Eine Notfallausrüstung für Skitourengeher ist kein „nice to have“, sondern ein unverzichtbarer Sicherheitsfaktor im alpinen Gelände. Egal ob du Freeriden, Skitourengehen oder Schneeschuhwandern gehst – immer wenn du dich abseits gesicherter Pisten bewegst, solltest du eine vollständige Sicherheits- und Lawinenausrüstung dabeihaben. Dazu gehören neben der klassischen Lawinenausrüstung (LVS‑Gerät, Sonde, Schaufel) auch Medikamente, Erste‑Hilfe‑Material, Rettungsmittel und weitere wichtige Ausrüstungsgegenstände. Diese Ausrüstung ist kein übertriebener Ausrüstungswahn, sondern kann in kritischen Situationen über Leben und Tod entscheiden.
Wie essenziell das sein kann, zeigt das Beispiel einer Lawinenverschüttung: In den ersten 15 Minuten überleben Verschüttete statistisch gesehen mit einer 90‑prozentigen Wahrscheinlichkeit. Danach fällt die Überlebenschance rapide ab. Mit der richtigen Notfall- und Lawinenausrüstung kannst du eine verschüttete Person im Durchschnitt innerhalb von 11 Minuten orten, ausgraben und versorgen – allerdings nur, wenn du sowohl die richtige Ausrüstung dabeihast als auch regelmäßig das Handling und Notfallmanagement trainierst.
Eine vollständige Notfallausrüstung erhöht nicht nur deine eigene Sicherheit, sondern macht dich auch zum wertvollen Partner für deine Gruppe – denn im Ernstfall zählt jede Sekunde. Für alle, die Skitouren, Backcountry‑Rides oder Wintertouren planen, gilt daher: Profi‑Equipment, Wissen und Training sind untrennbar miteinander verbunden.
► Wir haben in diesem Ratgeber zusammengefasst, welche Notfallausrüstung du dabei haben musst und worauf es im Detail ankommt.
1. Notfallausrüstung: LVS-Geräte (Lawinen-Verschütteten-Such-Geräte)
Das LVS-Gerät stellt die schnellste und sicherste Möglichkeit dar, Verschüttete zu orten. Dabei kommt es auf die einfache, intuitive Bedienbarkeit des Geräts und ausreichendes Training des Benutzers an. Das sollte ein LVS Gerät unbedingt können:
● Digitaler Prozessor mit 3 Antennen
● Display mit Ortungspfeil und Entfernungsangabe
● Markierfunktion
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2. Notfallausrüstung: Lawinenschaufel
Die Lawinenschaufel ist zur schnellen Bergung bzw. zum Ausgraben bei einer Lawinenverschüttung notwendig. Zudem kannst du sie zur Schneedeckenuntersuchung, sowie zum Schneehöhlenbau verwenden. Dabei ist es wichtig, dass du damit auch bei kompaktem Lawinenschnee und extremer Kälte effektiv arbeiten kannst. Denk noch nicht einmal daran, dass du mit den Händen graben könntest. Das ist wichtig bei deiner Lawinenschaufel:
● Stabiles, leichtes und kleines Packmaß
● Ergonomischer und teleskopierbarer Griff für den optimalen Hebel zum Graben
● Gekrümmtes Schaufelblatt
● Material: temperaturgehärtetes Aluminium mit Bearbeitungsbezeichnung 6061 T6 liefert die beste Performance aus Gewicht und Stabilität
3. Notfallausrüstung: Lawinensonde
Die Lawinensonde unterstützt dich bei der Punktortung eines Verschütteten mit dem LVS-Gerät. Dank ihr kannst du die genaue Lage und Tiefe des Opfers bestimmen. Achte beim Kauf deiner Lawinensonde auf folgende Merkmale:
● Stabil, leicht und kleines Packmaß
● Skala zum Ablesen der Verschüttungstiefe/Schneehöhe
● Material: Aluminium oder Karbon - wir empfehlen dir hier ein 7000-er Alu
● Länge: mindestens 240 Zentimeter
● Schnellspannsystem
4. Notfallausrüstung: Erste-Hilfe-Set
Das Erste-Hilfe-Set zählt zur Grundausstattung jedes ambitionierten Bergsportlers. Damit kannst du nicht nur dir selber helfen, sondern einen Verletzten schnell erstversorgen. Der Inhalt sollte beim Freeriden und Skitourengehen auf Berg- und Skiunfälle abgestimmt sein und folgenden Inhalt auf jeden Fall enthalten:
- Heftpflaster (Wundschnellverband)
- Wundauflagen
- Leukoplast (Tape)
- Dreieckstuch
- Elastische Binde
- Verbandspäckchen, Mullbinden
- Rettungsdecke
- Schere
- Desinfektionsmittel, evtl. Schmerzmittel
- Blasenpflaster.
► Mehr Info: Detaillierte Informationen rund um das Erste-Hilfe-Set findest du in unserem Ratgeber
5. Notfallausrüstung: Handy und/oder Funkgerät
Bei einem Unfall musst du gegebenenfalls den Rettungsdienst verständigen. Dazu ist im Alpenraum ein Mobiltelefon empfehlenswert, weil die Netzabdeckung relativ gut ist. In entlegenen Gebieten ist ein Funkgerät nötig.
6. Notfallausrüstung: Biwaksack
Er gibt dir im Falle eines Notbiwaks Kälte und Nässeschutz, Verletzte schützt er vor Unterkühlung. Am besten ist ein Zweimann-Biwaksack, der aus möglichst leichtem, aber strapazierfähigem Material ist.
► Mehr Info: Lies dazu unseren Ratgeber Biwaksack / Biwakzelte
7. Notfallausrüstung: Reparaturset
Falls an der Ausrüstung etwas kaputt geht, hilft das kleine Reparaturset. Dieses kannst du dir selbst funktional zusammenstellen - folgende Dinge machen Sinn:
- Multifunktionstool
- Ersatzteller
- Kabelbinder/Draht
- Klebeband
- Ersatzkleber für Felle
- Wachs
8. Notfallausrüstung: Stirnlampe
Eine LED-Stirnlampe brauchst du, falls sich durch einen Notfall die Rückkehr verzögert und insbesondere im Hochwinter die Dunkelheit schnell hereinbricht. Damit lässt sich auch das optische Notrufsignal senden.
► Mehr Info: Hier alles rund um das Thema Beleuchtung und Stirnlampen
9. Lawinenairbag
Rucksäcke mit einem in den Rucksack integrierten Lawinenairbag erhöhen die Chance im Fall der Fälle gerettet zu werden. Das größere Volumen im aufgeblasenen Zustand verschafft dir mehr Auftrieb. Damit sinkt die Wahrscheinlichkeit in einer Lawine zu sterben, deren Größe für Personen gefährlich werden kann, von 22 auf 11 Prozent. (Quelle: SLF) Wir empfehlen dir dabei auf folgende Kriterien zu achten:
● Mindestvolumen im aufgeblasenen Zustand 150 Liter, das in 5, besser 3 Sekunden nach der Auslösung erreicht sein muss
● Reißfester Airbag mit 2 getrennten Kammern, die im Nackenbereich als Schutz durchgängig sind
● Robustes Gurtsystem mit Schulter-, Brust-, Hüft- und Schenkelgurt
● Geringes Gewicht, Passform, Features entsprechend der persönlichen Anforderungen, mindestens 20 Liter Packvolumen
● Zusatzfeatures: Fernsteuerung, automatisches Entleeren (für Atemhöhle), modulares System (Wechsel des Packsacks)
10. Recco-Reflektor
Das Recco-System besteht aus einem Reflektor, der in verschiedene Kleidungsstücke sowie Rucksäcke integriert ist. Dieser lässt sich von professionellen Rettungsteams mit Hilfe eines radarähnlichen Geräts finden - das funktioniert sehr genau, aber die Bergung dauert in der Regel länger, weil Zeit vergeht, bis das Bergrettungsteams vor Ort ist.
Wichtig: Der Recco-Reflektor bietet eine Chance mehr gefunden zu werden, soll aber das LVS-Gerät in keinem Fall ersetzen.
Wo kannst du Notfallausrüstung kaufen?
Eine funktionstüchtige Notfallausrüstung ist nicht unbedingt günstig, aber begleitet dich normalerweise über mehrere Jahre und kann dein Leben retten. Achtet darauf: Lawinenschaufeln und -sonden werden oftmals im Set angeboten.
Stirnlampen, Lawinenrucksäcken und alles, was du für deine Sicherheit sonst noch brauchst, findest du in den jeweiligen Rubriken hier auf der Website. Nimm dir Zeit, um die richtige Ausrüstung für dich zu finden und teste nach dem Kauf die Handhabung.
Wenn du schon ein spezielles Modell im Auge hast, oder dich sogar selbst sehr gut auskennst, kannst dich aber natürlich auch bei OUTSIDEstories getesteten Notfallausrüstungen informieren oder direkt Lawinenausrüstung hier online kaufen.
Was kostet die Notfallausrüstung?
Entscheidest du dich für eine vollständige Notfallausrüstung, musst du etwas tiefer in die Tasche greifen, aber denk immer daran, es geht um deine Sicherheit. Die Preisspanne für ein LVS Gerät liegt zwischen 200 und 300 Euro, die Lawinenschaufel kostet zwischen 20 und 80 Euro und die Lawinensonde zwischen 15 und 50 Euro. Achte hierbei unbedingt darauf, dass du einen guten Set-Preis erhältst, die es meistens schon ab 200 Euro gibt.
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