Top Rucksack aber viele verbesserungsürdige Details
VORTEILE
- sitzt perfekt
- EN1621-2 Protektor
- Trinksystem 2l inklusive
- Volumen vergrößerbar
- schlichtes Design
- leicht
NACHTEILE
- Fixierung Trinkblase
- Fixierung Drybag
- Reißverschlüsse hakelig
- Protektorbefestigungsschlaufen zu eng
BEWERTUNG
Man verfolgt ja immer im Internet Events wie die Eurobike und auch welche neuen Produkte dort Awards gewinnen. Umso erfreulicher ist es, wenn ein Packet von Outside-Stories abgegeben wird, was seinerseits so ein ausgezeichnetes Produkt enthält!

In diesem Fall war es der neue Komperdell Tourpack mit integriertem Rückenprotektor. Komperdell kennt man vom Wintersport bereits als zuverlässigen Hersteller von Protektoren und auch Stöcken. Es ist also eigentlich naheliegend, dass auch Protektoren zum Biken verkauft werden können und mit der neuen Protektorenrucksackserie macht Komperdell genau das.

Erster Eindruck:
Die Gurte sehen etwas "billig" aus und fühlen sich auch so an, das Gurtsystem ist etwas anders als z.B. von EVOC oder OSPREY gewohnt und der Bauchgurt erscheint wahnsinnig elastisch. Auch das Taschenmanagement ist auf Anhieb nicht so sauber erkennbar wie man es von der Konkurrenz kennt.
Testbedingungen:
Auf den Hometrails und beim Biken in Serfaus-Fiss-Ladis. Leider habe ich zu spät gesehen, dass es hier sogar einen Komperdell Trail gegeben hätte…naja beim nächsten Mal dann ;-)

Features:
- 2l Trinkblase integriert mit eigenem Fach
- Eingenähte Einschubtaschen im Inneren für Handy, Taschentücher etc.
- Integrierter Drybag
- Fleece Brillentasche
- 2 Minitaschen für Geld oder EC Karten an den Hüftflossen
- Ein kleines Werkzeugfach mit Schlüsselhalter
- Volumen um 50% vergrößerbar durch Reißverschluss
- Innenliegende Zurrgurte zur wackelfreien Ladungssicherung
- Schlaufen zur Helmbefestigung
Packen:
Fangen wir bei der Trinkblase an, diese kann leider am Mundstück nicht verschlossen werden, daher kann beim Transport leicht Flüssigkeit auslaufen wenn der Rucksack blöd im Kofferraum lagert. Das Verstauen der Trinkblase an sich ist auch ungünstig gelöst, gerade wenn man wirklich die vollen 2l eingefüllt hat, bekommt man die Blase kaum mehr in das dafür vorgesehene Fach. Dass der Trinkschlauch unten seitlich aus dem Rucksack führt, macht das ganze noch komplexer. Hier muss der Schlauch erst von außen durch zwei Öffnungen im Oberstoff des Schultergurts gefädelt werden, dann durch ein Loch in der Rucksackseite ins Hauptfach und dann nochmals durch das innenliegende Mesh, das die Trinkblase fixiert. In dem Mesh dann nach oben dass man den Schlauch an der Blase einklicken kann und dann das ganze zusammen wieder reinstopfen… Umständlicher habe ich das bisher bei noch keinem anderen Rucksack erlebt.

Der Drybag gefällt mir persönlich sehr gut als Innenausstattung, aber auch hier ist die Befestigung mit kleinen Plastikstiften in einer gelochten Seitenleiste mehr als fummelig.

Das Volumen finde ich ausreichend für Regenjacke, ein paar Riegel etc. die 2l zu Trinken und Werkzeug. Falls doch noch mal ein Wechselshirt oder eine Iso-Schicht mit rein muss, kann man das Volumen ja vergrößern. Die Reißverschlüsse sind sehr auf Leichtgewicht getrimmt und hakten oder verzwickten sich teils etwas, dafür wiegt der ganze Rucksack mit Trinksystem (leer) nur knapp 900g.

Auf dem Trail:
Der Rucksack sitzt! Und das wirklich erstaunlich gut nach dem etwas mäßigen ersten Eindruck. Ich bin ca. 180cm groß und wiege 64kg und Größe S beim Rucksack passte gut, könnte eventuell noch etwas länger sein. Die Bewegungsfreiheit ist überhaupt nicht eingeschränkt dank der schmalen Bauweise und auch voll beladen wackelt nichts auch bei grobem Bergab-Gerumpel! Der Protektor vermittelt ein solides Gefühl von Sicherheit und trotzdem hält sich das Schwitzen in angenehmen Grenzen.

Sicherheit:
Der Protektor ist EN 1621-2 zertifiziert, erfüllt damit sogar das Kriterium für den Einsatz am Motorrad und ist somit auf Augenhöhe mit den meisten Konkurrenzanbietern. Angenehm ist, dass es sich um einen Softprotektor handelt, der sich dem Rücken anpasst und nicht um einen starren Protektor.
Verunfallt bin ich während der Testphase nicht, daher kann ich mein Urteil hier nur auf die Zertifizierung stützen.

Fazit:
Ich bin hin und hergerissen, beim Fahren habe ich mich richtig in den Rucksack verliebt, aber beim Packen kann man noch vieles besser machen. Die Helmschlaufen zur Befestigung sind so eng angenäht, dass ich meinen Fullface-Helm nur nach einigen Minuten Fummeln befestigen kann. Die Trinklase einzupacken grenzt an ein Drama und den Drybag hab ich bis heute nicht mehr befestigt bekommen in die dafür vorgesehenen Schlitze…


Da der Rucksack mich am Trail aber echt begeistert hat, bekommt er trotzdem von mir 4 von 5 Zelten, trotz all der aufgezählten Schwächen. Ich hoffe, dass Komperdell die zweite Generation dann etwas benutzerfreundlicher gestaltet, dann wäre der Rucksack bestimmt eine heftige Konkurrenz zu den bereits am Markt etablierten Varianten. Auch für Enduro-Rennen wäre er es ein perfekter Begleiter
