Simple wie geniale Klickpedale für MB und Cyclocross
VORTEILE
- leicht (283 g / Paar)
- Einklicken in alle 4 Seiten möglich
- kann nicht durch Matsch verstopfen
- release und float durch Cleats veränderbar
- absolut hochwertig verarbeitet und robust
- Ersatz- und Erweiterungsteile einzeln erhältlich
NACHTEILE
- Federspannung kann nicht verstellt werden
- immer mit float (Hacke kann sich hin und her bewegen)
- zwei release-Winkel verfügbar (kein Feintuning)
- Einklicken mit kleinen Cleats anfangs schwierig
- Lack auf Achse soll nicht sehr lange halten
- nur in Verbindung mit Fahradschuhen brauchbar
BEWERTUNG
Seit über einem halben Jahr verwende ich nun Mountainbikepedale an meinem Rennrad/BikePackingRad und das aus gutem Grund und mit voller Zufriedenheit. Wer sein Rad für die eigenen Bedürfnisse optimieren möchte, sollte das Schubladendenken einmal bei Seite lassen und sich die Funktion, sowie Vor- und Nachteile dieser Pedale vor Augen führen.

Einsatzbereich
Diese Pedale entstanden aus dem Frust heraus darüber, dass Matsch Mountainbike-Klickpedale verstopfen und dadurch das Aus- und Einklicken verunmöglichen kann. Geeignet sind sie für Cyclocross-, Crosscountry- und Trailriding. Alles wo Schlamm zum Problem werden kann und die Schuhe neben den kleinen Platten über eine anständige Sohle verfügen müssen, die auch die Fortbewegung zu Fuß ermöglicht. Für mich ist das trotz Rennrad optimal, denn ich brauche auf meinen BikePackingTouren stets Schuhe mit anständiger Sohle, um im Gelände auch mal gehen zu können und nicht für den Abend und Morgen im Lager zusätzliche Schuhe mitschleppen zu müssen. Auch im Stadtalltag machen sich Schuhe mit anständiger Sohle deutlich besser, als reine Rennradschuhe.

Pedale selbst
Die Pedale machen einen aufgeräumten und minimalistischen Eindruck. Sie lassen sich mit einem 8 mm Imbusschlüssel installieren und mit einem 6 mm Imbusschlüssel und einer kleinen Nuss zerlegen. Montiert stehen sie 8.8 cm weit ab und die Mitte der Plattenaufnahme ist 5.3 cm vom Hebelarm entfernt. Um die Lager und das Innere der Pedale vor Feuchtigkeit und Dreck zu schützen ist zwischen Achse und Körper eine doppelte Abdichtung verbaut.
Die Eggbeater 3 sind zwischen den Eggbeater 1, 2 und 11 das gehobene Mittelklassemodel von Crankbrothers. Die Modelle unterscheiden sich alle in Preis, Gewicht, Materialien, Lagertypen und ihrer Haltbarkeit. Ich habe mich für 3 entschieden, da ich qualitativ hochwertige Pedale haben wollte, ohne den Aufpreis für die Gewichtsersparnis durch Hightechmaterialien zahlen zu müssen.

Schuhplatten
Den Pedalen liegen Platten aus Messing bei. Das weichere Material schont die Pedale, führt aber dazu, dass die Platten irgendwann ersetzt werden müssen. Die Platten sind mit den Maßen 34 x 29 x 6 mm so klein, dass sie auf alle gängigen Cyclocross- und Mountainbikeschuhe passen. Diese Größe führt aber auch dazu, dass die Kontaktfläche zwischen Schuh und Pedal nicht sehr groß ist. Hier empfiehlt sich besonders für lange Fahrten ein Schuh mit sehr steifer Sohle.
Die Platten können in zwei verschieden Orientierungen unterm Schuh befestigt werden, je nachdem, welcher Auslösewinkel (15° / 20°) gewünscht ist. Platten aus anderen Materialien, mit anderen Auslösewinkeln und Beweglichkeiten sind als Zubehör von Crankbrothers erhältlich.

Abstandshalter
Den Pedalen liegen 1 mm starke Abstandshalter aus Kunststoff bei, die unter den Cleats montiert werden können. Der erhöhte Abstand zwischen Sohle und Cleats erleichtert das einklicken in die Pedale.
Jedoch kann dieser Abstand auch dazu führen, dass die Sohle links und rechts neben den Cleats keinen Kontakt mehr zur Pedale hat. Um dies durch Erhöhung des Pedaldurchmessers wiederum auszugleichen, liegen den Pedalen 1 mm starke Gummiringe bei, die auf die Pedale geschoben werden können. Hierzu muss jedoch die Achse entfernt werden.
Um die Carbonsohle meiner Fahrradschuhe zu schonen habe ich mir zusätzlich die Shoe Shields von Crankbrothers gekauft. Diese sind aus Edelstahl gefertigt und 0.8 mm stark. Nach der halbjährlichen Benutzung sind hier bereits Abnutzungsspuren zu sehen, die den Einsatz der Shoe Shields zu rechtfertigen scheinen.


Wartung
Die Eggbeater sind so designt, dass kein Schlamm haften bleibt und den Klickmechanismus verstopfen kann. Dennoch empfiehlt Crankbrothers sie alle 300 km zu reinigen. Dazu müssen sie zerlegt, gereinigt und gefettet werden. Ich habe das selbst über die letzten 2000 km noch nicht gemacht und keine Funktionseinbußen bemerkt. Bei der regelmäßigen Wartung geht es aber vor allem darum, die optimale Funktion hoch und den langfristigen Verschleiß niedrig zu halten.
Crankbrothers bietet glücklicher Weise alle Ersatz- und Erweiterungsteile einzeln an, was eine individuelle Wartung und Modifikation ermöglicht.

Daten
Gewicht: 283 g (Paar, selbst gemessen)
Maße: 10 x 4.2 x 4.2 cm
Q-Faktor: 52 mm
Auslösewinkel / release: 15° / 20°
Spiel / float: 6°
Lager: Enduro Kugellager und igus LL-Gleitlager
Material: geschmiedeter Chromoly Stahl scm 435 (Achse), Guss-Edelstahl 17-4PH (Körper, Flügel), Edelstahl 300 (Feder)
Umfang: Pedale, Gummiringe, Cleats, Spacer, Schrauben
Made in Taiwan
Garantie: 5 Jahre

Begriffserklärung
Um sich in der Welt der Pedale zurechtfinden zu können, lohnt sich die Zuordnung der verwendeten Begrifflichkeiten. Moderne Pedale werden derzeit in zwei Kategorien eingeteilt. Flats und Clipless. Flats sind die gängigen Pedale, die auch mit normalen Straßenschuhen gefahren werden können. Um den Grip zu erhöhen verfügen Mountainbike-Flats beispielsweise über Schrauben, die sich in die Schuhsohle bohren. Clipless bezeichnet die Klickpedalen, die durch Einrasten der Cleats/Schuhplatten unterm Schuh fixiert werden können. Das etwas gegenintuitive ClipLESS grenzt diese Pedale von Toaclips ab, was Körbchen oder Riemen bezeichnet, mit denen Schuhe früher an Pedalen fixiert werden konnten.

Flats vs. Clipless
Flats kennt jeder. Wir alle haben damit Fahrradfahren gelernt. Doch was macht Clipless aus, warum kann ein Wechsel sinnvoll sein und warum wechseln Leute wieder zurück zu Flats?
Clipless verspricht eine optimierbare und fixe Fußposition. Das ermöglicht ergänzend zum Drücken das Ziehen an den Pedalen, was bei besonders anstrengenden Passagen (bergauf oder gegen den Wind) praktisch ist. Die vorgegebene Position kann im Vorhinein optimiert werden und schont dann im Optimalfall die Gelenke. Das Abrutschen von den Pedalen ist nicht mehr möglich und das Rad kann mit den Füßen leicht angehoben werden, was das Springen und gezielte Positionieren des Hinterrades beim Landen erleichtert.
Die fixierten Schuhe können aber auch zum Problem werden, wenn ein schnelles Abstützen oder Absteigen erforderlich wird. Wer hier nicht schnell den Schuh lösen kann, kann sich arg verletzen. Und wen die Angst davor unsicher fahren lässt, der hat durch solche Pedale sicher nichts gewonnen.
Für mich erspart mir das Einklicken jegliche Gedanken an meine Fußposition oder daran, ob ich von den Pedalen rutschen könnte. In rauem Gelände gibt es zusätzlichen Halt und das gelegentliche Ziehen an den Pedalen gibt zusätzliche Power. Auch wenn ich in heiklen Situationen vorsorglich einen Schuh ausklicke, so kann ich aus eigener Erfahrung berichten. Ein mieser Sturz mit den Schuhen in den Klickpedalen ist auch nicht anders als einer mit Flats. In jedem Fall Mist, aber aushaltbar.

Clipless mit kleinen Platten
Die Eggbeater 3 sind mit ihrer geringen Kontaktfläche vergleichbar mit dem Shimano SPD System. Bei Rennrad- oder Cyclocrossschuhen mit besonders steifer Sohle mag das kein Problem sein. Bei Mountainbike- oder eher weichen Radschuhen kann das aber auf längeren Touren ein Nachteil sein. Klickpedale mit einer größeren Kontaktfläche, wie das rennradspezifische System von Shimano oder die Clipless-Pedale von Crankbrothers wie Candy oder Mallet, die durch eine den Eggbeater umgebene Plattform den Fuß durch eine größere Kontaktfläche unterstützen, können hier den Komfort erhöhe.

Resümee
Ich werde diese Pedale definitiv weiterhin benutzen. Die Verwendung von Cyclocrossschuhen mit steifer, fürs Radfahren optimierter und fürs zu Fuß gehen brauchbarer Sohle, sagt mir absolut zu. Optimal auf langen Touren, praktisch in schwierigem Gelände und brauchbar im Camp. Dazu benötige ich Klickpedale mit kleinen Platten wie eben diese. Der zusätzliche Halt und die definierte Fußposition verleihen mir persönlich mehr Sicherheit und Kraft. Das einfache Einklicken, die stets gewährleistete Funktion, das Ziehen beim Springen, bei Anstiegen oder Gegenwind sind zudem willkommende Extras, die den Fahrspaß deutlich erhöhen. Die etwas bewegliche Fußposition erscheint mir zudem sehr angenehm, auch wenn ich keine Erfahrungen mit Pedalen ohne float habe. Ich kann gerade Leuten die sportlich unterwegs sind das Ausprobieren von Clipless empfehlen, wer sich das jedoch nicht traut, soll wissen, dass er auch nicht viel verpasst.