Anfänger bis Profi - Der Schuh erträgt jeden ;).
VORTEILE
- Robust
- Hochwertig
- Passform
- Stylisch
- Guter Halt
- Komfortabel
NACHTEILE
BEWERTUNG
Liebe Outdoorfreunde,
ich erzähle euch heute von einem Bergschuh. Welchen fragt ihr? Den SALEWA Ortles Ascent Mid Gore-Tex. Geht einem doch munter über die Lippen oder? Keine sorge, so sehr der Name ein Zungenbrecher ist, so sehr ist der Schuh sicher kein Knochenbrecher!
Spaß beiseite ?. Ich habe den Schuh im Sommer zum Testen bekommen – eine schlechte Jahreszeit in meiner Region für einen solch ernsten Bergschuh – aber so war ich immerhin motiviert größere Bergtouren anzugehen.
Beginnen wir aber mit den Eckdaten dieses Meisterwerks. Das Obermaterial ist aus dickem Veloursleder. Verwirrt? War ich auch, bis ich mich da ein wenig schlau gemacht habe: Veloursleder ist ein anderer Begriff für Rauleder. Und das wiederum ist genau das, wonach es klingt: raues Leder. Durch die Struktur und Behandlung, welche zu dieser rauen Erscheinung führt, wird es besonders strapazierfähig.
Weiters verfügt der Schuh über das Salewa 3F System, welches mit Stahldrähten verstärkt ist. Ich möchte hier gar nicht zu sehr ins Detail gehen – wen das interessiert, kann sich die genaue Beschreibung auf der Salewa Homepage durchlesen – aber im Grunde genommen ist es eine Schuhmachart, welche durch ihre Form und Struktur besonders auf Halt, Flexibilität und Passform achtet. Die Stahlseile verstärken bekannte Schwachstellen, wie die Ösen für das Schuhband.
Natürlich ist bei dieser Fußware auch der Rand verstärkt mit TPU – das macht ihn besonders robust gegen die klassischen Schotterfelder im Abstieg => Schottersurfen ?.
Weiters hat der Schuh Einlegesohlen aus glas- und karbonfaserverstärktem Nylon, welche die Stabilität noch weiter erhöhen sollen. So viele Eigenschaften mögen erfunden klingen – aber ich kann aus meiner Testerfahrung sagen, dass er hält, was da versprochen wird und er hat sogar noch mehr auf Lager! Zum Beispiel eine Zwischensohle aus expandiertem Polyurethan mit doppelter Dichte und speziell angepassten, gepolsterten Zonen für Komfort und Präzision.
Die Vibram Alpine Guide Sohle ist kompatibel mit Steigeisen (vorne Korb! – also halbsteigeisenfester Schuh) und bietet Halt, Strapazierfähigkeit und Zuverlässigkeit in anspruchsvollem Gelände vor allem bei niedrigen Temperaturen. Ein Punkt, welcher mir bei einem Alpinschuh wichtig ist: Er muss eine scharfe Kante an der Vorderseite haben – um ordentlich Klettern zu können auch bei kleinen Leisten und Rissen. Dieser Schuh erfüllt dieses Bedürfnis natürlich ohne zu fragen. Eine integrierte Gamasche verhindert das Eindringen von Schnee – sehr praktisch und wichtig, weil ich vergesse oft Gamaschen und es gibt kaum etwas Nervigeres und Unangenehmeres als nasse Füße.
Im hinteren Knöchelbereich ist ein extrem weiches Material verbaut – ich konnte leider nicht herausfinden, womit dieser Bereich gefüllt ist, es fühlt sich aber an wie eine Gel-Füllung. Das ist extrem angenehm und sehr flexibel => wird deshalb Flex Colar genannt.
Jetzt wissen wir, was der Hersteller in meinen Worten zu seinem Schuh sagt. Wie empfinde ich diese angeblichen Fähigkeiten?
Ja, das Leder ist rau – aber wie lange es halten wird, kann ich in dem kurzen Testzeitraum nicht feststellen. Jedoch wirkt es extrem robust, generell der gesamte Schuh, also mache ich mir da wenig Sorgen, dass dieser Schuh schnell abnutzt.

Der Schuh sitzt ausgezeichnet – ob es an dem Salewa 3F System liegt oder einfach Glück ist weiß ich nicht – aber das tolle ist, dass bei dem Schuh Einlegesohlen dabei waren, womit man sich die Innenform ein wenig anpassen kann. Absolut top!
Auch das TPU am Rand ist hoch genug gezogen, damit es bei normalem Gebrauch das Leder vor Abnutzung schützt.
Die Zwischensohle ist sehr weich und damit sehr angenehm. Der Schuh federt beim Aufprall auf harten Untergrund den Stoß sehr gut ab und damit schützt er den Fuß vor übermäßiger Belastung (vor allem beim Bergabgehen). Trotzdem hat er Präzision beim Steigen durch den guten Halt und die Passform.
Ja, die Sohle ist steigeisenkompatibel. Allerdings nur mit Korb vorne – also mach es den Schuh „halbsteigeisenfest“. Ich selbst bin Fan von Vollsteigeisenfest, da ich den Körben ohne besonderen Grund nicht wirklich trauen will. Das ist aber nur eine persönliche Meinung und hat hier nichts zu sagen – die Steigeisen haben guten Halt auf den Schuhen.
Natürlich – wie bei einer Vibramsohle zu erwarten – ist der Halt absolut top. Auch auf glattem (abgenutztem Stein) hatte ich überraschend sicheren Stand, ebenso im Schnee und Eis ohne Steigeisen.

Die Kante, welche mir so wichtig ist, kam mir bei der anspruchsvolleren Tour, bei welcher ich den Schuh gequält habe, sehr zu gute.
Der weiche Knöchelschutz ist Gold wert => sehr angenehm an der Achillessehne und sehr flexibel für maximale Beweglichkeit ohne den Fuß einzuengen.

So genug gefaselt – wo habe ich diese Schuhe gequält? Da Sommer war / ist zum Zeitpunkt dieses Berichtes, ging sich leider nur eine große Tour aus. Aber mehrere kleine Abenteuer – mit diesen möchte ich beginnen.
Ich habe 4 Klettersteige mit dem Schuh begangen. Unter anderem meinen Haussteig, bei dem viele Stellen durch oftmaliges begehen, schon sehr glatt sind – daher weiß ich, dass die Sohle auch auf sehr glattem Stein eigentlich gut greift. Nach diesen Klettersteigen wurde immer ins Tal geflogen – da konnte ich also noch nichts über die Bergabgehleistung sagen. Fürs Fliegen jedoch ist der Schuh ein Traum! Überknöchelhoch und damit super sicher auch im Fall einer härteren Landung.


Dann bin ich noch einige leichte Klettertouren Free Solo begangen mit dem Stiefel. Für die Schwierigkeit (max. 3+) war diese Schuhwahl schon overkill – aber dadurch fühlte ich mich natürlich entsprechend wohl und sicher unterwegs. Und trotz sommerlicher Hitze – das Leder hat den Schweiß so gut weggeatmet wie ich es nicht erwartet hätte! Auch hier wieder leider (zum Glück) keine Daten über den Weg bergab – wieder mit dem Schirm ?.

Und nun zum Finale: Ich beging die Glocknerwand Überschreitung mit dem Schuh. Der Schuh ist genau für solche Touren gemacht und hat geglänzt. Fels, Schnee, Eis konnten ihm nichts anhaben und ich konnte somit super sicher steigen, klettern, abseilen und über Schneegrate stapfen. Ein absoluter Traum – und da man auf dem Glockner nicht fliegen darf, musste ich diesmal bedauerlicherweise ins Tal gehen. Und auch hier hat mir der Schuh den Weg sehr angenehm gemacht. Ich würde ja behaupten, fast angenehmer als fliegen – aber ich möchte euch hier nicht belügen, weil ihr mich da sicher enttarnen würdet.
Abschließend kann ich meine lobenden Worte nur aufrechterhalten – der Schuh ist ein top Gerät und ich empfehle ihn mit sehr gutem Gewissen weiter! Für jeden, der sich von Anfängertouren bis hin zu alpinen Kalibern entwickeln möchte, wird dieses Schuhwerk ein treuer Begleiter sein. Und mit seinem Preis ab ca. 240 € ist er sogar fair – wenn man bedenkt das Laufschuhe teils mehr kosten aber nur man um den Preis dann nur halb so viel Schuh bekommt ?.