Trail-Schuh für einfache Trails, einige Schwächen im Gelände
VORTEILE
- VIBRAM-Sohle mit sehr gutem Grip
- Niedrige Sprengung für ein natürliches Laufgefühl
- Mesh-artiges Obermaterial für gute Lüftung
NACHTEILE
- Kein Zehenschutz
- Mesh-Obermaterial im Gelände empfindlich
BEWERTUNG
1. Produktbeschreibung
Ich habe den 361° Lynx (Sprich: One Degree Beyond) im Herbst 2025 zum Testen bekommen und bin damit etliche Kilometer über die heimischen Waldweg und Trails gelaufen. Insgesamt habe ich ca. 150 Kilometer und 2.700 Höhenmeter damit gemacht.
Den Schuh gibt es für aktuell 125e (UVP 160 €), damit befindet sich der Schuh im mittleren Preissegment. Zur Auswahl stehen sowohl für Frauen als auch für Männer je drei Farben.
361° bewirbt den Schuh als einen sehr leichten, gut gepolsterten Trail-Schuh, mit dem man in technischem Gelände bestens aufgehoben ist.
2. Vorteile
- VIBRAM-Sohle für sehr guten Halt
Der Schuh kommt mit einer VIBRAM-Sohle, mittlerweile schon fast ein Must-Have für Trailrunningschuhe. Die sehr groben, omnidirektionalen Stollen geben in jedem Gelände zuverlässig Halt. Ob auf einem flowigen Waldtrail, im Schlamm, Schneematsch oder auf Schotter und Fels - ich hatte stets ein sicheres Gefühl im Schuh.
Aus Erfahrungen mit anderen Schuhen, die ebenfalls mit einer ähnlichen VIBRAM-Sohle kommen, kann ich auch sagen, dass diese wirklich sehr langlebig ist. Wenn man überwiegend Trails und wenig Asphalt läuft, ist diese auch noch nach 600-800 Kilometer gut für anspruchsvolle Passagen.
- Niedrige Sprengung für ein natürliches Laufgefühl
Mit einer Sprengung von nur 5 Millimeter sorgt der Schuh für ein sehr natürliches Laufgefühl. Gerade bei Downhill-Passagen empfinde ich eine zu hohe Sprengung (alles über 10 Millimeter ) meist als störend, da ich oft das Gefühl habe, dass die Ferse zu hoch steht und ich irgendwie nach vorne in den Schuh gedrückt werde.
Zur Passform: Der Schuh fällt eher breit und voluminös aus, ist also für Läufer mit sehr schmalen Füßen nicht ganz optimal.
Die Schnürung ermöglicht eine Anpassung des Schuhs an den eigenen Fuß und am oberen Abschluss mit den zwei Ösen eine "Marathon-Schnürung", die ich sehr gerne verwende und nur empfehlen kann.
- Luftiges Mesh-Material
Das sehr luftige Mesh-Material auf der Oberseite des Schuhs sorgt stets für eine gute Belüftung, sodass man auch an warmen Tage nicht allzu sehr schwitzt oder sich die Hitze im Schuh staut. Ein weiterer Vorteil ist, dass nasse Frühe nach einem Tritt in eine Pfütze oder einem kurzen Regenschauer sehr schnell trocknen. Für kalte Tage muss man dafür dann vielleicht doch zu dem etwas dickeren Paar Socken greifen, aber das stellt in dem Fall kein Problem dar.
Auf die Nachteile des Mesh-Materials gehe ich später noch ein.
3. Nachteile
- Fehlender Zehenschutz
Für mich tatsächlich ein sehr großes Manko und eigentlich obligatorisch bei Trail-Schuhen. Die beste Sohle und die beste Passform nützen wenig, wenn ich mir bei jedem Kontakt mit einer Wurzel oder einem herumliegenden Stein meine Zehen blau schlage. Wie schmerzhaft das sein kann, weiß jeder, der im Downhill mit einem kleinen Stein schonmal Fußball gespielt hat.
Hier muss auf jeden Fall nachgearbeitet werden, weil so ist der Schuh für technische Trails im Gebirge tatsächlich nur bedingt geeignet.
- Mesh-Gewebe im Gelände empfindlich
Dass die meisten Trail-Schuhe auf Mesh-Gewebe als Obermaterial verzichten (bzw. nur sehr wenig davon verwenden) hat schon seine Gründe. Zum einen finden kleine Steine und Staub dann doch ihren Weg durch das Mesh, gerade bei längeren Touren. Was anfangs nur störend sein mag, sorgt nach mehreren Stunden dann doch irgendwann für Blasen oder Scheuerstellen. Das andere Problem mit Mesh als Obermaterial ist, dass es eben sehr empfindlich ist. Gerade auf technischen Trails mit spitzen und scharfen Steinen und Wurzeln überall machen Trail-Schuhe einiges mit. Im Mesh verfängt sich dann doch schnell mal etwas und das Mesh leidet sehr schnell darunter und der Schuh geht deutlich schneller kaputt, als bei einem stabileren Material.
Die Atmungsaktivität ist natürlich ein Plus, im Gelände würde ich aber lieber etwas weniger Atmungsaktivität haben und dafür einen stabileren und langlebigeren Schuh laufen.
- Hohes Fersenteil
Für mich tatsächlich immer wieder ein Problem und auch leider bei diesem Schuh. Der extrem hohe Abschluss der Ferse drückt beim Vorfußlaufen sehr unangenehm in die Ferse. Beim Bergauf ist das weniger ein Problem, da hier die Ferse eher gestreckt ist. Im Downhill teils schmerzhaft und auch ein Grund, wieso ich mit dem Schuh keine großen Downhills mehr laufen werde. Das dauerhafte Drücken des Fersenteils in die Achillessehne sorgte dort immer wieder für einen schmerzhaften Druckpunkt, der auch einige Tagen bestehen blieb.
Dementsprechend laufe ich mit dem Schuh nur noch flache Waldtrails ohne große Höhenmeter.
Eigentlich schade, weil ich den Sinn dieses hohen Abschlusses noch nie verstanden habe - halt gibt mir der Abschluss nicht, sonst könnte ich ja mit anderen Schuhen auch nicht problemlos über die anspruchsvollsten Trails laufen.
Anbei zwei Bilder die veranschaulichen, was ich meine. Links der 361° Lynx und rechts der Dynafit Sky DNA. Bei beiden handelt es sich um sehr leichte Trail-Schuhe für den gleichen Einsatzbereich.
Der Dynafit ist etwas teuer als der 361°, dies liegt aber an anderen Gründen und nicht an dem Abschluss der Ferse


4. Fazit
Aufgrund der oben genannten Gründe kann ich dem Schuh leider nicht mehr als drei Sterne geben. Die fehlende Zehenbox und der hohe Fersenteil machen ihn für den gedachten Einsatzzweck bedauerlicherweise nur sehr bedingt tauglich. Im Endeffekt nehme ich ihn jetzt als Trainingsschuh für entspannte Waldtrails - verschwendetes Potential. Mit einem etwas stabileren Obermaterial, einem Zehenschutz und einem angepassten Fersenteil wäre der Schuh ein super Laufschuh für Trails.