Mitte 2026 startet eine neue Wanderroute zur Alpenüberquerung. Sie verläuft in sechs Etappen über sieben Tage durch die vier Länder Deutschland, Österreich, Schweiz und Italien sowie entlang einiger Wasserscheiden. Die Route beginnt in Riezlern im Kleinwalsertal und endet in Taufers im Münstertal.
Die Alpenüberquerung wird als organisierte Tour angeboten, lässt sich grundsätzlich aber auch auf eigene Faust bewältigen. Das Besondere: Die Tour ist konzipiert für Fernwanderer mit normaler, durchschnittlicher Kondition. Sie führt auf gut begehbaren, leichten bis mittelschweren Bergwegen und verzichtet bewusst auf alpine Schlüsselstellen, die spezielle Bergerfahrung erfordern. So wird das Wandern über die Alpen auch für Einsteiger und Genusswanderer zum sicheren Abenteuer.
OUTSIDEstories hatte die Gelegenheit, die Route im Rahmen einer Pilottour vorab kennenzulernen.
Alpenüberquerung Etappe 1: Riezlern (A) - Südlichster Punkt Deutschlands (D) - Lech am Arlberg (A)
Zugegeben: So hatte ich mir meine Alpenüberquerung nicht vorgestellt. Als ich abends im malerischen Kleinwalsertal in Riezlern ankomme, hängen die Wolken tief über dem Tal. Grau in Grau liegt die Landschaft vor mir, feiner Nieselregen benetzt die Luft. Die Wetter-Apps sind sich einig: Die nächsten Tage versprechen Kälte und Nässe. Dabei hatte ich auf goldenes Herbstwetter in den Alpen gehofft – mit klarer Sicht, Sonnenschein und buntem Laub.

Doch in unserer kleinen Gruppe von Alpenüberquerern denkt niemand ans Aufgeben. Unser Bergwanderführer Georg Pawlata hat eine neue Route geplant – eine einzigartige Alpenüberquerung von Österreich nach Italien, die so noch niemand gegangen ist. Von Riezlern im Kleinwalsertal bis ins italienische Taufers. Der Gedanke an dieses Abenteuer lässt uns den Regen vergessen.
Start im Kleinwalsertal: Durch das Gemsteltal Richtung Süden
Wir starten in Hirschegg, dem vorletzten Ort im Kleinwalsertal. Anfangs geht es noch gemütlich im Spaziergangsmodus durch das idyllische Gemsteltal. Nach etwa 50 Minuten wird der Weg steiler, eine kleine Kletterpassage bringt uns auf einen schmalen Bergpfad. Der süß-herbe Duft von nassen Latschen liegt in der Luft, während der Gemstelbach tosend durch die Klamm rauscht. Die Wolken hängen tief – fast so, als wären sie Teil des Tals.

Obere Gemstelhütte: Ein Stück Geschichte auf 1.700 Metern
Plötzlich taucht sie aus dem Nebel auf: die Obere Gemstelhütte auf knapp 1.700 Metern. Ein Ort mit Geschichte – erstmals erwähnt im Jahr 1676, manche Quellen sprechen sogar von 1460. Schon die Walser nutzten diesen Übergang über die Alpen.
Heute führt uns Paula, die junge Hüttenwirtin, mit entspannter Herzlichkeit durch ihre kleine Welt. Sie studiert eigentlich Architektur, verbringt aber den Sommer hier oben. Ihr selbstgemachter Apfelstrudel ist legendär – und gibt uns neue Energie.

Grenzerfahrung: Vom Kleinwalsertal zum südlichsten Punkt Deutschlands
Gestärkt geht es weiter – über die österreichische Grenze zurück nach Deutschland. Unser Ziel: das Haldenwanger Eck, der südlichste Punkt Deutschlands auf 1.883 Metern. Am Grenzstein 147, wo Bayern, Tirol und Vorarlberg aufeinandertreffen, machen wir natürlich das obligatorische Gruppenfoto. Ein magischer Ort, der die Grenzen verschwimmen lässt.

Doch lange bleiben wir nicht. Kurz unterhalb des Gehrner Bergs überqueren wir erneut die Grenze – zurück nach Österreich. Eine verlassene Grenzhütte, kaum größer als ein Dixi-Klo, erinnert an vergangene Zeiten. Heute ist sie leer, und wir steigen zügig ab nach Lech am Arlberg – unser erstes Etappenziel.
Die OUTSIDEstories-Ausrüstungs-Experten empfehlen dir folgende Ausrüstung für die Alpenüberquerung:
Wanderschuhe
- Eingelaufene, wasserdichte Wanderschuhe (Kategorie B oder B/C)
- Siehe dazu unseren Ratgeber Wanderschuhe.
Tagesrucksack/Daypack
- Zirka 20 bis 30 Liter Inhalt
- Leicht, mit gutem Tragesystem und Regenhülle
- Trinksystem oder Flaschenhalterung
- Unser Ratgeber Daypacks verrät alles Wichtige dazu.
Bekleidung (im Zwiebelprinzip)
Erste Schicht: Basisschicht/Unterwäsche
- Funktionsshirt (Merino oder Synthetik)
- Unterwäsche (atmungsaktiv, schnelltrocknend)
- Unbedingt: Wechselbekleidung
- Lies dazu unseren Ratgeber Baselayer.
Zweite Schicht: Isolationsschicht (Midlayer/Fleece):
- Fleecejacke oder dünne Daunenjacke
- ggf. leichte Softshelljacke
- Siehe dazu unseren Ratgeber Midlayer/Fleece.
Dritte Schicht Wetterschutz (Hardshell)
- Wasserdichte Hardshelljacke (mit Kapuze)
- Regenhose (leicht & klein verpackbar)
- Siehe dazu unseren Ratgeber Hardshelljacken.
Hosen und Socken:
- Wanderhose (ggf. Zip-Off)
- Überzieh-Regenhosen)
- Wandersocken (2 Paar, z. B. Merino)
- Lies dazu unseren Ratgeber Wandersocken.
Ausrüstung und Zubehör
- Wanderstöcke (entlasten Knie & geben Halt)
- Erste-Hilfe-Set (inkl. Blasenpflaster) - siehe dazu unsere Tests Blasenpflaster
- Sonnenbrille (UV-Schutz!)
- Sonnencreme & Lippenpflege (LSF 30+)
- Erste-Hilfe-Set (inkl. Blasenpflaster)
- Taschenmesser oder Multitool
- Feuerzeug oder Streichhölzer (wasserdicht verpackt)
- Müllbeutel (für eigenen Müll oder Notfallponcho)
- Eventuell Powerbank fürs Smartphone
- Wanderkarte oder GPS-App (z. B. Komoot, Outdooractive)
- Notfallnummern & Ausweisdokumente
- Kamera oder Smartphone mit guter Fotoqualität
- Bargeld oder EC-Karte (Kartenzahlung nicht über möglich)
Verpflegung und Wasser
- Mindestens 1,5 Liter Wasser (Trinkblase oder Flaschen)
- Energiereiche Snacks (Nüsse, Riegel, Trockenfrüchte)
- Brotzeit für unterwegs (je nach Etappenlänge)
► Entdecke alle Wander-Ausrüstungsthemen und Unterwegstipps auf OUTSIDEstories
Alpenüberquerung Etappe 5: Guarda (CH) - Scuol (CH)
Der Wiedereinstieg in unsere fünfte Etappe der Alpenüberquerung beginnt in Guarda – und besser hätte unser Guide Georg Pawlata den Startpunkt nicht wählen können. Denn bei dem anhaltend schlechten Wetter wären die hochalpinen Passagen der letzten Tage ohnehin kaum begehbar gewesen. Unsere Zeit ist begrenzt, also konzentrieren wir uns auf drei intensive Etappen – und diese hier hat es in sich, auch wenn sie auf dem Papier als „leicht“ gilt.
Guarda – ein Dorf wie aus dem Bilderbuch
Als ich durch die Gassen von Guarda im Unterengadin spaziere, fühle ich mich wie in eine andere Zeit versetzt. Die Engadinerhäuser mit ihren kunstvoll verzierten Sgraffiti erzählen Geschichten aus dem 17. Jahrhundert. Kaum ein Ort im Unterengadin ist so liebevoll restauriert wie dieses Dorf auf der Sonnenterrasse hoch über dem Inntal. Die Kameras klicken unaufhörlich – zurecht. Diese friedliche Idylle ist ein echtes Highlight auf unserer Alpenüberquerung.

Dabei war es in Guarda nicht immer so friedlich: Als „Wächterdorf“ an der historischen Handelsroute vom Comer See nach Innsbruck wurde es mehrfach geplündert und niedergebrannt. Heute erinnert daran nur noch die Geschichte – und die Ruhe des Ortes wirkt umso kostbarer.
Von Guarda nach Ftan: Die Plauderetappe mit Aussicht
Gerade als wir uns in der Sonne wärmen, ruft sie uns weiter – die nächste Etappe wartet. Der Weg nach Ftan verläuft auf etwa 1.700 Höhenmetern, hoch über dem Inn, der sich tief unten durch das Tal schlängelt.

Technisch ist die Strecke einfach, aber landschaftlich ein Genuss. Wir wandern nebeneinander, plaudern, lachen, lassen die Gedanken schweifen. Es ist eine dieser Etappen, bei denen der Weg selbst das Ziel ist.
Ein kleiner Abstecher führt uns zum Lai da Padnal, einem idyllischen Bergsee mit kristallklarem Wasser – perfekt für eine kurze Pause oder sogar ein erfrischendes Bad, wenn man mutig genug ist.

Ankunft in Scuol: Wellness und Wein im Hotel Belvédère
Nach einem sanften Abstieg erreichen wir Ftan und setzen unseren Weg fort bis nach Scuol, dem heutigen Etappenziel. Die Vorfreude ist groß, denn unsere Unterkunft ist das traditionsreiche Hotel Belvédère Scuol – ein echtes Juwel im Engadin. Bereits 1876 als Grand Hotel erbaut, verbindet es heute historischen Charme mit modernem Komfort.
Direkt nebenan liegt das Bogn Engiadina Scuol, ein großzügiges Wellness- und Spa-Zentrum, das nach einem langen Wandertag wie gerufen kommt. Und wer lieber mit einem Glas Wein entspannt, wird in der hauseigenen Vinothek fündig – laut Hotel die größte im ganzen Engadin.


Alpenüberquerung Etappe 6: Scuol (CH) - Taufers im Münstertal (I)
Der Blick aus dem Fenster am Morgen hätte eigentlich Sonne und klare Sicht auf die Berge zeigen sollen. Stattdessen: tief hängende Wolken und weiße Kappen auf den Gipfeln. Über Nacht hat es geschneit. Doch unser Guide Georg Pawlata beruhigt uns – auf unserer letzten Etappe der Alpenüberquerung bleiben wir unterhalb der Schneefallgrenze. Kein Grund zur Sorge.
Start in S-charl: Abenteuer am Ende der Welt
Wir starten in S-charl, einem abgelegenen Bergdorf im Unterengadin, das nur über eine schmale Schotterstraße erreichbar ist. Schon die Anfahrt fühlt sich an wie ein kleines Abenteuer. Auf 1.800 Metern Höhe liegt die winzige Siedlung mit ihren 13 Häusern eingebettet in eine stille, alpine Landschaft – ein perfekter Ausgangspunkt für unsere finale Etappe.

Durch das Hochtal der Clemgia: Zirben, Regen und Stille
Kaum sind wir losgelaufen, setzt feiner Nieselregen ein – genau die Art von Wetter, bei der sich zeigt, ob die Outdoor-Ausrüstung wirklich hält, was sie verspricht. Der Weg führt uns durch ein von der letzten Eiszeit geformtes Hochtal, sanft ansteigend, gut begehbar.
Links und rechts säumen mächtige Zirben den Pfad – uralte Kiefern, die bis zu 1.000 Jahre alt werden können. Ihre Zapfen sind harzig und wunderschön – aber Vorsicht: Wer sie anfasst, wird den klebrigen Film bis zum Abend nicht mehr los.

Passo della Crocetta: Das Highlight der Alpenüberquerung
Nach rund zwei Stunden erreichen wir den höchsten Punkt der Etappe: den Cruschetta-Pass auf 2.291 Metern – oder wie wir ab jetzt sagen: Passo della Crocetta. Ein breites Grinsen macht sich in meinem Gesicht breit. Wir haben es geschafft. Wir haben die Alpen überquert. Die Grenze zu Italien liegt hinter uns, und mit ihr ein Gefühl von Stolz und Erleichterung.

Ich träume schon vom ersten echten Cappuccino in Italien, während wir langsam ins Münstertal absteigen. Die Landschaft verändert sich, wird sanfter, mediterraner. Schließlich erreichen wir Taufers im Münstertal – das Ziel unserer Alpenüberquerung von Österreich über die Schweiz nach Italien.
Ankommen in Taufers: Ein würdiger Abschluss
Wir klatschen unseren Guide Georg ab. Vier Jahre Planung, unzählige Stunden der Vorbereitung – und jetzt stehen wir hier, am Ende einer unvergesslichen Reise. Diese letzte Etappe war nicht die spektakulärste, aber vielleicht die emotionalste. Ein würdiger Abschluss für ein Abenteuer, das uns über Grenzen hinweggeführt hat – geografisch, körperlich und mental.

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Informationen zur Vier-Länder-Alpenüberquerung
Der Innsbrucker Geograf und Bergwanderführer Georg Pawlata hat die Vier-Länder-Alpenüberquerung in vier Jahren entwickelt und bietet diese nun mit seiner Alpenüberquerer Reisen GmbH als organsierte Wandertour jeweils ab Mitte Juni bis Mitte September an (Start in 2026). Sie eignet sich explizit auch für durchschnittlich trainierte Wanderer ohne besondere alpine Erfahrung. Insgesamt sind rund 4.800 Höhenmeter zu bewältigen.
Die Kosten: ab 1.290 Euro pro Person.
Dabei sind sämtliche Unterkünfte in gehobenen Hotels vorgebucht, zudem wird ein Gepäcktransport angeboten. Tipps zu Alternativstrecken bei Schlechtwetter, sowie der Rücktransport von Italien zurück zum Startort gehören zum Paket. Die Tour kann als individuelle Wanderung oder als Gruppenreise durchgeführt werden.
Grundsätzlich lässt sich die Tour auch auf eigene Faust begehen. Du soltest dir dann aber im Klaren darüber sein, dass die Übernachtungskapazitäten, vor allem in der Hochsaison, auf der Route teilweise sehr beschränkt sind und du auch dein gesamtes Gepäck für sieben Tage mitführen musst.
Mehr Infos zu Alpenüberquerung:
Alpenüberquerer Reisen GmbH
Anzengruberstraße 5/1
A-6020 Innsbruck
Tel.: +43 512 40 90 98
E-Mail: [email protected]
Web: Die Alpenüberquerung
Die 6 Etappen auf einen Blick:
- Etappe 1: Riezlern (A) - Südlichster Punkt Deutschlands (D) - Lech am Arlberg (A)
- Etappe 2: Lech am Arlberg (A) - Klostertal (A)
- Etappe 3: Klostertal - Montafon
- Etappe 4: Montafon (A) - Klosters (CH)
- Etappe 5: Guarda (CH) - Scuol (CH)
- Etappe 6: Scuol (CH) - Taufers im Münstertal (I)
Haftungsausschluss: Diese Tour(en) wurde(n) nach bestem Wissen aufbereitet. Eine Gewähr für die Richtigkeit der Angaben wird dennoch nicht gegeben. Das Befahren und Begehen erfolgt stets auf eigene Gefahr. Lies hier den vollständigen Haftungsausschluss.
Die Reise erfolgte auf Einladung der ARGE Weitwandern GmbH.