Mittelgroße Satteltasche mit bombastischem Sitz
VORTEILE
- Stabile Form und guter Sitz
- Geräumig und variabel im Stauraum
- Schnurnetz auf der Oberseite
- BOA-Verschluss gibt guten Halt
- Recht leicht
NACHTEILE
- Expanderbänder mit Clipverschlüssel teils recht lang, müssen dadurch teilweise komplett angezogen werden
BEWERTUNG
Als Outside-Stories Produktscout bekam ich den Evoc Seat Pack BOA WP 6 zum Testen zur Verfügung gestellt. Testen konnte ich die Tasche sowohl an meinem Fully, als auch an meinem Gravel-Bike. Entgegen der wahrscheinlich meisten Vermutungen habe ich den Seat Pack aber hauptsächlich fürs Fully ausgewählt.
Hauptsächlich dafür ausschlaggebend war ein Instagram-Foto von @stoehrkatrin, welches auf der Produktwebsite der Tasche zu finden ist. Dort hat sie genau diese Tasche an ihrem Pivot Enduro Bike montiert. Das fixte mich sofort an, denn eine gute Möglichkeit, um Gepäck am Fully zu montieren, suchte ich noch.

Zuerst aber einmal zu den Fakten. Die Tasche hat, wie der Name bereits vermuten lässt, sechs Liter Packvolumen. Dieses ist über eine ca. 30 Zentimeter breite Öffnung erreichbar. Beim Verschluss der Öffnung handelt es sich um eine rollbare Ausführung, wie bei Seesäcken oder Toproll-Rucksäcken. Verschlossen hat die Tasche eine Innenlänge von ca. 33 Zentimeter und eine Breite von 7,5 Zentimeter vorne bis zu 17 Zentimeter hinten. Dabei ist der vordere Teil bis zur Hälfte komplett und nach hinten weiter auf der Unterseite stark versteift, sodass die Tasche sehr formstabil ist, nach hinten oben aber etwas Flexibilität in der Form zulässt.

Auf der Oberseite befindet sich ein praktisches Schnurnetz, welches sich mittels Stopper weiten und enger stellen lässt. Darunter findet bspw. eine leichte Windjacke Platz, für eine Regenjacke wird der Platz schon fast zu eng.

Wie das Kürzel „WP“ in der Bezeichnung bereits vermuten lässt, ist die Tasche „Weatherproof“. Das heißt, sie soll laut Evoc wasserdicht, robust und schmutzabweisend sein. Das Material fühlt sich bereits sehr gut und fest an. Abrieb konnte ich in meiner Testphase keinen feststellen, ich denke, das muss man aber auch über noch längere Zeit beobachten.
Krasser Schmutz hielt sich im Test in Grenzen, aber durch eine recht glatte Oberfläche lässt sich die Tasche sehr leicht abwischen. Wassereintritt konnte ich keinen feststellen, die Tasche tut also, was sie soll. Voraussetzung dafür ist natürlich, dass man sie am Verschluss mindestens zwei Umdrehungen zudreht, bei weniger hätte ich Angst, dass sich ein Spalt aufdrückt und Wasser hineinlässt.

Klares Highlight ist der ebenfalls in der Produktbezeichnung enthaltene BOA-Verschluss. Dieses System garantiert, dass die Tasche bombenfest angezogen werden kann und somit sicher hält. Das alles passiert in einem kleinen Handgriff und lässt sich kinderleicht wieder lösen. Wichtig, damit das funktioniert ist ein stabiler Kunststoffblock mit Gummieinlage, gegen den das Band des BOA Verschlusses angezogen wird.
Die obere Befestigung geschieht dann recht gewöhnlich durch die Streben des Sattels. Aufgrund von komfortablen, normalen Clip-Verschlüssen sollte der Abstand zwischen Streben und Sattel nicht zu eng sein, ansonsten wird es fummelig bis nicht möglich, die Tasche zu befestigen.


Nun aber zum Praxistest und somit zu meinem ersten Testkandidaten, dem Fully. Mein Santa Cruz Hightower LT ist ähnlich ausgestattet, wie das Bike von Katrin Stöhr und auch die Geometrie ähnelt dem Pivot (natürlich nicht 100%ig, aber in den entscheidenden Richtungen). Die Tasche lässt sich zuerst einmal super montieren und im ausgefahrenen Zustand der (natürlich vorher geputzten) Sattelstütze scheint genügend Puffer zwischen Seat Pack und Reifen zu sein.
Recht schnell wird aber klar, dass ein runterfahren des Sattels keine gute Idee ist, was vermutlich bei Katrin Stöhr ebenfalls der Fall war. Leider musste ich feststellen, dass aber auch bei ausgefahrenem Sattel mit meinem flowigen Fahrwerkssetup der Reifen sehr nah an die Tasche kommt. Daher ist etwas mehr Druck im Dämpfer notwendig, um Reifenkontakt ausschließen zu können. Bei längeren Touren, die nicht zu technisch sind, wäre das eine Option.
Für technischere Touren in den Bergen wäre es für mich keine Lösung, alleine durch den quasi Wegfall der absenkbaren Sattelstütze. Dieser Punkt variiert natürlich von Bike zu Bike, aber ich denke in den allermeisten Fällen bei Allmountain bis Enduro Bikes wird dieses Problem auftreten. Ausschlaggebend ist zudem bei jedem Bike der Sitzrohrwinkel. Dieser ist bei meinem Endurobike recht flach, das Gravelbike ist etwas steiler. Je steiler der Winkel ist, also quasi desto aufrechter die Sattelstütze steht, umso steiler steht die Tasche auch im Winkel nach oben.

Am Gravelbike besteht natürlich in diese Richtung absolut kein Problem und keine Bedenken. In meinem Fall ist der Seat Pack eine kompakte Erweiterung des Stauraums für kleinen Gepäckbedarf. Ansonsten ist mein Bike mit einem Gepäckträger ausgestattet, der für größere Gepäckmengen oder den täglichen Pendelverkehr besser geeignet ist. Muss auf einer sportlicheren Runde nur mal eine Jacke und Hose mit, ist der Seat Pack mein Mittel der Wahl.


Neben dem Seat Pack BOA WP 6 gibt es weiteres optisch aufeinander abgestimmtes und funktional ähnliches Taschen-Zubehör aus dem Hause Evoc. In dieser Linie gibt es neben der getesteten Farbe „Carbon Grey“ auch die etwas hellere Farbe „Steel“ mit gelb abgesetztem Reißverschluss. In meinen weiteren Tests sind auch die Modelle Multipack WP M und Top Tube Pack WP zu finden.
Fazit:
Der Seat Pack BOA WP 6 ist qualitativ ganz weit vorne und super durchdacht. Er sitzt bombenfest und ist sehr praktisch konzipiert. Die 6 Liter Variante ist wohl eher ein Nischenmodell, denn für die große Tour darf's gerne größer sein. Ich könnte mir den Seat Pack auch sehr gut an einem Hardtail vorstellen, das fehlt jedoch gerade noch in meiner Garage. ;)