Freeride-Rucksack mit dem gewissen Sicherheitsplus
VORTEILE
- Rückenprotektor integriert
- seitliche Skibefestigung
- Helmbefestigung
- sinnvolle Innenaufteilung
- geschlossene Trinkschlauchführung
- flache Bauform
NACHTEILE
- wasserabweisend, aber nicht dicht
- schwitziger Rücken bei warmen Temperaturen
- keine Befestigung für zu lange Riemen
BEWERTUNG
Nachdem ich nun seit einiger Zeit sehr begeistert bin von meinem MTB-Rucksack, dem Evoc FR Enduro (hier gehts zum Testbericht), sollte ein Protektorenrucksack fürs Skifahren hinzukommen.
Die Entscheidung fiel aufgrund der guten Erfahrungen auf einen Evoc Rucksack, der dem Bikerucksack sehr ähnlich ist, jedoch einige Raffinessen fürs Skifahren und Tourengehen beinhaltet. Zudem hat er etwas mehr Volumen, was ihn als Erweiterung des Portfolios auch im Sommer fürs Biken interessant macht. Mein vorheriger Skirucksack hatte weder einen Protektor, noch eine vernünftige Möglichkeit, die Ski stabil am Rucksack zu befestigen. Diese Punkte waren Hauptaugenmerk beim Kauf.
Den Evoc FR Pro Team habe ich schlussendlich gebraucht, aber im neuwertigen Zustand gekauft. Das Modell FR Pro hat ein Volumen von 20 Litern, also 4 Liter mehr, als der FR Enduro. Der FR Trail wäre die aufs Biken ausgelegte Variante mit 20 Litern. Die Liter Angaben beziehen sich jeweils auf die Größe M/L. Die Evoc Protektorenrucksäcke gibt es jeweils in den Größen S, M/L und XL.
„Team“-Edition:
Neben der anderen Farbgebung ist bei der „Team“-Edition ein zusätzlicher Helmhalter im Lieferumfang enthalten, der zu den anderen Modellen zwar auch kompatibel ist, aber dabei zusätzlich erworben werden muss. (ca. 15€)
Die rot-gelbe Farbgebung ist sehr auffällig und somit natürlich auch Geschmackssache. Ich finds ganz cool, da ich damit in der Gruppe auf jeden Fall wiedergefunden werde. Außerdem setzt man so mal etwas andere Farbakzente, wo der Trend derzeit wieder zu gesetzten dunklen Farben geht. :)

Tragesystem / Protektor:
Das Tragesystem der FR Serie ist immer von Grund auf ähnlich aufgebaut. Da der Rückenprotektor fester Bestandteil des Rucksacks ist, muss dieser festen Kontakt zum Rücken haben und sollte eng anliegen. Daher liegt der Rucksack recht flächig am Rücken auf. Für etwas Luftzirkulation sorgen zwei gelochte Schaumstoffeinlagen.

An sehr sonnigen Skitagen wird es schon sehr warm und schwitzig am Rücken. Das ist einfach der Preis des festen Sitzes und des eng anliegenden Rückenprotektors. Wiederum an kalten Tagen wärmt der Rucksack den Rücken angenehm.
Ein Nierengurt gewährleistet den festen Sitz des Rucksacks. Dieser ist fest am Rucksack vernäht und leicht gepolstert. Im Gegensatz zum Bikerucksack besteht der Nierengurt des FR Pro aus Neopren. Ein doppeltes Verschlusssystem garantiert einen festen Sitz des Gurtes. Neben einem gewöhnlichen Clipverschluss kommt ein breiter Klettverschluss zum Einsatz, wie man ihn von Motorradnierengurten kennt. Im Gegensatz zu Wanderrucksäcken entfallen die beidseitigen Spannriemen am Rucksack. Außerdem sitzt der FR Enduro nicht wie ein Wanderrucksack auf der Hüfte auf, sondern der Nierengurt umschließt flächig über den Bauch. Um trotzdem etwas Atemspielraum zu ermöglichen ist der Gurt leicht flexibel.

Zur weiteren Fixierung befindet sich ein gewöhnlicher Brustgurt an den Trägern. Dieser ist höhen- und weitenverstellbar. Im Clipverschluss befindet sich eine Notfallpfeife.
Die Tragegurte haben unten und oben jeweils Spannriemen und können so perfekt an den Rücken angepasst werden.

Der Protektor kann herausgenommen werden und so ausgetauscht werden oder einfach bei Nichtgebrauch zu Hause bleiben. Bisher ist der Protektor bei mir jedoch immer im Rucksack geblieben. Sollte man den Rucksack einmal in die Waschmaschine tun wollen, sollte man den Protektor ebenfalls auf jeden Fall entnehmen.
Zum Glück war ich bisher noch nicht auf den Protektor angewiesen, bin aber immer froh, dieses Sicherheitsplus dabeizuhaben. Sollte es zum Sturz kommen, bei dem der Rückenprotektor „zum Einsatz kam“, bietet Evoc ein kostenloses Crash-Replacement an. Die Hemmschwelle, den Protektor zu ersetzen, wird damit auf ein Minimum reduziert.
Fachaufteilung / Details:
Am Rücken angefangen öffnet man zuerst das Protektoren- und Trinkblasenfach. Es verfügt über einen Reisverschluss bis auf den Boden mit einem Zipper. Der Protektor sitzt direkt am Rücken in einer eigenen Tasche und wird mittels zweier Klettstreifen gehalten.

Gegenüber ist die Trinkblasentasche angebracht. Darin findet meine 3l Source Trinkblase (hier gehts zum Testbericht) platz und wird mittels der oben angebrachten Klettschlaufe an Ort und Stelle gehalten. Die Durchführung des Trinkschlauchs ist oberhalb des Protektors angebracht. Der Trinkschlauch wird dann durch den rechten Träger geführt. Am unteren Ende des Trägers ist ein Reisverschluss angebracht, über den auf das Mundstück zugegriffen werden kann. Die geschlossene Führung des Schlauchs verhindert ein schnelles Vereisen. Zwar ist der Träger innen nicht gesondert isoliert, aber bisher ist mir das Wasser darin auch nicht gefroren.

Außer dem Helmhalter kann in diesem hintersten Fach nichts mehr untergebracht werden, da es aufgrund seiner schlanken Form keinen weiteren Platz bietet.
Als nächstes folgt das Hauptfach, welches über einen Doppelreissverschluss ebenfalls bis auf den Boden geöffnet werden kann. Zum vollständigen Aufklappen müssen die seitlichen Skifixierungsbänder geöffnet werden.
Auf der Rückseite des Fachs ist oben ein kleines Netzfach mit Schlüsselkarabiner integriert. Mir dient es beim Skifahren meist zur Unterbringung eines Funkgerätes. Da ich zuletzt mit größeren Gruppen unterwegs war, hat sich das, besonders im Backcountry als sehr nützlich herausgestellt.
Der Deckel hat drei aufgesetzte Taschen, links und rechts zwei schmale längliche Taschen und ein größeres Fach über die gesamte Breite. Die schmalen Taschen eignen sich hervorragend zur Unterbringung der Lawinensonde und des Lawinenschaufelgriffs. Das große Breite Fach wird oben durch ein Gummiband etwas zugehalten und kann bspw. das Lawinenschaufelblatt oder eine Jacke oder ähnliches beherbergen.


Die Deckelvorderseite hat drei Fächer.
Zu oberst befindet sich die Brillentasche mit großem Evoc Aufdruck. Diese Tasche ist innen mit flauschigem Fleece gefüttert. Darin findet die Sonnenbrille oder Skibrille problemlos Platz.

Darunter ist ein längliches Fach, welches mittels eines Doppelreissverschlusses ebenfalls aufgeklappt werden kann. Dafür müssen jedoch die Boardbefestigungen auf der Vorderseite geöffnet werden. Im oberen Bereich dieses Fachs ist wieder ein Netzfach mit Reisverschluss für Kleinteile integriert.
Auf der Vorderseite des Rucksacks und somit auf der Vorderseite des Deckelfachs befindet sich noch eine flache Reissverschlusstasche für kleine Dinge, an die man schnell dran kommen möchte. Bei mir ist das eine Rettungsdecke, ein Müsliriegel und eine Sonnen Kombistift.
Auf dem Nierengurt ist ebenfalls eine kleine Reissverschlustasche für Schlüssel osder GoPro oder sonstige Kleinigkeiten angebracht.
Befestigungsmöglichkeiten:
Der FR Pro bietet verschiedene Möglichkeiten, sein Equipment außen am Rucksack zu befestigen. In der Übersicht sind das zwei Skibefestigungen, eine Boardbefestigung, eine Stockbefestigung, ein Helmhalter und ein Loop für den Eispickel.
Für Ski gibt es theoretisch zwei Möglichkeiten der Befestigung. Ich nutze jedoch nur eine davon, da mir diese besser gefällt und mir für die andere leider ein Teil fehlt.
Mein Favorit ist die beidseitige Befestigung der Ski. Bei einem gefüllten Rucksack, was mit dem nötigen Equipment für einen Tag schnell passiert, halten die Ski Bombenfest in den zwei seitlichen Loops. Beide Befestigungen sind einstellbar. Die unteren Riemen sind geschlossen, oben ist ein Clip angebracht. Man schiebt den Ski also unten in die Schlaufe ein, bis die Bindung anschlägt, zieht die Riemen fest und schließt die oberen Clips. Meine Rossignol Super7 haben eine Mittelbreite von 116mm und passen perfekt an den Rucksack. Positiv an dieser Befestigung finde ich, dass die Ski beim gehen nicht gegen die Beine schlagen, da sie unten etwas auseinander gehen und so eher an den Beinen vorbeigehen. Durch den guten Sitz des Rucksacks und die bombenfest sitzenden Ski merkt man das zusätzliche Gewicht kaum.


Die zweite Befestigung der Ski wäre auf der Rückseite. Dafür befindet sich unten ein Skiloop, also eine stabile Schlaufe, durch die die Ski geschoben werden und mittels einer zweiten Schlaufe oben am Rucksack befestigt werden. Diese zweite Schlaufe fehlt mir, weswegen ich das noch nicht testen konnte. Die Ski werden dafür zusammengesteckt und sind nachher leicht diagonal am Rucksackrücken befestigt. Da der Schwerpunkt dabei noch weiter nach hinten wandert und die Ski leicht verwackeln können, mag ich diese Befestigung nicht so sehr. Mein alter Rucksack war ebenfalls damit ausgerüstet und dabei hat es mich nicht überzeugen können.
Das Board wird, wie man es sich vermutlich denkt auf der Rückseite des Rucksacks mithilfe der zwei horizontalen Riemen befestigt. Die Riemen sind mit Metallhaken verschlossen und in der Länge verstellbar. Durch die Metallhaken halten diese Riemen sehr gut zu, sind aber auch leicht zu öffnen.

Sofern man die Ski diagonal oder ein Board auf dem Rucksack montiert fallen gleichzeitig die Eispickelhalterung und der Stockhalter weg, da diese ebenfalls über die Rückseite des Rucksacks laufen. Zwischen Brillenfach und unterem Deckelfach befindet sich ein verstellbares Gummiband, in dem Stöcke und Eispickel befestigt werden. Neben dem Skiloop befindet sich unten ein eigener Loop für den Eispickel. Die Stöcke kann man wahlweise ebenfalls darin befestigen, oder mit den Board-Bändern fest am Rucksack halten.
Zuletzt gibt es auf der Vorderseite zwei Möglichkeiten einen Helm mittels des Helmhalters zu befestigen. Dazu befinden sich auf jeder Seite drei Haltelaschen, in die der Helmhalter eingeclipt werden kann. So ergeben sich zwei Positionen, wovon ich die untere bevorzuge. Der Skihelm wird perfekt gehalten und wackelt nicht störend am Rucksack herum, was ich beim Tourengehen sehr angenehm finde. Der Kopf braucht meist einfach mehr Luft, das kann der Helm nicht bieten…

Größenwahl:
Mit ca. 1,75m habe ich mich für die Größe M/L entschieden und bin damit sehr zufrieden. Welche Größe genau passt sollte man immer mit den Größentabellen von EVOC abgleichen, dort finden sich alle relevanten Daten. Der Rucksack ist eher lang und schmal geschnitten, sodass er nicht dick aufträgt. Sofern man ihn nicht zu voll packt, kann man ihn auch im Lift am Rücken lassen.
Haptik / Verarbeitung:
Die Verarbeitung der Evoc Rucksäcke begeistert mich immer wieder von neuem. Alle Nähte sind sauber ausgeführt und die verwendeten Stoffe sind äußerst robust. Da sticht nicht mal eben etwas durch oder reißt ein. Das macht den Rucksack natürlich zu keinem Leichtgewicht. Für mich steht beim Skifahren jedoch die Robustheit im Vordergrund. Zu oft eckt man mit dem Rucksack irgendwo an oder bleibt mal am Lift hängen. Das sollte der Rucksack gut wegstecken können und ist bei diesem Evoc FR Pro definitiv gegeben.
Nach einem etwas nasseren Skitag stellt sich jedoch ein kleines Manko des Evoc FR Pro heraus. Der Stoff kann dem nassen Schnee irgendwann nicht mehr standhalten und im inneren wird es leicht feucht. Das heißt nicht, dass innen nachher alles nass ist, jedoch spürt man an Kleidungsstücken, die mit der Rucksackinnenseite in Kontakt sind die Nässe. Abhilfe könnte eine nachträgliche Imprägnierung schaffen oder eben eine Regenhülle. Passende Regenhüllen gibt es sowohl von Evoc wie auch von anderen Drittanbietern.
Zahlen / Daten / Fakten:
In Größe M/L hat der Evoc FR Pro Team folgende Maße maximal:
Höhe: 57 cm
Breite: 28 cm
Tiefe: 15 cm
Leergewicht: 1465 g
Volumen: 20 l
Wie im Video versprochen, hier das Bild der Größenübersicht:

Zip-On Unit für ABS Lawinenrucksack:
Eine Zeit lang gab es dieses Modell auch als Zip-On für ABS Lawinenrucksäcke. Da Evoc nun aber auf das R.A.S. System von Mammut setzt und damit kompatible Rucksäcke vorgestellt hat, sind die Zip-On’s aus dem Programm verschwunden. Wer sich eine solche Unit zulegen möchte, muss also auf dem Gebrauchtmarkt suchen, oder letzte Restbestände ergattern.
Fazit:
Für Skitouren hat der FR Pro genau die richtige Größe für mich. Das was ich mitnehmen möchte, bekomme ich unter und der Rucksack sitzt einfach bombastisch am Rücken. Den festen Sitz am Rücken finde ich entscheidend, da es unglaublich störend ist, wenn der Rucksack bei jeder Bodenwelle und jedem Schwung seinen eigenen Bewegungsablauf verfolgt. Der integrierte Rückenprotektor erspart mir das Tragen einer Protektorenweste und so die Möglichkeit mit dem Zwiebelprinzip bei der Klamottenwahl weiter zu variieren. Was nun noch fehlt und woran ich immer wieder überlege, ist der Airbag. Daher ist in Sachen Rucksack noch immer nicht das letzte Wort gesprochen. ;)
Zusammengefasst hier nochmal alles im Video:
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