Für jeden Tag, an dem es keine große Wanderung reicht
VORTEILE
- wasserabweisender Einband
- gut und übersichtlich strukturiert
- schöne Bebilderung
NACHTEILE
- bisschen groß für Jacken- oder Oberschenkeltasche
BEWERTUNG
Der Wanderführer „Leichte Wanderungen Münchner Berge“ ist mal ein anderer Wanderführer als ich sie sonst lese und nachwandere. Aktuell ist mit Nachwandern wegen den Corona-Bestimmungen im ganzen Land und auch in Bayern leider zunächst einmal nichts. Aber irgendwann wird es auch wieder gehen.
Der grundsätzliche Aufbau ist so wie bei den allermeisten. Das ist ja auch der Clou bei der Sache. Kennst du einen vom Aufbau her, kennst du alle und findest dich im Nu darin zurecht. So auch hier.
Im Einband vorne ist die Tourenbeschreibungslegende sowie die tabellarisch aufgeführte Routenübersicht. Im Einband hinten findet man die Übersichtskarte, damit man sofort feststellt, welche der Routen ggf. in der Nähe des Urlaubsdomizils ist.
Im Inhaltsverzeichnis sind die Touren dann nochmals mit der höchsten Erhebung sowie dem Gipfelnam-so es denn einen gibt- und dem Schwierigkeitsgrad aufgelistet. Hier kam ich kurz ins Grübeln. Wie geht es, dass mehr als die Hälfte der Routen rot sind und sogar eine scharze dabei ist? Die Frage wird aber gleich in den Allgemeinen Hinweisen beantwortet. Innerhalb der leichten Wanderungen wurde die Einteilung in blau für leichte, rot für mittlere und schwarz für anspruchsvollere Touren verwendet um die Auswahl zu erleichtern. Das ist in sich stimmig, dennoch verwirrt es mich. Ich glaube, ich wäre mit einer anderen Unterscheidungsform glücklicher. Da es wirklich leichte Wanderungen sind, sind die allgemeinen Hinweise im Gegensatz zu alpinen Wanderführern wesentlich kürzer. Ich habe schon einige gerade auch vom RotherVerlag gelesen und kann es daher direkt vergleichen. Schön sind die Hinweise für Kinder und Kinderwagentauglichkeit.
Trotzdem oder gerade weil es ausschließlich leichte Wanderungen sind und der Leser nicht zwingend über Bergerfahrung verfügt ist es gut, dass eine kurze Checkliste zur Kleidung und Ausrüstung nicht herausgenommen wurde.
Ich habe mir mal aus jedem „Schwierigkeitsgrad“ eine Wanderung angeschaut.
Eine leichte blaue Tour: Rund um den Eibsee
Mit 7 km Distanz und 60 m Höhenunterschied bevorzuge ich die Bezeichnung ausgedehnter Spaziergang. Aber egal wie man es nennt, man ist draußen an der frischen Luft, das Auge hat Platz um in die Ferne zu blicken und man bewegt sich. Das Bergfeeling kann bei dieser Tour durch die Ausblicke auf die Waxensteine sowie das Zugspitzmassiv aufkommen. Eigentlich ganz schlau seine Bergsehnsucht optisch auszuleben und auf der Ebene zu wandeln.
Wer zum Beispiel im Sommer an einer der zahlreichen Bademöglichkeiten längere Zeit Halt macht, kann die Strecke auch um die Hälfte abkürzen, indem man den See mit einem Motorboot überquert.
Auch der See selbst hat Alpenflair. Glasklar und mit einigen kleinen Inseln versehen ist er wirklich ein Hingucker. Der Weg selbst hat bei insgesamt 60 Hm kaum nennenswerte Steigungen und ist immer gut befestigt.
Eine mittelschwere (unter den leichten) rote Tour: Eckbauer
Das ist meiner Ansicht nach eine sehr gute Auswahl für alle, die keine Probleme mit den Knien aber konditionell nicht so gut aufgestellt sind. Mit der Seilbahn geht es von Partenkirchen von 730 auf 1230 M.ü.d.M. Von der Bergstation geht es dann nur noch 7 Hm bis auf den Eckbauer mit schönen Ausblicken auf das Wettersteingebirge. In 2 Stunden geht es dann ganz entspannt rund 500 Hm wieder hinab ins Tal. In diesen 6 km steigt man aus durchaus alpinen Höhen wieder in die Zivilisation hinab.
Bei dieser Tour sind es auch nicht nur breite Fahrwege, sondern auch Wanderwege, viele Stufen und die Klamm. Abwechslungsreich also.
Die Tour wird für Menschen mit Knieproblemen in umgekehrter Richtung empfohlen, also 500 Hm rauf. Das wäre schon eher mein Ding als kleine Wanderung.
Eine (die einzige) schwere (unter den leichten) schwarze Tour: Pürschlinghaus
Die Tour dauert reine Gehzeit 3 Stunden und überwindet 7 km und knapp 300 Höhenmeter. Die Anforderungen bestehen in einem 40-minütigen steileren Anstieg und dem Umstand dass der Weg nicht nur auf Forstwegen, sondern auch auf Wanderpfaden verläuft. Der erste und letzte Teil der Strecke wird mit der Sesselbahn überwunden. Damit erspart man sich knapp 300 Höhenmeter. Wer diese selbstständig laufen möchte, kann das bestimmt tun. Mit zwei Einkehrmöglichkeiten auf der Strecke kann man das auf jeden Fall zu einer Genusswanderung kulinarischer Art ausbauen. Vom Pürschlinghaus aus hat man einen wunderschönen malerischen Ausblick auf die Zugspitze
Ein bisschen schade ist immer, wenn Hin- und Rückweg identisch ist. Wer dann doch größere Wanderung draus machen möchte, kann sicherlich anders absteigen oder eben den Aufstieg oder Abstieg anstatt der Seilbahnfahrt mitnehmen. Der Weg zwischen Bergstation und Pürschlinghaus ist zur Hälfte ein Fahrweg, also leider nicht sonderlich alpin unter den Füßen, dafür aber Kinderwagen-tauglich.
Ein Highlight ist sicher, dass man den Talweg auch in einer rasanten Fahrt mit der Sommerrodelbahn zurücklegen kann. Das ist gerade für Kinder sicher eine tolle Motivationsspritze.
Für wen ist dieser Wanderführer?
Tatsächlich habe ich über diese Frage eine Weile nachgedacht. Mein erster Gedanke war: für mich nicht! Ich bin Alpinist, ich gehe in die Berge um in möglichst einsamer Natur und am liebsten im weiteren Verlauf mit viel Fels mit über Höhenmeter und Kilometer hinweg zu bewegen – also ein wenig quälen. Somit meide ich in der Regel Routen, die mit Seilbahnen zu erreichen sind.
Aber wenn man Menschen dabei hat, die die Berge noch so gar nicht kennen und auch ohne Trittsicherheit oder Kondition mal ein wenig Bergluft schnuppern möchten ist das sicher ein guter Weg. Dann gibt es ja Menschen, die im Rahmen der Genesung erstmal wieder kleinere Brötchen backen müssen. Oder Menschen, die mit Recht sagen, sie sind in ihrem Leben schon genug gegangen und wollen nur noch die Aussicht genießen. Und dann sind da ja auch noch die Übergangszeiten, wenn im Frühjahr oben noch Schnee liegt aber es schon schön warm ist und unten zu blühen beginnt. Hier sind die von mir so verhassten Forstwege auf jeden Fall sicherer, wenn das Tauwasser alles zu Matsch verwandelt. Auch im Herbst je nach Witterung können solche Wege vernünftiger sein und trotzdem kommt man nochmal in die Berge vor dem Winter.
Oder es ist im Sommer so heiß, dass Aufstiege einfach zu viel für den Kreislauf vieler Menschen ist.
Soll heißen – draußen sein ist fast immer besser als drinsitzen! Jeder nach seinen Möglichkeiten und Lust und Laune. Und gerade in Zeiten von Corona ist die Sehnsucht groß einfach raus und endlich wieder in die Berge zu können – egal wie.