Eine vergoldete Daunenjacke im Ultralight-Bereich
VORTEILE
- Leicht
- Enger Jackenkragen
- Passgenau
- Gewichts/ Isolationsverhältnis
- Komprimierbarkeit
NACHTEILE
- Preis
- Stopfsack
BEWERTUNG
Als Produktscout von Outside-Stories habe ich die Möglichkeit bekommen, die Alpine 850 Nano des britischen Herstellers Montane zu testen. Ich habe die Daunenjacke für sechs Wochen zur Verfügung gestellt bekommen und versuche, sie in ihrem spezifischen Anwendungsgebiet sowie auf ihre Alltagstauglichkeit zu testen. Ich hoffe allen, die sich für dieses Produkt interessieren, einen besseren Überblick über die Jacke, sowie ihre Funktionalität zu geben oder bei der Kaufentscheidung weiterzuhelfen.
Im Rahmen meiner Bewertung möchte ich zuerst auf das Unternehmen selbst eingehen und mich im Anschluss mit dem eigentlichen Produkt sowie dessen Funktionen befassen. Dabei möchte ich mich besonders auf die Isolationsfähigkeiten der Jacke konzentrieren und mich mit der Technologie befassen, die die Isolationsfähigkeit gewährleisten und aufrechterhalten.

Zum Unternehmen
Das durch den Briten Chris Roff 1993 gegründete Unternehmen hat sich auf die Herstellung leichter, funktioneller und langlebiger Outdoor-Bekleidung spezialisiert. Dabei ist der Markenauftritt dieses Unternehmens im Gegensatz zu anderen Herstellern aus der gleichen Produktspalte wie beispielsweise The North Face oder Patagonia eher leise. Ich muss ehrlich gestehen, dass ich den Namen des Herstellers vorher vill. einmal gehört habe mich jedoch noch nie richtig mit dem Unternehmen befasst habe. Montane arbeitet mit vielen Extremsportlern aus dem englischsprachigen Raum zusammen und stattet diese mit den herstellereigenen Produkten für ihre Aktivitäten aus.
Unternehmensnachhaltigkeit:
Auf der Herstellerseite findet man einen gesonderten Bereich, welcher sich auf die Unternehmensnachhaltigkeit im sozialen sowie ökologischen Bereich bezieht. Das Unternehmen geht in diesem Bereich sehr transparent mit Herstellungsprozessen, der Materialherkunft sowie dem sozialen und ökologischen Engagement um. Die Darstellung auf der Website ist sehr umfangreich (habe ich selten so umfangreich gesehen) und benutzerfreundlich dargestellt. Daher empfehle ich jedem Interessenten, einfach mal selbst vorbeizuschauen, da ich dem Umfang mit meiner Schilderung sicher nicht gerecht werde.
Seit 2019 ist Montane Mitglied der Fair Wear Foundation, um so für faire Arbeitsbedingungen bei der Herstellung ihrer Produkte zu sorgen. Zudem unterstützt Montane seit 2023 ein Pilot-Arbeitsversicherungssystem, das Textilarbeiter in Bangladesch im Falle eines Arbeitsunfalls absichert.
Ökologisch engagiert sich Montane in der EOCA (European Outdoor Conservation Association) sowie bei Fix the Fells und beim BMC Klimaprojekt. Beim Kaufinteresse eines Produkts kann man sich über die genaue Materialzusammensetzung informieren sowie weitere Informationen zu den Materialien finden. Montane greift bei der Produktion so zumindest beworben viel auf recycelte Materialien zurück. So auch im Falle der Alpine 850 Nano.
Auch was den Bereich Tierschutz angeht, setzt das Unternehmen beispielsweise auf Merino Wolle, die als Mulesing frei zertifiziert ist. Ähnliche Standards gibt es auch beim Bezug von Leder oder Daunen.
Was man trotz der bereits genannten positiven Aspekte anmerken muss ist, dass die Produktion sich einzig auf den asiatischen Raum beschränkt.
Zum Produkt:
Zugesandt wurde mir die Montane Alpine 850 Nano mit einem Gewicht von lediglich 220 Gramm also ein echtes Leichtgewicht.

Durch den Hersteller wird das Produkt wie folgt beworben:
Die Alpine 850 Nano mit kompromisslosem Fokus auf Wärmewirksamkeit bietet ein außergewöhnliches Verhältnis von Wärme zu Gewicht, bei dem jedes Gramm zählt. (Zitat: Montane.com)
Zu den Hardfacts:
- Farben: Stone Blue, Eclipse Blue und Citrus String
- Größen: S – XXL
- Passform: Trim Fit (slim)
- Gewicht: 220 g
- Preis: 360€ UVP, mit etwas Glück bereits ab 247€ zu bekommen.
Ich habe die Jacke mit einer Körpergröße von ca. 1,80 Metern und 80 Kilo in Größe L und der Farbe Stone Blue zugesandt bekommen. Ich habe mich hier für den etwas unauffälligeren Farbton entschieden. Für Menschen, die sehr viel abseits der Wege unterwegs sind oder auch mal abseits der Piste fahren, bietet sich die Farbe Citrus Spring auch wunderbar als Signalfarbe an, um so einfacher entdeckt zu werden.


Weitere Farben:


Aufbau der Jacke und Materialzusammensetzung
Die Außenschicht besteht aus zu 100% recyceltem 10 d PertexQuantum Nylon mit einer wasserabweisenden DWR- Imprägnierung. (PFC- Frei)
Was ist 10d Nylon? Diese Zahl gibt die Garndicke an, aus der das Material besteht. Extrem robuste Rucksäcke haben eine Nylonstärke von bis zu 1000d sind extrem Stabil aber unflexibel. In diesem Fall handelt es sich bei 10 d Nylon - also um ultraleichtes Material.
Das Futter der Jacke wird in unterschiedliche Bereiche unterteilt. So sind Bereiche, die mit besonders viel Feuchtigkeit in Berührung kommen mit Primaloft Gold aus 100% recyceltem Polyester gefüttert. Welche Bereiche das genau sind, lässt sich über die Herstellerwebsite nicht herausfinden. Ich denke jedoch, dass es sich um Bereiche wie die Achseln handelt.

Der Rest der Jacke ist durch 60 Gramm Gänsedaunen (RDS- zertifiziert) mit einem Mischverhältnis von 90/10 (90% Gänsedaune/ 10% Feder) mit einer Füllstärke von 850 ausgefüttert. Die Daune wurde dabei mit der ExpeDryTechnologie behandelt und bleibt so länger trocken bzw. trocknet schneller. Zur Technologie später mehr.
Ausgestattet ist die Jacke zudem mit YKK Reißverschlüssen an der Front und an den Jackentaschen.

Auf der Vorderseite der Jacke befindet sich ein kleiner Logoprint mit dem Herstellernamen.

Technologie
Außenschicht
Pertex Quantum Nylon ripstop ist ein Stoff, der vom ursprünglichen Pertex abgewandelt ist. Bei Pertex Quantum handelt es sich um eines der aktuell leichtesten und reißfestesten Materialien des Herstellers Pertex. Dieser Stoff findet Anwendung im Outdoorbereich bei Daunen- und Kunstfaserjacken sowie Schlafsäcken. So soll auch eine Faser mit einer Stärke von 10d, wie in der Alpine 850 Nano verwendet, eine hohe Robustheit aufweisen. Beim Ripstop handelt es sich um eine besondere Art die Materialien miteinander zu verweben. So werden besonders viele Fadenkreuzungen eingebaut, um ein weiteres Aufreißen von Rissen zu verhindern. Die Schäden im Material behalten die Größe des Entstehens. Dadurch wird das Material nochmal robuster.
Isolationsschicht
Primaloft Gold ist eine Kunstfaser, die die Schwächen von Daunen ausgleichen soll. Bei Feuchtigkeit verlieren Daunen ihre Bauschkraft, ihr Volumen und dadurch ihre isolierende Wirkung. Daher wurde an einer Kunstfaser geforscht, die ähnliche isolierende Eigenschaften wie die natürliche Daune hat, ohne dabei feuchtigkeitsanfällig zu sein.
Primaloft ist eine solche Faser, durch Mikrofasern die unzählige Berührungspunkte haben, kommt es zu extrem vielen Lufteinschlüssen innerhalb der Primaloft Faser. Dadurch erreicht sie eine ähnlich effektive Isolationswirkung wie die Daune. Bei der Gold Variante handelt es sich um das Topmodell der Faser. Sie ist besonders leicht und atmungsaktiv bei einem besonders kleinen Packvolumen.

ALLIED FEATHER ExpeDRY 850 cuin
850 cuin beschreibt die Bauschkraft der verwendeten Daune. Je höher die Zahl, desto besser ist die Isolationswirkung der Daune. So erzieht eine Daunenjacke mit einer Daunenfüllung von 60 Gramm und 850 cuin eine ähnliche Isolationskraft im Vergleich mit Jacken mit höherer Daunenmenge, aber geringerer Bauschkraft. Die hohe Bauschkraft sorgt dafür, dass gute Isolationsleistungen bei dennoch geringerem Gewicht erzielt werden können.
Das Minimum für eine brauchbare Daunenjacke liegt bei 500 cuin mit 850 cuin liegt die Alpine 850 Nano im absoluten Spitzenklassenbereich.
Problematisch bei Daunenjacken und Daunenschlafsäcken ist Feuchtigkeit. Wird die Daune durchnässt, lässt die Isolationswirkung rapide nach, da sie verkleben und ihre Bauschkraft verlieren. Kommt es häufig zu Nässe, kann die Bauschkraft der Daune auch langfristig reduziert werden und somit verliert dann die gesamte Jacke an Qualität.
Die in der Alpine 850 Nano verwendete Daune ist mit der neu von ALLIED FEATHER entwickelten ExpeDry Technolgie behandelt. Hierbei handelt es sich um eine chemikalienfreie Alternative zur Behandlung von Daunen.
In diesem Verfahren werden ungiftige Goldpartikel in die Isolationsschicht gegeben. Diese setzen sich in den Daunen fest.
Ich versuche den Prozess, der dadurch entsteht, mal ein bisschen genauer zu erklären. Ich habe Chemie in der Schule recht früh abgewählt, daher bitte keine tiefgreifenden Ausführungen erwarten. Meine Quelle ist Alliedfeather.com
Laut Entwickler erschaffen die verwendeten Goldpartikel ein elektro-statisches Schild, welches die Wasserstoffverbindungen angreift und so verhindert, dass es zur Tropfenbildung kommt. So bleibt Feuchtigkeit bei beispielsweise Dampf durch Schweiß länger im gasförmigen Zustand. Sollte die Jacke dennoch durch einen Regenguss oder sonstige Ereignisse durchnässen, bricht das verwendete Gold die Wasserstoffverbindungen auf und hilft dabei, die Daunen schneller zu trocknen.
Laut Entwickler trocknen durch ExpeDry behandelte Daunen im Vergleich zu mit Chemikalien behandelten Daunen 40% schneller und 50% schneller als unbehandelte Daunen.
Dabei haben sie einen 30-50% geringeren Umwelteinfluss als chemisch behandelte Daunen.
Auf der Alliedfeather Website findet man zahlreiche Tests mit Vergleichswerten zwischen chemisch behandelten und durch die Expedry Technologie behandelten Daunen. Wer sich weiter informieren möchte, kann gerne mal vorbeischauen.
Erster Eindruck der Jacke: (+)
Beim Auspacken der Jacke ist mir sofort das extrem leichte Gewicht aufgefallen. In der Theorie kann eine so leichte Jacke für mich nicht besonders warmhalten. Man hatte wirklich das Gefühl, nur das Außenmaterial in der Hand zu halten. Durch das geringe Gewicht ist die Jacke im ultra light Segment einzuordnen und ist auch auf minimales Gewicht ausgelegt. Die Reißverschlüsse sind sehr filigran und klein gehalten und es befindet sich kein unnötiger Schnickschnack an der Jacke.
Die Farbe gefällt mir gut und entspricht den vom Anbieter gezeigten Bildern. Auf der rechten Brustseite befindet sich ein kleiner Logoprint, welcher jedoch nicht stört. Ich habe mir die Jacke realitätsgetreu über einen Pullover gezogen. Die Größe L passt mir gut. Sie sitzt zwar eng am Körper, schränkt jedoch in der Bewegung nicht ein.
Der erste Eindruck ist durchweg positiv.
Robustheit: (/)
Beim Kauf des Produkts muss man sich darüber im Klaren sein, dass es sich um extrem dünnes Obermaterial handelt. Das 10 d Nylon ist nicht für den Kontakt mit scharfkantigen oder spitzen Oberflächen ausgelegt und sollte daher im unwegsamen Gelände durch eine weitere Schicht geschützt werden. Für Wanderungen auf normalen Wegen ist kein zusätzlicher Schutz notwendig. Auch die filigranen Reißverschlüsse sind nicht für eine grobe Anwendung ausgelegt und sollten für den Erhalt der Funktion behutsam behandelt werden. Die Abstriche in der Robustheit des Materials sind ganz einfach dem Einsatzzweck geschuldet. Ich bewerte den Aspekt der Robustheit neutral, da die Alpine 850 nicht als robuste Outdoorjacke beworben wird und somit auch nicht übermäßig robust sein muss. Sie entspricht hinsichtlich des Gewichts meinen Erwartungen.
Funktionalität: (+)
Auch die allgemeine Funktionalität der Jacke ist mir im Rahmen meiner Trageversuche positiv aufgefallen. Schließt man die Jacke vollständig, stellt man fest, dass der Jackenkragen sehr hoch ist und durch das an der Kapuze befestigte Gummiband eng um den Hals schließt. Dadurch kann ein Wärmeverlust über den Halsbereich verhindert werden. Setzt man die Kapuze auf, so schließt diese ordentlich am Gesicht ab und erzielt den gleichen Effekt. Im Jackensaum ist ebenfalls ein Gummiband befestigt. Dieses kann zwar nicht verstellt werden, passt sich jedoch der Körperform gut an.
Zum Verstauen der Jacke ist in der Jackentasche ein Beutel angebracht, in welchen die Jacke hineingestopft werden kann. Das Verstauen der Jacke ist nicht ganz einfach, da der Stopfsack sehr klein gehalten ist und man beim Stopfen vorsichtig sein muss, damit man die Jacke nicht beschädigt.




Kleiner Tipp: Daunenprodukte sollten immer hängend gelagert werden. Das kurze Verstauen in Packsäcken ist problemlos möglich, reduziert auf lange Sicht jedoch die Bauschkraft der Daune.
Isolationsleistung: (+)
Ich habe die Jacke sehr umfangreich an unterschiedlichen Tagen bei unter fünf Grad Celsius getestet. Zu Beginn meines Tests habe ich die Jacke über einem Pullover mit zusätzlicher Hardshelljacke getragen. Der Wind wurde durch die oberste Schicht abgehalten, sodass die Jacke ihre Isolationsaufgabe unbeeinflusst erfüllen konnte.
Mir war es nicht kalt, aber besondere Wärme habe ich nicht wahrgenommen. Der erste Trageversuch hat mich nicht besonders positiv überrascht. Nach mehreren Tragetests habe ich jedoch festgestellt, dass die Jacke mir zwar kein besonders wärmendes Gefühl gibt, aber es mir auch bei drei Grad Celsius Außentemperatur nicht kalt wurde, obwohl ich nur ein T-Shirt unter der Jacke trug. Bei diesem Test habe ich mich nicht besonders körperlich betätigt, sondern bin lediglich spaziert.
Auch bei leichten Minustemperaturen ist ein komfortables Tragen problemlos möglich. Besonders gut merkt man die Isolationsleistung im Taschenbereich. Die kalten Hände wärmen sich in der Tasche schnell wieder auf.
Das Verhältnis zwischen Gewicht und Isolationsleistung ist meiner Meinung nach überzeugend. Man darf natürlich von einem Füllgewicht von 60 Gramm keine Wunder erwarten, ist jedoch durch 850 cuin Bauschkraft gut ausgestattet.
Das Ganze kann ich natürlich auch nur anhand meines subjektiven Wärmeempfinden beurteilen.
Wetterbeständigkeit: (/)
Leichtem Regen hält die Jacke stand. Dieser perlt einfach ab. Da die Jacke nicht für schwerere Regenfälle konzipiert ist, habe ich sie auch nicht unter diesen Bedingungen getestet.
Trageempfinden/ Design: (+)
Die Jacke lässt sich wunderbar tragen und schichten. Die Jackentaschen sind ausreichend groß und ich habe nicht das Gefühl, ins Schwitzen zu kommen. Auch die Reißverschlüsse laufen zuverlässig. Ebenfalls sehr positiv aufgefallen ist mir der Jackenkragen. Durch den engen Schluss am Hals, steht der Jackenkragen im vollen Schluss nicht unangenehm nach oben ab, sondern liegt eng am Hals an.
Bei aufgesetzter Kapuze schließt die Jacke passgenau am Kopf ab und bewegt sich auch beim Drehen des Kopfes nicht. (Besonders cool sieht die aufgesetzte Kapuze jetzt nicht aus, muss sie aber auch nicht.)


Auch die Farbe gefällt mir sehr gut und ich habe für die Farbe der Jacke mehrfach Komplimente bekommen.
Fazit:
Montane hat mit der Alpine 850 Nano eine extrem leichte und unauffällige Isolationsschicht aus besten Materialien geschaffen, die die Funktion in ihrem Aufgabenspektrum mit Bravour erfüllt.
Mehreren Tests zwischen drei und fünf Grad Celsius hielt die Nano problemlos stand und kann bei guter Schichtung auch bei Temperaturen unter null Grad getragen werden.
Durch den Packsack in der Jackentasche kann die Jacke gut komprimiert und verstaut werden. Der Packsack dürfte nach meinem Geschmack ein bisschen größer sein.
Eine unverbindliche Preisempfehlung von 360€ finde ich schon heftig. Wenn man Glück hat und sie günstig schießt, ist sie ihr Geld auch wirklich wert.
Ich kann die Jacke nur weiterempfehlen und bin absolut begeistert von dem Produkt.
Würde ich mir die Jacke kaufen? JA, wenn ich dir unter der UVP bekomme.
Von mir gibt es 5 von 5 Sterne.
Danke fürs Lesen!
Gruß Gaudi