Hochwertig, aber arg eingeschränkter Einsatzbereich.
VORTEILE
- Material, um Brüche zu schienen, vorhanden
- Hochwertiges Material
- Gute Organisation
- Handschuh kompatibel
- Kleine Innenfächer
NACHTEILE
- Großes Packmaß
- Hohes Gewicht
- Nicht wasserdicht
BEWERTUNG
Pieps First Aid Pro
Ein Erste-Hilfe-Set ist auf Touren einfach unabdingbar. Dies gilt nicht nur für eine mehrwöchige Weitwanderung, sondern eben auch für die kleine Nachmittagsrundfahrt. Tatsächlich hatte ich mir bislang ein eigenes Set zusammengestellt, denn manchmal ist es doch recht individuell, was man auf Touren so benötigt.
Vor allem gehören Heftpflaster, eine leichte Minischere, Verbandszeug (steril) und eben auch eine leichte Zeckenzange dazu. Umso gespannter war ich nun darauf, was das Pieps First Aid Pro so zu bieten hat. Neben dem Inhalt ist natürlich auch Gewicht und Größe wichtig. In dem Test werde ich euch von meinen Erfahrungen berichten:


Vorkommen und Einsatzbereich.
Das PIEPS First Aid Pro (bzw. in der unbefüllten Variante auch als First Aid Splint erhältlich) ist ein speziell für den Bergsport und Outdoor-Einsatz konzipiertes Erste-Hilfe-Set und ist sicherlich auf Notfälle am Berg spezalisiert.
- Gewicht: ca. 450 g
- Abmessungen: ca. 26 x 18 x 7,5 cm
- Material: strapazierfähiges RipStop-Nylon


Inhalt: Was ist nun alles in dem Set inkludiert? Hier haben wir Folgendes zu benennen:
1 x Haft-Verband, 2 x Pflaster, 3 x Cut-Stripes, 1 x Tape, 2 x Wundauflage, 2 x Blasenpflaster, 1 x 3-Ecktuch, 1 x Verbandsschere, 1 x Rettungsdecke, 1 x Schutzhandschuhe, 1 x Sanitätspinzette,1 x Beatmungstuch, 1 x Splint
Wenn wir uns dies anschauen, überrascht der Inhalt schon ein wenig bzw. zeigt die Richtung der Versorgung von Notfällen klar auf. Pflaster sind nur wenige vorhanden. Dafür wartet es aber mit einem Splint auf. Wer dies nicht kennt ( so wie cich), findet heraus, dass ein Splint eine integrierte Alu-Synthetikschiene ist.

Dies ist ein absolutes Alleinstellungsmerkmal. Denn eine verformbare Polsterschiene ermöglicht es, gebrochene oder verstauchte Gliedmaßen (Handgelenke, Unterarme, Sprunggelenke) direkt vor Ort zu schienen und zu stabilisieren. In abgelegenen alpinen Regionen ist dies absolut ein enormer Sicherheitsgewinn.
Blasenpflaster und ein Beatmungstuch sind natürlich auch nicht zu vernachlässigen, auch wenn sie in zwei gänzlich unterschiedlichen Gefahrenbereichen spielen. Wenn ich jetzt nach meinen persönlichen Einsatzbereichen gehe, vermisse ich aber schon ein wenig mehr Pflaster. Diese lassen sich aber auch einfach selbst aufstocken.

Letztlich kann man den Inhalt in folgende Kategorien sortieren:
Wundversorgung: Haftverband, Wundauflagen, Pflaster, Cut-Stripes (Wundnahtstreifen) und Tape und Blasenpflaster

Alpine Notfälle: Rettungsdecke, Dreieckstuch, Splint

Sicherheit & Hygiene: Schutzhandschuhe, Beatmungstuch für die Mund-zu-Mund-Beatmung, robuste Verbandsschere und Sanitätspinzette.

Organisation: Ebenso überzeugt die Tasche durch ihre durchdachte Innenaufteilung. Die Aufteilung in zwei übersichtliche Hauptfächer und zusätzliche kleine Netztaschen verhindert langes Suchen im Notfall. Ein interner Fixierungsstecker („Splint-Halterung“) sorgt dafür, dass die Tasche im aufgeklappten Zustand übersichtlich offen bleibt und nicht im Schnee/Matsch zusammenklappt.
Handhabung:
Großzügig dimensionierte Handgriffe und griffige Reißverschluss-Zipp-Schlaufen sorgen dafür, dass die Tasche selbst mit dicken Skihandschuhen oder mit klammen, nassen Fingern problemlos geöffnet und fixiert werden kann. Man zieht einfach am “Träger” und schon ist die Tasche direkt offen. Dabei fällt einem nichts entgegen, was schon richtig nervig sein kann. Ebenso muss man hinsichtlich der guten Aufteilung nicht lange suchen, um das Gewünschte zu finden.

Material:
Das gepolsterte RipStop-Nylon schützt den Inhalt zuverlässig vor Stößen und Abrieb im Rucksack.
In der Praxis zeigte sich aber durchaus auch der ein oder andere Nachteil des Sets. So muss man einfach festhalten, dass das Set ein relativ großes Packmaß und Gewicht hat. Denn durch die Aufnahme der gefalteten Alu-Schiene fällt die Tasche mit 26 x 18 x 7,5 cm spürbar größer aus als herkömmliche, minimalistische First-Aid-Kits.
Wenn man also mit ultraleichtem Gepäck unterwegs sein möchte oder nur eine kurze Tagestour plant, kann dies schon zu einem Ausschlusskriterium führen. Man sollte sich also wirklich überlegen, ob man die Splints wirklich benötigt (weiß man wahrscheinlich eh nicht vorher) oder ob man auch ohne welche auskommen kann. Tatsächlich hatte ich bislang bei meinen Touren (auch in entlegeneren Gebieten mit mehrwöchiger Abwesenheit von Zivilisation) immer das Glück gehabt, dass nichts passiert ist. Einmal musste ich nur einen Finger mit Hilfe von Ästen schienen, was besser als gedacht funktionierte.
Mit ca. 80 € gehört das PIEPS First Aid Pro zur oberen Preisklasse bei Outdoor-Erste-Hilfe-Sets. Auch wenn die enthaltene Splint-Schiene und die Verarbeitungsqualität diesen Preis teilweise rechtfertigen, ist es eine deutliche Investition, was wahrscheinlich doch einige von einem Kauf abhält.
Da der Einsatzbereich wahrscheinlich doch eher Gefilde sind, wo keine Zecken mehr auftreten oder es aber zu kalt für diese ist, wird von einer Zeckenzange abgesehen. Ich würde diese aber nachrüsten, ebenso wie Schmerzmedikamente, die PIEPS rechtlich auch gar nicht, ebenso wie Desinfektionsmittel, mit ausliefern darf.
Schade finde ich aber, dass die Tasche zwar gut gegen Spritzwasser und Schnee schützt, sie jedoch nicht vollkommen wasserdicht (kein IPX7-Rollverschluss) ist. Bei Dauerregen sollte die Tasche im Rucksack zusätzlich in einen leichten Trockenbeutel verpackt werden.
Fazit
Das PIEPS First Aid Pro ist eine Kaufempfehlung für anspruchsvolle Alpinisten, Skitourengeher, Freerider und Tourenleiter, bei denen das Risiko von Knochenbrüchen, Stürzen und Schnittverletzungen höher ist als bei einem „normalen Outdoorer“ und der nächste Rettungsdienst Zeit braucht. Die Integration der Splint-Schiene in Kombination mit der wintertauglichen Haptik hebt das Set positiv vom Markt ab.
Für Sommer-Hiker oder Trailrunner, die primär auf minimales Gewicht und geringes Packmaß achten, ist das Set definitiv etwas zu groß und schwer. Wer das Set auch im Sommer nutzen möchte, sollte eine Zeckenzange, Desinfektionsspray und persönliche Medikamente ergänzen.

