Sehr hochwertiges Radshirt, Größenfindung schwierig
VORTEILE
- Guter Sitz
- Bequem
- Tasche mit Reißverschluss auf dem Rücken
- Ausreichend Taschen
- Geruchshemmend
- Schick
NACHTEILE
- Größen recht ungewöhnlich
- Frontbereich kurz geschnitten
- Preis relativ hoch (UVP 169 €)
- Kein Händler in Deutschland (Stand: 12/24)
BEWERTUNG
Zum Fahrer:
Ich fahre mittlerweile seit über 4 Jahren mit meinem Gravelbike. Mittlerweile müsste es so 30.000 Kilometer gefahren sein, evtl. auch etwas mehr. Ich fahre 2 x 15 Kilometer täglich Stadtverkehr; im Sommer unregelmäßig längere Touren (40-100 Kilometer), auch über unwegsames Gelände. Ich fahre dabei zwischen 20-30 km/h (i.d.R. Durchschnittsgeschwindigkeit von 23 km/h).
Im Herbst trage ich meistens eine Softshellradjacke mit Sportshirt, manchmal auch nur eine Fleecejacke oder mein bisheriges Radtrikot, je nach Wetter.
Im Sommer bin ich auch mal nur mit meinem bisherigen Radtrikot unterwegs.

Angedachter Anwendungsbereich:
Das Shirt von Alé Cycling möchte ich an sonnigen, frischen Tagen nutzen, wo meine Softshelljacke zu warm ist und unter meiner Softshelljacke an kalten Tagen. Alé empfiehlt das Shirt ab 12 Grad.
Zur Größenfindung:
Die erste kleine Herausforderung bestand darin die passende Größe für das Shirt zu finden. Alé hat bei der Konzeption an typische schlanke, nicht so groß gewachsene Radfahrer gedacht. Dementsprechend war ich mit meiner etwas sportlicheren Statur (95 Kilo) und meiner Größe von 1,91 Meter deutlich zu groß für Größe XL.
Das Shirt ist im Bauchbereich kurz geschnitten und im Rückenbereich länger. Bei Größe XL ging mir das Shirt bis zum Bauchnabel. Im Schulterbereich ist elastisches Material vernäht, so dass mein Schultervolumen kein Problem gewesen wären, gegen die Länge hilft das aber auch nicht.
Also habe ich mich für die Größe 3XL entschieden. Diese ist jetzt länger und sitzt im Schulterbereich immer noch körperbetont. Hinten geht das Shirt bis etwas über den Hüftkamm, vorne endet es beim gedachten Hosenknopf (ist also immer noch recht kurz, aber passt, mehr dazu später).
Die Größenangaben waren auf jeden Fall nicht ganz einfach zu durchschauen. Wer im BMI Bereich von 24-26 liegt, benötigt wahrscheinlich 3 Größen größer als üblich. Zum Vergleich, ich habe einen BMI von 24.
Zum Shirt:
Nun zum wichtigen Teil, wie macht sich das Shirt?
Das Shirt besteht aus mehreren Materialien:

Zuvor habe ich gesagt, dass die kurze Front nicht so ein Problem für mich ist, dies liegt daran, dass man beim Radfahren vorgebeugt auf dem Rad liegt. Ein langes Shirt würde sich im Bauchbereich stauen und bei langen Fahrten u.U. stören. Hier fand ich das Verhältnis von Front- und Rückenlänge aber schon sehr stark abweichend.
Erste Fahrten:
Da es das Wetter aktuell leider nicht zulässt, konnte ich das Shirt nur als Baselayer unter meiner Softshellradjacke fahren. Hier fühlt es sich sehr angenehm auf der Haut an, obwohl
Die Jacke ist zwar windabweisend, aber nicht gefüttert oder sonderlich warm.
Bei 7 Grad habe ich die Jacke und das Radtrikot angehabt. Ähnlich wie bei der Hose von Alé (Testbericht) waren die ersten Meter recht frisch. Das hat sich aber schnell gelegt, als mein Körper angefangen hat Wärme zu produzieren.
Nach ca. 1 Kilometer wurde es wohlig warm und man hat gemerkt, dass das Shirt durch seine Wabenstruktur die Wärme drin behält, die der Körper produziert.
Insgesamt hatte ich auch bei den nächsten Fahrten das Gefühl, dass das Shirt gut die Wärme behält und diese reflektiert. Obwohl im Bereich der Arme ein anderes Material als beim restlichen Shirt verwendet wurde, war es auch hier nicht kalt.
Auf dem Rückweg war es ca. 11° warm, hier empfand ich die Kombi Jacke und Shirt als recht warm, fast schon an der Grenze.
Ich tue mich etwas schwer einen Temperaturbereich für das Shirt zu empfehlen, da ich es nur in Verbindung mit einer Jacke anhatte. Da es durchaus wärmt und windabweisend ist, denke ich, dass man es bis 18° Grad gut alleine tragen kann. Ein Sommershirt ist es eher nicht, kommt aber wahrscheinlich auch auf das individuelle Temperaturempfinden an.
Ich habe das Shirt an 5 Tagen insgesamt 10 x getragen, um das Werbeversprechen der "Geruchshemmung" zu testen. Hier war ich echt überrascht, dass das Shirt nicht gerochen hat, obwohl ich definitiv am Schwitzen war, das kenne ich sonst nur von Merinoprodukten. Ich hoffe, dass der Effekt auch noch ein paar Wäschen übersteht.
Auch den QuickDry Effekt kann ich bestätigen. Nach den Fahrten war das Shirt leicht klamm, 5 Stunden später habe ich davon nichts mehr bemerkt. Teilweise fahre ich die Strecke auch mit Baumwollshirts, diese kleben danach oft nass an meinem Rücken.
Mir persönlich haben die Taschen am Rücken gut gefallen. Die sind ausreichend groß, um während einer längeren Fahrt etwas Verpflegung, Quetschis, Handy und Schlüssel zu verstauen.

Zur besseren Anschauung habe ich mal eine S22 von Samsung in die Tasche gepackt.

Wer meine Bewertungen schon länger liest, weiß wie sehr ich Reißverschlusstaschen schätze. Auch hieran hat Alé gedacht.

Sehr sinnvoll finde ich die Gummierung im Hüftbereich des Shirts. Dieses verhindert ein Hochrutschen oder verschieben von dem Shirt, selbst bei Positionswechseln im Sattel oder beim Absteigen. Zudem zieht dadurch kein kalter Wind den Rücken hoch.
Fazit:
Nach knapp 4 Wochen Gravelfahren mit dem Shirt bin ich nach wie vor begeistert. Das Shirt riecht nicht, es halt die Wärme gut am Körper und es fühlt sich gut an.
Ich freue mich schon, wenn es wieder wärmer wird und ich das Shirt ohne Jacke tragen kann.
Wenn ich meine nächste Langdistanz fahre, weiß ich definitiv, welchem Shirt ich vertrauen werde.
Für mich ist es das rundeste Radshirt was ich bislang hatte, auch wenn ich bei der UVP von 169 € wahrscheinlich lange überlegen müsste, ob ich es mir bei der schwierigen Passform im Internet bestellen würde.
