Guter Aufstieg, schwacher Abstieg
VORTEILE
- Wasserdicht
- Bequem im Aufstieg
- Gute, profilierte Vibram-Sohle
- Geröllschutz im Zehenbereich
NACHTEILE
- Innensohle rutscht im Abstieg nach vorne
- Oberer Schaft-Rand sorgt für Druckstellen
BEWERTUNG
Es wird wieder Herbst... was bedeutet, dass die Wanderwege wieder schmieriger und die Wiesen feuchter werden. Genau für diese Bedingungen muss der Schuh auch passen.
Ich durfte in den vergangenen sechs Wochen den Trekking-Schuh von Simond (Decathlon) "MT500 Matryx Evo" ausgiebig auf Herz und Nieren testen.

Einordnung des Anwendungsbereichs
Die Decathlon-Website bewirbt den Schuh mit diesen Worten: "Du bist auf der Suche nach innovativen Trekkingschuhen? Leicht, robust und atmungsaktiv? Dieses Modell mit hoch strapazierfähigem Matryx-Gewebe ist der perfekte Begleiter für jedes Gelände."
Das klingt also für mich nach einem Schuh, mit dem man einen Großteil des Wanderjahres abdecken kann, solange es nicht zu extrem wird und man beispielsweise Steigeisen benötigt. Zwar wird auf der Decathlon-Homepage beschrieben, dass der Schuh für "Schnürsteigeisen" geeignet ist, das ist meiner Ansicht nach aber nur in wirklich flachem Gelände ratsam, für steileres Gelände ist der Schuh zu flexibel. Insbesondere die Wasserdichtheit könnte den Schuh auch für den Winter in Kombination mit Schneeschuhen geeignet machen, das habe ich allerdings aufgrund der Jahreszeit nicht getestet.
Im Rahmen meines Tests war ich hauptsächlich auf Wandertouren im Mittelgebirge mit leichtem Felskontakt unterwegs. Auch ein Klettersteig würde meiner Ansicht nach sehr gut zum empfohlenen Anwendungsbereich passen. Auch für Touren wie beispielsweise eine Alpenüberquerung sollte mit dem Schuh machbar sein.
Die Untergründe, auf denen ich den Schuh verwendet habe, reichen von nassen Bachdurchquerungen über schlammige, nasse Erdwege und Wiesen bis hin zu moosbewachsenen Felsen und trockenem Fels.

Erster Eindruck beim Auspacken
Der erste Eindruck des Schuhs kann sich sehen lassen; da waren einige "Wow's" dabei. Als Erstes habe ich mir die Profilsohle angeschaut. Das Profil ist ausgeprägt, mit gutem Abstand zwischen den Blöcken, damit sich dort kein Dreck festsetzt. In diesem Zusammenhang fällt natürlich auch direkt das leuchtend gelbe Vibram-Symbol ins Auge, der Hersteller schlechthin für Qualitätssohlen. Beim Betrachten der Sohle fällt auch die eher schmale Bauform ins Auge... das sollte zu meinem ebenfalls schmalen Fuß eigentlich ganz gut passen.
Die Verarbeitung der Sohle am Oberschuh macht einen guten Eindruck. Im Zehenbereich findet sich ein gummierter Geröllschutz, der allerdings auch wirklich nur den Bereich der Zehen abdeckt, also auf Höhe des kleinen Zehs endet. Bei anderen Stiefeln habe ich schon Geröllschutz gesehen, der teilweise um den kompletten Schuh umlaufend ist. Allerdings gilt auch hier wieder: Für den empfohlenen Anwendungsbereich ist der Geröllschutz vollkommen in Ordnung.
Weiter geht es mit der Zunge: Diese ist bis beinahe zum obersten Schaftende mit dem Schuh vernäht. Ich gehe davon aus, dass dies der Trick ist, um einen möglichst hohen Wasserstand sicher durchqueren zu können, ohne dass Wasser ins Innere des Schuhs gelangt. Die hoch vernähte Zunge macht es allerdings beim Schnüren etwas kniffliger, um sicherzustellen, dass die Zunge ordentlich verstaut ist, bevor man schnürt.
Auf der Innenseite der Zunge ist ein "dreiblättriger Beipackzettel" vernäht. Dieser nervt ein wenig, ist aber glücklicherweise nur am oberen Rand vernäht und kann also gut abgeschnitten werden.
Die Schnürung ist bergschuhtypisch: Vier vernähte Band-Ösen auf dem Fußrücken, dann eine vernähte Bandöse, um Zug auf den Fersenbereich zu bekommen, und nach oben zum Schaft hin dann noch drei Hakenösen. Laut Homepage ist unter der Rubrik "Verschlussart" von einem Schnellschnürsystem die Rede. In meiner Welt sind das ganz normale Schnürsenkel. Die Hasenohr-Schlaufen muss ich also noch schön selbst machen.
Auch ist auf der Homepage davon die Rede, dass der unterschiedliche Bereich und der obere Bereich getrennt voneinander geschnürt werden können: "Um die Schnürung im unteren Teil zu arretieren, kannst du einen einfachen Knoten auf Höhe des Fußrückens machen oder die Feststellöse benutzen." Hmmmm... ich bin mir nicht sicher, aber kann ich nicht bei jedem Schuh einfach zwischendrin einen Knoten machen und habe dann den darunterliegenden Teil fixiert? Auch unter dem Begriff Feststellöse habe ich mir etwas vorgestellt, was den Schnürsenkel fixiert. Das ist aber nicht der Fall. Es ist einfach ein etwas breiterer Haken ohne besondere Klemmwirkung gegenüber den anderen Haken am Schuh.

Ansonsten fällt im ersten Eindruck noch der relativ flexible Schaft auf; dadurch habe ich mir als blasen-geplagter Wanderer viel erhofft, dass sich der Schuh bequem tragen könnte.
Erfahrungen auf Tour
Auf den ersten Metern meiner Tour war ich positiv überrascht, wie bequem sich der Schuh im Anstieg trägt. Kein Drucken, kein Reiben; er trägt sich eher wie ein Zustiegsschuh. Auch die profilierte Sohle hält, was sie verspricht: sehr guter Grip auch auf schlammigem Boden oder nassen Steinen. Diesbezüglich gibt es also nichts zu bemängeln. Zufälligerweise ist mir dann noch ein Bächlein über den Weg gelaufen (im wahrsten Sinne des Wortes). Also habe ich direkt auch mal die Wasserdichtigkeit ausprobiert. Bis zum Knöchel kann man gut durch Bäche gehen, ohne dass Wasser in den Schuh eindringt.
Laut Homepage wurde darauf in den Tests bei Decathlon sogar besonderer Wert gelegt: Im Rahmen der firmeninternen Tests müssen die Schuhe 50.000 Flexionen bei einer Wasserhöhe bis zur Mitte des Schafts überstehen, der Fuß muss dabei trocken bleiben. Das würde einer 20 Kilometer Bachdurchquerung entsprechen. Da war mein Test dann doch ein wenig geringer; auf jeden Fall kann ich bestätigen, dass weder eine Bachdurchquerung bei knöchelhohem Wasser noch das Laufen über eine nasse Wiese zu nassen Füßen führt. An der Wasserdichtigkeit gibt es also nichts auszusetzen.
Im Fels schlägt sich der Schuh auch ganz gut. Selbst kleine Felsvorsprünge trifft man mit der harten Gummisohle gut. Die Grenze wird dann eher durch den flexibleren Schaft definiert.
Bis zu diesem Zeitpunkt war ich von dem Schuh eigentlich ziemlich begeistert.
Bisher war allerdings auch kein Abstieg dabei. Meine Wortwahl lässt es vermuten: Der Abstieg wird zum Desaster des Tests. Bereits nach den ersten 5 Minuten Abstieg hatte ich das Gefühl, dass im linken Schuh etwas nicht stimmt. Im Bereich des Mittelfußes fühlt sich irgendetwas komisch an, als ob die Socke dort eine Falte wirft. Also habe ich angehalten und den Schuh geöffnet, und siehe da: Die Innensohle hat in der Mitte eine spürbare Querfalte geworfen.
Also alles wieder gerade gerückt und den Schuh wieder (etwas fester) verschnürt. Das Gleiche habe ich dann auch vorsichtshalber mit dem rechten Schuh so gemacht. Allerdings war ich mit dieser Aktion wenig erfolgreich. Circa alle 5, spätestens alle 10 Minuten musste ich anhalten, die Innensohle herausnehmen, wieder neu in den Schuh einlegen und neu verschnüren, damit ich halbwegs bequem weitergehen konnte.
Nachdem ich dieses Spiel 3-4 Mal mitgemacht habe und alles, was mein Wortschatz an Flüchen hergibt, aufgebracht war, habe ich die Innensohle einfach herausgenommen und bin mit ihr so den restlichen Abstieg ins Tal gegangen. Das ist ein absolutes No-Go für einen Trekking-Schuh!
Eine stabile Innensohle kostet doch sicherlich nicht so viel, dass man hier Qualität vernachlässigt. Ich war kurz davor, dem Schuh hierfür nur noch einen von fünf Sternen zu geben, habe mich dann am Ende zu immerhin zwei Sternen durchgerungen, muss aber dazu sagen: Mit dieser Innensohle ist der Schuh keine Kaufempfehlung!
Im weiteren Verlauf des Abstiegs gab es dann zu allem Überfluss auch noch Druckstellen am oberen Schaftrand. Aus meiner Beobachtung schließe ich, dass diese Druckstellen vom Design des oberen Schaftrandes herrühren: Dieser hat knapp unterhalb des oberen Endes eine Naht, weshalb der Schaftrand rundlich ausfällt. Dieser runde Rand kann dadurch oberhalb der Naht nach innen an das seitliche Schienbein kippen und so für Druckstellen sorgen, da die Kraft sehr punktuell auf das Bein einwirkt. Ich bin mir sicher, dass hier eine andere Art der Vernähung Abhilfe schaffen könnte.
Fazit
Wo Licht ist, ist auch Schatten. Ungeschickt ist es nur, wenn der Schatten Schmerzen hinterlässt. Der Schuh an sich ist im Aufstieg sehr gut. Im Abstieg ist der Schuh unbrauchbar. Hier muss dringend nachgebessert werden, ansonsten gibt es damit keine glücklichen Kunden.
