüssig durch. Ich hatte nie das Gefühl, gegen den Schuh arbeiten zu müssen, im Gegenteil, ich fand meinen Rhythmus sofort. Das Gewicht des Schuhs ist dabei angenehm unauffällig. Ich habe es zwar nicht nachgewogen, aber subjektiv fühlen sich die Lynx nicht schwer an; ich würde sie als mittelschwer einstufen. Für einen gut gedämpften Trailschuh sind sie auf jeden Fall leicht genug, dass ich auch längere Läufe (>20 km) damit gemacht habe, ohne dass mir die Beine wegen zu schwerer Schuhe müde wurden.
Noch ein Wort zur Atmungsaktivität und Komfort bei langen Einsätzen: Die Lynx sind keine Gore-Tex-Schuhe, das Obermaterial ist ein offenes Mesh (mit Verstärkungen). Dadurch sind sie relativ gut belüftet. Bei warmem Wetter hatte ich nie das Gefühl von Überhitzung im Schuh – meine Füße blieben für Trail-Verhältnisse recht kühl und trocken. Natürlich, wenn man durch Pfützen oder Nässe läuft, wird der Fuß auch mal feucht, denn ohne Membran dringt Wasser durch. Aber umgekehrt trocknen sie auch schnell wieder. Ich persönlich bevorzuge für Trailrunning meist ohne Membran, außer es ist richtig Winter, weil die Füße so einfach besser atmen. Und hier haben mich die Lynx nicht enttäuscht: Selbst nach einem schweißtreibenden 3-Stunden-Lauf hatte ich keine übermäßig feuchten Socken. Innen ist der Schuh gut gepolstert an Zunge und Schaft, sodass es gemütlich bleibt, aber eben nicht übermäßig heiß.
Einziges kleines Komfort-Manko, das ich ansprechen möchte, ist die Schnürung im Vergleich zu meinem Referenzschuh (NNormal Tomir): Während die Schnürung der Lynx zuverlässig hält, merke ich beim sehr fest Schnüren einen gewissen Druck auf dem Spann. Ich muss also aufpassen, sie nicht zu stramm zu ziehen, sonst drückt es oben auf den Fuß. Das liegt vermutlich an der klassischen Ösenanordnung, die sehr zentral über dem Spann zusammenläuft. Beim NNormal Tomir gibt es ein asymmetrisches Schnürsystem, das diesen Druck besser verteilt – darauf komme ich gleich im Vergleich noch. Bei den Lynx habe ich aber einen Trick gefunden: Ich schnüre normal fest und mache dann eine Doppelschlaufe, so hält alles ohne dass ich extrem zuziehen muss. Während des Laufens hat sich bei mir bisher noch keine Schnürung gelöst. Also insgesamt in Ordnung, aber es ist Verbesserungspotenzial da, was die Druckverteilung angeht.






Grip & Geländetauglichkeit
Was nützt der beste Laufschuh, wenn man auf schlammigen Trails rutscht oder auf Fels keinen Halt hat? Glücklicherweise haben die 361° Lynx eine ihrer größten Stärken im Grip. Die Sohle ist – wie erwähnt – von Vibram und nennt sich Litebase, was bedeutet, dass sie etwas dünner gebaut ist, um Gewicht zu sparen, aber die Performance einer Vollgummi-Sohle bietet.
Das Profil der Lynx besteht aus mittelgroßen Stollen (ich schätze um die 4-5 mm Tiefe) mit einem vielseitigen Stollenmuster. Bereits beim ersten Lauf auf herbstlichen Waldwegen merkte ich, wie sicher ich unterwegs war: Auf feuchtem Laub und erdigen Trails haben sich die Stollen richtiggehend in den Untergrund gekrallt.
Kein Wegrutschen, selbst in etwas matschigeren Passagen – da war ich echt angetan. Ich hatte ehrlich gesagt nicht erwartet, dass der Grip so hervorragend ist, weil ich vorher wenig über die Schuhe wusste. Aber Vibram ist eben Vibram: Die Gummimischung scheint eine griffige zu sein (vermutlich Megagrip oder ähnlich), denn auf nassen Steinen und Wurzeln fühlte ich mich ebenfalls sehr sicher.
Eine Schlüsselerfahrung war eine Tour über einen felsigen Grat. Dort gab es blanken Fels, teils mit dünner Feuchtigkeitsschicht (morgendlicher Tau). Wo andere Schuhe vielleicht zum leichten Schmieren neigen, blieben die Lynx beeindruckend haftfreudig. Natürlich muss man auf glitschigen Steinen immer vorsichtig setzen, aber ich hatte Vertrauen, dass die Schuhe greifen. Ich erinnere mich an eine Stelle, an der ich mit einem Fuß auf einer geneigten Felsplatte stand – ich belastete vorsichtig, bereit ggf. wegzurutschen, doch der Schuh blieb stabil, die Sohle verzahnte sich förmlich mit dem Fels. Dieses Maß an Grip kenne ich auch von meinen NNormal Tomir, die ebenfalls eine Vibram-Sohle haben. Es scheint, die Lynx stehen dem in nichts nach.
Im Matsch und weichem Untergrund machen die Lynx auch einen guten Job, solange es nicht zu extrem wird. Die Stollen sind nicht die tiefsten auf dem Markt (kein vergleich zu reinen Mud-Schuhen mit 8 mm Traktorenprofil), aber sie sind tief genug, um in normal schlammigen Waldstücken noch Traktion aufzubauen.
Ich bin durch aufgeweichten Waldboden gelaufen; klar, ein bisschen Rutschen lässt sich nie vermeiden, doch ich hatte immer das Gefühl von Kontrolle. Der Schlamm setzt sich auch nicht übermäßig im Profil fest – das Muster räumt sich beim Laufen größtenteils selbst wieder frei. Bei wirklich knöcheltiefem Morast kommt aber auch der Lynx an seine Grenzen, da fehlt dann einfach die Stollenlänge, um komplett Grip zu haben. Für solche Bedingungen nutze ich persönlich spezielle Schuhe. Aber im Alltags-Mix aus Schotter, Erde, Fels und auch mal einem Bachbett hat der Lynx absolut überzeugt.
Ein weiterer Aspekt der Geländetauglichkeit ist der Schutz. Die Lynx haben vorne an den Zehen eine schützende Kappe. Die habe ich leider (oder zum Glück?) auch schon ausgiebig getestet: Bei einem schnellen Downhill bin ich an einer herausragenden Wurzel hängen geblieben und mit voller Wucht mit dem rechten Vorfuß dagegen gestoßen. Ein Moment, wo man normalerweise Sterne sieht und die Zehen bluten können. Dank der robusten Gummikappe am Lynx blieb mir das aber erspart. Klar, es tat kurz weh, aber der Schuh hat den größten Impact absorbiert – meine Zehen blieben heil und der Schuh zeigte nicht mal einen Kratzer an der Stelle. Dieser Stoßschutz ist Gold wert auf Trails mit Geröll oder Wurzeln.
Auch die Seiten des Fußes sind durch die Besätze gut geschützt, zum Beispiel gegen scharfe Steine oder Dornen. Und dennoch wirkt der Schuh nicht klobig oder overbuilt – 361° hat da eine gute Balance gefunden. Der Mittelfußbereich hat im Sohlenaufbau zudem eine leichte Versteifung (vielleicht eine Platte oder einfach die Form), wodurch man auf unebenen Tritten nicht jeden Stein durchbiegt. Ich kann auf einer steinigen Passage halb auf einem kantigen Stein landen, und der Schuh gibt genug Stabilität, dass es nicht weh tut. Das ist insbesondere beim Wandern bergab mit Rucksack angenehm, weil man da mit mehr Gewicht auftritt.
Ein Wort noch zu Technik und Geschwindigkeit: Die Lynx sind als “leichter, technischer Trainingsschuh” beschrieben. Heißt: Sie sollen auch in etwas technischem Terrain zurechtkommen, aber sie sind keine reinen Wettkampf-Raketen. In meiner Erfahrung spiegelt sich das wider. In moderat technischem Gelände (Fels, Wurzeln, schmale Pfade) fühle ich mich sehr wohl und sicher. Der Schuh ist beweglich genug, um auch mal in eine kleine Kante zu beißen oder präzise aufzutreten. Er hat nicht die steife Sohle eines Bergschuhs, sondern erlaubt auch am Fels ein bisschen Gefühl. Ich konnte auf einer Route, die ein paar einfache Kletterstellen (I-II Grad) enthielt, mit den Schuhen gut antreten, ohne sofort wegzurutschen. Allerdings ist der Schuh nicht ultradirekt – sprich, wer Parkour-gleich von Fels zu Fels sprinten will, spürt natürlich die Dämpfung als kleine Verzögerung. Für meine Zwecke (zügig laufen, aber sicher und kontrolliert) ist das perfekt. Ich bin einmal mit ihnen auch auf einem leichten Klettersteig gewesen (eigentlich als Zustieg gedacht), und selbst dort haben sie sich wacker geschlagen in Sachen Grip.
Zusammenfassend würde ich dem Lynx in puncto Grip & Geländetauglichkeit eine sehr hohe Allround-Tauglichkeit attestieren. Vom Geröllfeld bis zum Waldpfad, vom nassen Fels bis zum Trockenschotter – er bietet verlässlich Traktion und ausreichend Schutz. Nur in völlig extremen Bedingungen (tiefster Schlamm oder reine Hochgebirgs-Klettereien) stößt er naturgemäß an Grenzen, aber dafür ist er auch nicht konzipiert. Für alle “normalen” Trail-Abenteuer ist er ein treuer Partner, auf den ich mich bisher immer verlassen konnte.
Vergleich mit ähnlichen Modellen
In meinem Schuhregal befinden sich neben den 361° Lynx unter anderem der NNormal Tomir – ein Schuh, den ich sehr schätze – sowie Modelle von Salomon und Hoka, die ich in der Vergangenheit viel gelaufen bin. Der spannendste Vergleich ist sicherlich jener zwischen dem Lynx und dem Tomir, da ich beide quasi abwechselnd laufe und sie für mich in direkte Konkurrenz treten.
NNormal Tomir vs. 361° Lynx:
Der NNormal Tomir war bislang mein Go-To-Schuh für vielfältiges Gelände. Er ist leicht, robust, hat super Grip und einen ähnlichen Einsatzbereich wie der Lynx. Nachdem ich nun den Lynx ausprobiert habe, muss ich sagen: Er kommt dem Tomir sehr nahe. Beide Schuhe bieten hervorragende Dämpfung und Komfort auf langen Strecken. Ich kann in beiden einen lange Strecke im Gelände laufen, ohne dass mir die Füße „durchgeschüttelt“ werden. Die Dämpfung des Lynx empfinde ich sogar als einen Tick weicher und elastischer, was lange Läufe gemütlich macht. Der Tomir ist minimal straffer im Dämpfungsverhalten, was manchmal ein etwas direkteres Bodengefühl gibt – Geschmackssache, ich mag beide Ansätze.
Beim Grip sind beide top, was wenig verwundert: Beide haben Vibram Außensohlen mit ähnlicher Stollenhöhe. In matschigen oder felsigen Passagen konnte ich ehrlich gesagt keinen merklichen Unterschied feststellen; weder positive noch negative Ausrutscher bei einem der Modelle. Hier spielen sie in der gleichen Liga und haben mich beide nie im Stich gelassen.
Die Passform unterscheidet sich etwas: Der Tomir hat (zumindest in meiner Wahrnehmung) eine etwas breitere Zehenbox als der Lynx. Ich habe im Tomir nie Druckstellen vorne, meine Zehen haben gut Platz. Der Lynx, wie erwähnt, sitzt bei mir vorne knapper. Das könnte bedeuten, dass Läufer*innen mit breitem Vorfuß im Tomir bequemer unterwegs sind, während der Lynx für normalbreite Füße tadellos passt. Im Mittelfuß und Ferse sind beide ähnlich fest und sicher. Ich habe im Tomir ebenfalls einen sehr guten Fersenhalt, der Lynx steht dem in nichts nach.
Der größte Unterschied zwischen den beiden ist für mich tatsächlich das Schnürsystem. NNormal hat beim Tomir eine asymmetrische Schnürung – die Schnürsenkel verlaufen etwas versetzt über den Fußrücken – was laut Hersteller Druckpunkte reduziert. Tatsächlich empfinde ich die Schnürung beim Tomir als äußerst komfortabel; ich kann ihn fest binden, ohne dass es irgendwo drückt. Zusätzlich hat der Tomir eine elastische Zunge, die den Spann entlastet. Im direkten Vergleich merkt man, dass der Lynx hier konventioneller ist. Wie zuvor beschrieben, muss ich beim Lynx etwas aufpassen, mir keinen Spannschmerz zu schnüren. Das Schnürsystem des Tomir würde ich daher als überlegen bezeichnen, weil es mir persönlich einen noch etwas besseren Fußhalt gibt, ohne jegliches Druckgefühl. Das soll nicht heißen, dass die Lynx-Schnürung schlecht ist – sie ist klassisch und funktional – aber im Detail hat der Tomir da die Nase vorn.
Ein weiterer Unterschied: Der Markenhintergrund. NNormal ist die Marke von Kilian Jornet, hat also einen gewissen Hype und auch ihren Preis (die Tomir liegen preislich ähnlich oder etwas höher als die Lynx, je nach Angebot). 361° ist hingegen ein weniger bekannter Hersteller, was aber auch bedeutet, dass man die Lynx eventuell günstiger schießen kann oder zumindest mal etwas Neues probiert. Ich war anfangs skeptisch, ob ein “Underdog” mit dem High-End-Produkt mithalten kann. Jetzt bin ich positiv überrascht, dass die Lynx wirklich fast auf Augenhöhe mit den Tomir sind.
Wenn ich noch andere Modelle heranziehe, etwa einen Salomon Sense Ride oder Hoka Speedgoat, würde ich den Lynx wie folgt positionieren: Er vereint ein bisschen was von beiden Welten – die Agilität und Mischung aus Schutz und Bodengefühl eines Salomon, mit der komfortablen Dämpfung und dem Grip eines Hoka. Natürlich hat jeder Schuh seine eigene DNA, aber falls man diese Modelle kennt: der Lynx ist weder ein super straffer Racer, noch ein maximalistischer Dämpfungsschuh, sondern ein ausgewogener Allround-Trailschuh.
Alles in allem muss ich sagen, der 361° Lynx hat mich so überzeugt, dass er nun gleichberechtigt neben dem NNormal Tomir in meinem Schuhschrank steht. Ich greife gern zu beiden; manchmal entscheide ich nach Lust und Laune oder Minimalunterschieden: Hat meine Fußsohle heute mehr Lust auf superweiche EVA-Dämpfung (Tomir) oder etwas federndere, dynamischere Dämpfung (Lynx)? Ist es sehr heiß und ich will vielleicht das etwas luftigere Obermaterial (da nehmen sie sich aber wenig)? Oder brauche ich die etwas breitere Zehenbox vom Tomir, wenn die Füße schon geschwollen sind? Es sind Nuancen. Wer den NNormal Tomir mag, wird den 361° Lynx mit hoher Wahrscheinlichkeit ebenfalls mögen – und umgekehrt.