Carbonpaste - funktional und nachhaltig gedacht
VORTEILE
- nachhaltig --> Rohstoffe und Verpackung
- biologisch abbaubar
- Made in Germany --> Transportwege!
- feinkörnige "Reibmittel"
- geruchsneutral
- vielseitg verwendbar
NACHTEILE
- wäscht sich aus
- Dose "sifft" bei Wärme
- teuerer Zubehörpinsel
BEWERTUNG

Testszenario und Ergebnis
Ich habe die Carbonpaste an meinem Race-Hardtail (ausschließlich Carbonverbindungen) und an meinem Enduro/Trailbike (überwiegend Alu-Alu und Carbon-Aluverbindungen) getestet. Weil der Sommer in diesem Jahr auch viel Matschwetter mit sich gebracht hatte, konnte auch ein guter "Haltbarkeitstest" gemacht werden. Wenn das Rad nie geputzt wird, dann sollte das Produkt ja theoretisch für immer halten. Aber eins nach dem anderen.
Ich habe das Produkt an sämtlichen Klemmverbindungen am Lenker und im Bereich der Sattelstütze verwendet. Dazu gehörten auch die ESI-Griffe (Schaumstoff auf blankes Carbon), die geschraubten Ergongriffe (Gummi auf Alu), Lenkerschellen (Alu & Carbon), Vorbau (Alu & Carbon), Steuerrohr (Alu), Sattelklemme (Alu & Stahl), Sattelrohr (Alu & Carbon).

Die Erkenntnis aus meinem Test ist, dass vor allem die Griffe und die Lenkerschellen mit deutlich weniger Klemmkraft in Position bleiben. Beim Sattel kann ich das nicht objektiv beurteilen, da ich dort schon immer mit dem angegebenen Anzugsmoment arbeite und noch nie Probleme hatte. Ich bemerkte weder knarzen noch verrutschen, also alles so wie es sein muss.


Nach längerer Zeit (mehrfacher Reinigung) konnte allerdings im Lenkerbereich bemerken, dass die Paste sich etwas schneller auswaschen lässt als meine anderen Produkte, die ich bisher benutzt hatte. Das ist aber kein großer Nachteil. Ob ich nun 1 oder 2 mal mehr im Jahr neue Paste auf die Verbindungen auftrage ist absolut unerheblich. Vor dem Rennen oder vor großen Tourenblöcken wird ohnehin Wartung fällig. So weiß ich wenigstens, dass das was sich über die Zeit ausgewaschen hat, für die Umwelt unbedenklich war/ist.
Produkt und Anwendungsbereiche
Das Produkt ist eine Paste zur Erhöhung von Reibung zwischen verschiedenen Teilen am Rad und wo auch immer. Entgegen der landläufigen Meinung ist es weder als Schmiermittel geeignet, noch auf die ausschließliche Verwendung in Verbindung mit Carbonbauteilen beschränkt. Die Paste verhindert generell, dass verschiedene Komponenten durch Korrosion auf ewig zusammen "rosten" und fördert trotzdem deren gegenseitige Reibungskraft gegeneinander. Anzugsmomente von Schrauben und Klemmverbindungen können bei Verwendung gegebenenfalls reduziert werden. Knarzen und "trockene" Verbindungen gehören damit der Vergangenheit an.


Kurz zusammengefasst verwendet man diese Paste überall dort, wo sich nichts bewegen soll. Optimal ist es dann noch, wenn anschließend möglichst geringe Anpresskräfte zwischen den Teilen aufgewendet werden müssen.
Also JA zwischen ...
+ Sattelstütze und Rahmenrohr
+ Vorbauklemmung und Lenker
+ Vorbauklemmung und Steuerrohr
+ (geschraubten) Griffen und Lenker
+ Sattelstreben und Sattelstützenklemme
+ ...
und auf KEINEN Fall
- an beweglichen Teilen
- auf Lagern und Lagersitzen/-schalen
- auf Gewinden
- im Bereich des Tretlagers
- an Pedalen
- an Achsen, Bolzen o.ä.
Funktionsprinzip
Die Carbonpaste ist eine Art Emulsion aus einer gelartigen und klebrigen Flüssigkeit mit kleinen Mikrokristallen (kleine Körnchen). Durch die Verwendung als dünne Schicht zwischen den Bauteilen verhaken sich die "Körnchen" in Unebenheiten der beiden "Verbundpartner" und erhöhen die Reibung. Das Gel legt sich über den Rest der Fläche und vermeidet, dass die beiden Materialien gegeneinander scheuern und so Abnutzung oder Knarzen hervorgerufen wird. Ebenso wird durch die möglichst flächige Verbindung der Eintrag von Schmutz und Wasser in die Verbindung vermieden und Korrosion verhindert.


Insgesamt also keine Raketenwissenschaft und doch so nützlich.
Anwendung / Verwendung
Die Anwendung ist bei passendem Verwendungszweck im Grunde genommen selbsterklärend. Nachfolgend stichpunktartig die "wichtigsten" Punkte.
- vor Verwendung alle Teile gründlich reinigen und entfetten
- nur dünn auftragen
- Anzugsmomente beachten
- nicht auf beweglichen Teilen verwenden
- nach der Verbindung für gewisse Zeit "sitzen" lassen, um festen Halt zu gewährleisten (Trocknungseffekt)
- Festigkeit vor der Fahrt prüfen
- regelmäßig auffrischen
Besonderheiten
- frei von Lösungsmitteln
- greift Materialien (Dichtungen, Kunststoffe, Metalle) nicht an
- ökologisch und biologisch vorbildlich
- Mikrokristalle sind wirklich klein
Nachteile
Der einzige Nachteil war, dass die Paste mit steigender Temperatur flüssiger wird und die Dose in meiner Reisetasche "auf dem Kopf" lag. Weil sie nicht 100% dicht ist, konnte sich so ein bisschen der Flüssigkeit in meiner Tasche verteilen. Sieht schön aus auf der Jeans... nicht!
Als Cross-Selling-Produkt wird ein "Radpinsel" mitverkauft. Diesen Pinsel für 2,40 Euro braucht kein Mensch. Man kann sich entweder einen 12er-Pinsel im Schreibwarenladen kaufen (wenige Cent) oder man nimmt einfach den Finger. Mit dem Finger spüre ich ohnehin viel besser, wie dick die Schicht nun ist.
Off-Topik - Hersteller und Namensgebung
Der Hersteller ist ein kleines Startup, welches aus den Reihen eines Duisburger Schmier- und Pflegemittelherstellers gegründet wurde. Der Name soll Schutz vor Korrosion, Staub und Schmutz bedeuten. Das wohl wichtigste am Ganzen ist, dass die Produkte der marke zu 100% biologisch abbaubar sind und laut Hersteller bis zu 90% aus nachwachsenden Rohstoffen gewonnen werden. Das bestätigt wohl den aktuellen Trend der Bikebranche hin zu einer möglichst grünen Industrie.
Fazit
Ich kann die Carbonpaste bedenkenlos weiterempfehlen und vergebe volle 5 Sterne. Der Preis von knapp 15 Euro für 80Gramm Paste sind gerechtfertigt und keineswegs teuer. Das Produkt macht was es soll und ist unbedenklich in der Herstellung und Verwendung. Was will man von einer Carbonpaste sonst noch erwarten? Zum Mond fliegen kann sie Kraft ihrer Bestimmung eben nicht aus eigener Kraft.







