Komfortabler Barfußschuh mit dicker Sohle und tollem Grip
VORTEILE
- Bequem
- Vielseitig
- Optisch ansprechend
- Zusätzliche Schnürsenkelöse
- Griffige Sohle
- Geröllschutz
NACHTEILE
- Fallen sehr groß aus
- Relativ dicke Sohle --> Barfußfeeling geht etwas verloren
- Erste Abnutzungserscheinungen der Sohle
BEWERTUNG
In den vergangenen Wochen konnte ich die Gelegenheit nutzen, um einen Schuh der Marke Xero zu testen, die Barfußschuhe produziert. Der Schuh „Mesa Trail II“, den ich ausprobiert habe, gehört zur Kategorie der Laufschuhe, speziell der Trailrunningschuhe. Xero hat aber auch noch viele andere Sportschuhe, Sandalen, Winterstiefel und Alltagsschuhe (sogar Halbstiefel) im Programm.
Der Schuh wurde von mir sowohl beim (Trail-)laufen, Wandern, als auch im Alltag getestet.
Wer sich für Marathons interessiert, hat vermutlich schonmal von dem Buch "Born to run" gehört. Weniger bekannt ist das Buch "Born to run 2"; ein Trainingsguide, dessen Co-Autor Eric Orton eine Partnerschaft mit Xero Shoes hat. Für seine (Extrem-)Läufe hat er den Mesa Trail II gewählt, welcher auch von mir im Folgenden bewertet wird.

Barfußschuhe im Allgemeinen
Wie der Name schon sagt, handelt es sich hierbei um Schuhe, die einem das Gefühl vermitteln, barfuß zu laufen. Verschiedene Eigenschaften eines Barfußschuhs sorgen im Zusammenspiel für ein natürliches Gehen/Laufen:
- Breiter Vorfuß/ breiter Zehenbereich: Der Raum für die Abspreizung der Zehen ermöglicht ein natürliches Abrollen des Fußes.
- Weiche und flexible Sohle: Schränkt das Aufsetzen des Fußes und das natürliche Abrollen des Fußes nicht ein.
- Dünne Sohle ohne Fußbett: Stärkt die Knöchelmuskulatur und direkte sensorische Rückmeldung über den Untergrund an das Gehirn.
- Kein Absatz/ keine Sprengung: Bewusster Aufsatz über den ganzen Fuß mit gleichmäßiger Gewichtsverteilung.
Es ist wichtig, dass Neulinge im Bereich der Barfußschuhe ihren Körper langsam an die zunächst ungewohnte Art des Gehens heranführen. Da eine zu starke plötzliche Belastung zu Verletzungen führen kann, sollte man zuerst zu Hause mehr barfuß laufen. Danach sollte man mit Barfußschuhen spazieren gehen und im Anschluss mit kurzen Läufen starten. Muskelkater ist zu Beginn ganz normal. Vor allem dann, wenn man zuvor oft mit Schuhen mit starkem Dämpfungsgrad unterwegs war.
Allgemeines zum Xero Mesa Trail II
- Das Material/die Ausstattung des Schuhs und der Sohle des Mesa Trail II zeigen deutlich, dass es sich um einen Trailrunningsschuh handelt.
- Das Paar Schuhe wiegt bei mir in Größe 40,5 etwa 450 Gramm (später mehr dazu).
- Der Schuh ist für Damen in vier Farboptionen erhältlich. Ganz in Schwarz, Bordeauxrot-Schwarz, Grau-Blau und dem Grün, das auf meinen Fotos zu sehen ist.
Xero stellt seine Schuhe in China her, da eine Herstellung in Amerika scheinbar nicht machbar ist. Die Website besagt jedoch, dass die Fabriken mehrmals jährlich überprüft werden, um sicherzustellen, dass die Arbeitnehmer*innen angemessen behandelt werden.
Es gibt aber keine Zertifikate dafür, wie es bei anderen Marken der Fall ist. Nach eigenen Aussagen bemüht sich Xero jedoch, mehr recycelte und natürliche Materialien zu verwenden und strebt danach, Produkte herzustellen, die möglichst langlebig sind. Da die Sohle mit einer Garantie von 5.000 Meilen versehen ist, scheint das auch gut zu laufen.
Passform
Mir ist anfangs aufgefallen, dass der Mesa Trail II sehr (!!!) groß ausfällt. Mir ist meine übliche Größe (41,5) eindeutig zu groß. 40,5 passt wesentlich besser. Möglicherweise würde auch ein Schuh in Größe 40 passen.
Die Zehenbox ist erfreulich breit. Ich habe genügend Platz für meine Zehen, ohne dass der Schuh zu locker wird. Immerhin soll dieser ja auch beim Sport getragen werden. Der Schuh hat eine leichte seitliche Verstärkung, wodurch auf Trails eine gewisse laterale Unterstützung entsteht.
Für meinen Geschmack könnten die Schnürsenkel des Mesa Trails II etwas tiefer unten ansetzen, um mehr Halt für den Vorderfuß zu bieten. Ansonsten finde ich es toll, dass sich oben noch eine weitere Schnürsenkel-Öse befindet, die eine „Marathonschnürung" ermöglicht und für Halt im Fersenbereich sorgt.
Die Schuhe haben eine dicke, bequeme Polsterung im Knöchel- und Fersenbereich, sodass keine Druckstellen provoziert werden.
Dieser Schuh wird mit einer 3,5 mm dicken Innensohle geliefert. Das sorgt für ein weiches Laufgefühl und ein angenehmes Tragegefühl, steht aber etwas im Widerspruch zum Konzept von Barfußschuhen. Allerdings lässt sich die Sohle ganz einfach herausnehmen, sodass jeder selbst entscheiden kann, wieviel Komfort die Schuhe bereitstellen sollen.
Material, Sohle und Gewicht
Der Schuh ist komplett aus Polyester gefertigt. Ob in diesem Modell recycelte Materialien zum Einsatz kamen, lässt sich leider nicht herausfinden. Das Obermaterial ist in einer Mesh-Struktur gefertigt, welche sehr robust wirkt und bisher auch noch keine Abnutzungserscheinungen zeigt. Durch die Meshkonstruktion ist der Schuh atmungsaktiv. Der Schuh kommt ohne klassische Nähte aus, sondern ist komplett versiegelt. Außerdem besitzt er einen Geröllschutz.
Dieser ist nicht mit einem Geröllschutz eines Bergstiefels zu vergleichen, schützt aber die Zehen im Schuh und bewahrt das Meshmaterial vor einem zu direktem Kontakt mit Stock und Stein.
Die Sohle des Mesa Trail II ist ganz klar auf das Traillaufen ausgelegt. Tiefe Stollen (3,5 mm) sorgen für einen unglaublich guten Halt und das auch bei nassen und matschigen Bedingungen.
Insgesamt ist die Sohle 4,5 mm dick und schützt den Fuß so effektiv vor spitzen Steine, Stöcken o.ä. Xero gewährt wie eingangs erwähnt eine Garantie auf die Sohle für die ersten 5.000 Meilen. Nach meinen Testläufen und Wanderungen sind bereits leichte Abnutzungen an der Sohle zu sehen. Ob diese nur oberflächlich sind und einfach nur die Farbe etwas abgeht oder ob es sich um eine schnelle Abnutzung der Sohle handelt können nur die nächsten Monate zeigen.
Beim Laufen merkt man den Schuh kaum am Fuß. Als ich ihn jedoch das erste Mal in der Hand hatte, empfand ich ihn als relativ schwer für einen Barfußschuh. Oben beschriebene Sohle und die seitliche Struktur erklären, wo das Gewicht herkommt. Meine Gedanken dazu finden sich im nächsten Abschnitt wieder.
Ich habe den Schuh auf die Waage gestellt und mit meinen zwei anderen Barfußschuhen verglichen. Dabei handelt es sich um den Meindl Pure Freedom Lady (Paar: 297 Gramm) und die Leguano Ballerina (Paar: 323 Gramm). Beim Mesa Trail II wiegt der linke Schuh 231 Gramm und der rechte 223 Gramm. Woher der Unterschied kommt ist mir unklar, aber das Gesamtgewicht von 454 Gramm ist doch deutlich größer als das des Meindls.
Einsatzzweck und persönliche Erfahrungen
Wie im letzten Abschnitt beschrieben, ist der Mesa Trail II der schwerste meiner Barfußschuhe, aber auch der bequemste. Der Komfort der Polsterung im Fersenbereich und die Solendicke von 8 mm (3,5 mm Einlegesohle plus 4,5 mm Sohle) sind deutlich zu spüren.
Zunächst war ich etwas verwirrt, da das Barfußfeeling nicht so stark ausgeprägt ist wie bei anderen Schuhen. Mir fehlt hierzu besonders das direkte Feedback und Fühlen des Bodens. Allerdings darf man den Mesa Trail II nicht als normalen Barfußschuh für den Alltag betrachten. Er ist ganz klar für das Trailrunning konzipiert und ausgeschrieben und da spielt die starke Sohle mit ihrem sehr guten Profil ihre Stärken aus.
Xero muss hier einen unglaublich schmalen Grad zwischen Komfort und Natürlichkeit bewältigen.
Nimmt man die Einlegesohle raus, so wird das Feedback auf jeden Fall direkter. Zu beachten ist jedoch, dass der Schuh dadurch auch größer wird. Wer sich schon sicher ist, dass er auf Komfort zugunsten eines direkteren Bodengefühls verzichten möchte, der sollte den Schuh noch eine halbe Nummer kleiner bestellen.
Fazit
Ein sehr komfortabler Schuh, welcher durch seine gute Schnürung und seitliche Verstärkung im Mesh-Material super am Fuß sitzt. Die Sohle hat den Test bezogen auf Griffigkeit mit Bravour bestanden. Die Haltbarkeit wird sich noch zeigen.
Xero hat sich bei der Produktion dieses Schuhs für etwas mehr Komfort als bei anderen Barfußschuhen entschieden, was einem auf langen Läufen definitiv zu Gute kommt.
Die Eigenschaften eines Barfußschuhs bleiben weitestgehend erhalten (breite Zehenbox, keine Sprengung, flexible Sohle), jedoch bleibt das direkt Feedback über den Untergrund durch den Komfort etwas auf der Strecke. Mehr Feedback erhält man, wenn man die Einlegesohle entfernt.
Der Schuh lässt sich toll beim Wandern, Laufen und auch im Alltag tragen und ist durch seine Komfortmerkmale auch für Anfänger in der Welt der Barfußschuhe geeignet.
Puristen, die das direkte Bodengefühl suchen und die Sohle nur als Schutz vor Verletzungen ansehen, sind mit anderen Schuhen etwas besser beraten.