Jacke + Cosy Legs = UL-Sommer-SetUp
VORTEILE
- leicht und klein (323 g, 1.2 L, Limit ca. 15 °C)
- für ultraleichte Sommertouren geeignet
- ergänzend zu einem etwas zu kalten Schlafsack
- als Kopfkissen nutzbar
- praktisch auf Bus-, Bahn- und Flugreisen
- Reißverschluss-Tasche in´s Fußteil integriert
NACHTEILE
- Gewichts-Isolations-Verhältnis eher ungünstig
- Sack + Jacke schließt Wärme nicht optimal ein
- zusätzlich Handschuhe und Mütze benötigt
- Kältebrücken wegen der durchgesteppten Nähte
- keine Reserven, immer am Limit unterwegs
- Luft im Innenraum muss mit erwärmt werden
BEWERTUNG
Ich bin mit Sommerschlafsack, Quilt und Winterschlafsack mittlerweile sehr gut ausgerüstet und wollte den Yeti Cosy Legs keineswegs nutzen, um einen alten Schlafsack aufzumotzen. Ich war hingegen auf der Suche nach einer Möglichkeit mein Sommer-SetUp noch leichter zu gestalten. Und da ich für´s Camp eh eine warme Fleece- und/oder eine dünne Daunenjacke dabei habe, schien ein halber Schlafsack völlig ausreichend.


Features
Gummizug: Am Saum befindet sich ein umlaufender Gummizug, mit dem der Sack gegen Herunterrutschen gesichert um die Taille geschlossen werden kann. So wird die warme Luft drinnen gehalten und der Sack überlappt mit einer Jacke weit genug, so dass keine zugige Lücke entstehen kann.
Tasche: Die Reißverschlusstasche am Fußende eignet sich nicht dazu in ihr während der Nacht irgendetwas unter zu bringen. Der Cosy Legs selbst lässt sich hingegen hervorragend darin verstauen. So kann ein zusätzlicher Packsack nicht verloren gehen und das Päckchen erhält eine ovale und flache Form, die sich hervorragend als Kopfkissen anbietet. Zum Komprimieren wird jedoch zusätzlich ein starkes Gummiband benötigt.


Außenmaterial
Das Material innen wie außen besteht zu 100 % aus einem dünnen und leichten Nylon-Gewebe. Innen in Methyl Blue und außen in Mood Indigo macht es auch optisch einiges her. Genaue Angaben zur Dicke und zum Quadratmetergewicht konnte ich leider nicht finden. Für die Anwendung als Inlay, drinnen oder als Sommerschlafsack-Ersatz reicht das einfache Gewebe aus. Eine einwaschbare Imprägnierung von Daune und Nylonstoff mit beispielsweise einem Produkt von Nikwax oder eine simple Sprüh-Imprägnierung können aber praktisch sein, falls Morgentau zu erwarten ist.


Füllung
Die 11 Kammern sind lediglich durch durchgesteppte Nähte voneinander getrennt. Dies verhindert zwar das verrutschen der Füllung, führt jedoch auch zur Bildung von Kältebrücken. Sicher nicht die beste Konstruktion, um aus der Daune die maximale Leistung heraus zu holen, jedoch eine einfache und günstige, die für Sommerschlafsäcke und Inlay ausreicht. Die europäische Entendaune mit 90 % Daunen und 10 % Federn hat eine Bauschkraft von über 600 Kubik-Zoll pro Unze. Sie ist nicht hydrophob imprägniert, was für die Anwendung als Inlay oder Reisebegleiter auch nicht von Nöten ist.
Daune ist großartig, weil sie bei irrer Isolationswirkung verdammt leicht und gut komprimierbar ist. Ich selbst habe bereits alle Kunstfaserschlafsäcke ausgemustert und durch Daunenschlafsäcke ersetzt. Doch die Schwachstelle bei Daunen ist und bleibt die Feuchtigkeit. Sie kann verklumpen, zusammenfallen und braucht lange zum Trocknen. Gerade feine Daune mit hoher Bauschkraft und ohne hydrophobe Imprägnierung ist besonders anfällig.
Da die Crystal Down aus Europa kommt, gehe ich davon aus, dass sie aus verantwortungsvollen Quellen stammt. Yeti selbst spricht hier vom Ethical Down Code und legt sichtbar viel Wert auf Tierschutz und Transparenz. Jedoch lohnt es sich - nicht erst seit der Skandale von 2012 (The North Face, Patagonia) um ungarische Daunen aus Stopfmast und Lebendrupf - hier genauer hin zu schauen. Besonders Daunen aus China können aus Lebendrupf = Tierquälerei stammen.
Daune ist um ein vielfaches langlebiger als Kunstfaser. Dazu gehört aber auch eine entsprechende Pflege. Wenn du mehr zum Thema Daunenpflege wissen möchtest, möchte ich dir meinen Testbericht vom NIKWAX Down Wash nahelegen.


Daten
Gewicht: 310 g (L/XL, Herstellerangabe), 270 g (S/M, Herstellerangabe)
Gewicht: 323 g (L/XL, selbst gemessen)
Packmaß: ca. 1.2 L (L/XL, selbst gemessen)
Maße: 140 / 120 x 70 x 40 cm (Länge x Breite x Fußbreite, L/XL / S/M, Herstellerangabe, bzw. lang gezogen)
Maße: 135 x 65 x 40 cm (Länge x Breite x Fußbreite, L/XL, selbst gemessen)
Temperaturbereich: über 15 °C (sehr warme Sommernächte hier in Norddeutschland)
max. Körpergröße: 190 cm
Daunenfüllung: 23 Kammern (11 vorn, 11 hinten, 1 unten), 90 g, 600+ cuin (europäische 90/10 Entendaune)
Außenmaterial: Nylon
Verschluss: Gummizug am Saum, YKK Reißverschluss an der Tasche (Marktführer)
Lebensdauer: ca. 10 Jahre bei anständiger Pflege
Made in Germany


Verwendungsmöglichkeiten
Der eigentliche Verwendungszweck ist sicherlich der, das Inlay dabei zu haben, als Kopfkissen zu nutzen und bei Bedarf den Schlafsack damit auszukleiden, um mit unerwartet niedrigeren Teperaturen klar kommen zu können. Einen solchen Luxus muss man sich erst einmal leisten wollen. Mit 323 g und 1.2 L trägt der Cosy Legs im Gepäck allerdings nicht zu sehr auf. Ich selbst nutze unter unbeständigen Bedingungen jedoch lieber einen Quilt. Dieser lässt sich sehr flexibel einsetzen und zur Not ziehe ich zusätzlich all meine Klamotten an und nutze Rucksack und Stiefel als Kopfkissen.
Als Schlafsack-Ersatz hingegen interessiert mich der Cosy Legs besonders. Eine Jacke für die kühlen Abend- und Morgenstunden ist selbst auf Ultraleicht-Touren immer dabei und bevor diese des Nachts keine Verwendung findet, kann ich sie lieber mit einem halben Schlafsack kombinieren. So lässt sich wieder etwas Gewicht und Volumen sparen. Genutzt habe ich ein solches SetUp Mitte August, als eine Freundin mich einlud, die ersten zwei Tage ihres 27-tägigen 1000 km UltraRuns mitzulaufen. Und glaub mir, nachdem ich bis dahin maximal 15 km am Stück gelaufen war, wir unterwegs über 30 °C und keinen Schatten hatten und ich dennoch je 50 km an zwei aufeinander folgenden Tagen gelaufen bin, habe ich mich über jedes Gramm weniger in meinem mit 10 kg immer noch verdammt schweren Rucksackes gefreut.
Wer nicht Outdoors unterwegs ist und eine kleine und leichte Möglichkeit sucht, um es sich auf Reisen in Bus, Bahn und Flugzeug gemütlich zu machen, der ist mit dem Cosy Legs sicher besonders gut beraten. Der Beinwärmer sitzt fest über der Hüfte, kommt den Armen so nicht in die Quere und ist eine prima Ergänzung zur wärmenden Jacke.




Resümee
Da ich den Cosy Legs nicht zum Reisen oder als Inlay, sondern als Schlafsackersatz nutze, ist der Einsatzbereich sehr begrenzt. Mit nur 90 g Daune auf 310 g Gesamtgewicht lohnt sich für mich eher ein wärmerer Schlafsack oder ein flexibel einsetzbarer Quilt, als für den Fall der Fälle ein zusätzliches Inlay mitzunehmen. Durch die Verdoppelung an Außenmaterial verschlechtert sich nur das Gewichts-Isolations-Verhältnis. Als ultraleichte Komponente meines Sommer-Schlafsystems für PackRunning Touren hat er sich jedoch bewährt. Auch wenn es mit so dünner Isolation schnell mal unbequem werden kann und so die Schlafplatzwahl, der Windschutz und vor allem eine anständige Isomatte an Bedeutung gewinnen.