Vor allem kurze, aber gut beschriebene Winterwanderungen
VORTEILE
- GPS-Tracks zum Runterladen
- Genaue Kartenausschnitte
- Ausführliche Beschreibung mit Höhenprofil
- Übersichtsseite mit Schwierigkeiten und Zeitaufwand
- Übersichtskarte mit allen Startpunkten der Touren
NACHTEILE
- Sehr viele sehr kurze "Wanderungen", eher Spaziergänge
BEWERTUNG
Im Internet gibt es mittlerweile auch sehr viele Informationen über Touren und oft suche ich auch dort nach guten Touren, trotzdem verwende ich die "Papierführer" immer noch sehr gerne. Man bekommt schon eine sehr gute Vorauswahl und muss selbst nicht mehr so viel Recherche betreiben. Häufig kann man sich auch anhand von Übersichten und Beschreibungen, die gut recherchiert sind, eine Tour nach den persönlichen Wünschen und aktuellen Verhältnissen aussuchen.
Inhalt
Der Winterwanderführer Allgäu beinhaltet - wie der Titel schon vermuten lässt - 40 Winterwanderungen im Alpenvorland und den Allgäuer Alpen. Unterteilt sind die Touren nach Region, es sind 8 Touren aus dem Alpenvorland enthalten, 9 Touren im östlichen Alpenvorland und Tannheimer Tal, 7 Touren in den Allgäuer Hochalpen, 8 Touren im Kleinwalsertal und 8 Touren in den westlichen Voralpen.
Der Führer bietet eine übersichtliche Karte mit den Anfangspunkten der Touren eingezeichnet, eine Auswahl der Top-Touren und einige allgemeine Hinweise. Dazu gehören beispielsweise Hinweise zur Tourenplanung, den Anforderungen, der Schwierigkeitsskala, Wetter, Anreise, Erklärung der Symbole, Einkehr, Rodeln, Gehzeiten und Höhenunterschied, Karten und Orientierung. Hinweise zum Umweltfreundlichen Tourengehen in allen Bereichen findet man auch, genauso wie Sicherheitsaspekte wie Gefahren, Lawinenlage und Ausrüstung.
Übersichtsseite
Es gibt zunächst eine Übersicht, die in die Regionen unterteilt ist und alle Touren auflistet mit Schwierigkeit und Gehzeit. Zusätzlich ist markiert, ob es sich bei einer Tour um eine Top-Tour handelt. So eine Übersichtsseite finde ich zur Tourenplanung sehr praktisch, weil man sofort einen schnellen Überblick erhält und sich gleich nach den Touren umsehen kann, die für einen relevant sind.
Schade finde ich, dass nicht noch mehr Informationen in der Übersichtsseite aufgenommen sind, wie Höhenmeter, Ausrichtung oder maximale Höhe, die für mich bei der Tourenplanung immer sehr wichtig sind. Neben der textuellen Übersicht gibt es dann auch noch eine Karte mit allen Anfangspunkten, die ist auch auf der Umschlagrückseite zu finden, so ist die Orientierung, wo sich welche Tour befindet, sehr einfach. Man kann sich so auch gleich nur die Touren, die zur entsprechenden Anfahrtszeit passen, anschauen. Positiv finde ich auch, dass bei den Fotos auf den allgemeinen Seiten immer dabei steht, auf welcher Tour sie aufgenommen wurden.
Tourenbeschreibung
Die Informationen, die ich in der Übersicht vermisst habe, sind aber auf jeden Fall in der Tourenbeschreibung enthalten. In der Titelzeile sieht man gleich an Symbolen, ob die Tour gut mit öffentlichen Verkehrsmitteln erreichbar ist, ob sie familiengeeignet ist, es Einkehrmöglichkeiten gibt und ob man rodeln kann.
Außerdem werden die Höhenmeter hoch sowie runter und die horizontale Strecke angegeben. Zu Beginn jeder Tourenbeschreibung wird die Tour mit einer kurzen Überschrift vorgestellt. Es folgt dann ein kurzer Abschnitt, der die Tour etwas genauer beschreibt. Enthalten sind hier beispielsweise Hinweise zur Landschaft, den Orten in der Umgebung usw. wie in allen Rother Führern üblich. Es wird auch auf sensible Landschaftsgebiete hingewiesen, die zu schützen sind.
Im nächsten Abschnitt findet man Informationen zu
- Ausgangspunkt
- Endpunkt
- ÖPNV
- Anforderungen
- Hangrichtung
- Lawinengefahr
- Orientierung
- Karte
- Einkehr
- Rodeln
Damit lässt sich schon sehr schnell abschätzen, ob die Tour in Frage kommt, wenn man gerade am planen ist. Kurz und kompakt gehalten. Eine ausführliche Beschreibung der Tour folgt danach noch im Fließtext.
Bei jeder Tour findet sich außerdem eine abgedruckte Karte, in der die Tour eingezeichnet ist. Das finde ich zur Orientierung und Einschätzung der Tour sehr hilfreich. Wegpunkte, die sich auch im Höhenprofil wieder finden, sind in der Karte mit eingezeichnet, was die Orientierung erleichtert.
Sie werden auch im Fließtext mit Nummer erwähnt. Im Vergleich zu anderen Führern sind es gefühlt mehr Wegpunkte, das erleichtert die Orientierung noch mehr. Das Höhenprofil gibt nicht nur die Höhe, sondern auch die Wegstrecke mit ungefähren Gehzeiten mit an, womit man einen fundierten Eindruck von der Tour erhält. Meistens sind auch noch ein paar Fotos von der Tour mit dabei.
Leider sind die ausgewählten Touren alle leicht oder mittel, und von der Dauer her insgesamt sehr kurz. Über 4h Gehzeit haben nur 3 Touren aus dem Führer, und 13 Touren sogar unter 2h. Da ich doch eine gewisse Anfahrt habe, fahre ich nur dann, wenn es sich auch zeitlich lohnt. 26 der Touren haben weniger als 250 hm und nur zwei Touren mehr als 500 hm. Ich selbst bin gerne dann einen ganzen Tag unterwegs und laufe auch lieber auf Berge hoch als in der Ebene im Tal zu spazieren, wenn ich schon die Anfahrt habe.
Deswegen ist der Führer für mich selbst nicht so gut geeignet, da die Tourenauswahl mir selbst nicht so zusagt. Es ist eher ein "Winterspazieren" als "Winterwandern", wobei im Winter natürlich auch alles etwas schwerer und anstrengender ist, und man nicht überall als Fußgänger laufen kann. Eine etwas größere Auswahl an Tagestouren mit etwas mehr Höhenmetern hätte ich mir jedoch trotzdem gewünscht.
GPS-Tracks
Über einen Code im Führer kann man sich die GPS-Tracks für alle Touren aus dem Führer herunterladen, das finde ich sehr cool. Gerade, weil man so auch die Startpunkte der Tracks verwenden kann, um gleich den Startpunkt ins Navi zu übertragen. Und unterwegs kann man sich sehr gut damit orientieren und bei den ganzen Touren, die ich gemacht habe, gab es auch keinen Fehler in den Tracks. Die Beschreibung zu lesen schadet aber natürlich trotzdem nie.
Um an die Tracks zu kommen, muss man auf die Internetseite des Verlags gehen, im Menü findet sich gleich ein Link zum Portal. Dort wählt man dann die Auflage des Führers aus und sucht sich aus der Liste den richtigen Führer aus. Nachdem die Liste sehr lang ist, kann man auch die Suche benutzen, die wirklich ziemlich schnell ist. Dann erhält man eine Seite, die die gpx-Dateien für jede einzelne Tour oder auch alle zusammen in einer zip-Datei zum Download anbietet.
Ich finde die Seite etwas unübersichtlich. Wenn man die zip-Datei möchte, muss man das Passwort in das "Bitte zum Download richtiges Passwort eingeben"-Feld eintragen und auf Download klicken (hier stand zwar nirgendwo was von der zip-Datei, aber man bekommt sie dann). Wenn man nur eine einzelne Datei möchte, gibt man das Passwort unter einem Dateisymbol ein. Das finde ich sehr unintuitiv, hier könnte man definitiv noch etwas verbessern. Neben den ganzen gpx-Tracks erhält man außerdem noch eine pdf-Datei, in der die genauen GPS-Koordinaten der Ausgangspunkte der Touren enthalten sind.
In der zip-Datei bekommt man noch ein Hinweisblatt mitgeliefert, das einerseits die Haftung ausschließt, das aber auch kostenlose Programme zum Öffnen vorschlägt. Die Dateien sind auf jeden Fall so benannt, dass man die Richtige leicht findet. Die Dateien haben alle ein Präfix für den Wanderführer (WAL - Winterwandern Allgäu). Das finde ich, könnte man noch weglassen, da auf dem Handy immer nur der Anfang und das Ende von langen Dateinamen angezeigt werden, und so viel Platz für das immer gleiche Präfix verschwendet wird, wenn man eine bestimmte Tour sucht.
Ich habe die Alpenvereinsapp und OsmAnd ausprobiert, um den GPX-Track anzuzeigen. Das Höhenprofil und auch die Angaben zu Auf- und Abstieg sowie die horizontale Distanz und die höchsten und tiefsten Punkte stimmen überein mit den Angaben im Führer. Nur die Gehzeit variiert stark, was aber vermutlich daran liegt, dass man im Winter meistens länger braucht - und das hat auch mit der Dauer meiner Testtour übereingestimmt. Im Winter ist die Gehzeit noch unterschiedlicher, auch je nach Schneelage. Definitiv ist es sehr praktisch, den GPS-Track zu haben, um sich zu orientieren!
Unternehmen
Den Bergverlag Rother gibt es bereits seit 1920 und ist damit einer der ältesten alpinen Verlage. Somit feiert Rother dieses Jahr sein 100-jähriges Jubiläum, ich habe mit meinem Führer eine Zeitschrift zum Jubiläum dazu erhalten mit einigen interessanten Artikeln. Rother gibt hauptsächlich Wanderführer und andere Bergliteratur heraus, und zwar nicht nur für die Alpen, sondern auch für viele Urlaubsorte. Markenzeichen ist das relativ kleine Format, das in die Hosentasche passen soll. Rother hat seinen Sitz in Oberhaching bei München.
