Die beiden Weitwander-Varianten von „Vom Gletscher zum Wein“ starten beide am Dachstein und führen in die Südsteiermark, unterscheiden sich unterwegs aber deutlich. Die Südroute ist mit rund 25 Etappen die kompaktere und ausgewogenere Variante: Sie beginnt alpin in den Schladminger Tauern, wird aber rasch sanfter und führt über Almen und Hügel bis in die Weinlandschaften. Dabei wächst unterwegs der Genussfaktor – mit Buschenschänken, regionaler Küche und mehr kulturellen Eindrücken.
Die Nordroute ist länger und deutlich alpiner. Du bist länger im Hochgebirge unterwegs, mit anspruchsvolleren Passagen und weniger Infrastruktur. Hier steht das klassische Weitwandern im Vordergrund: viel Natur, große Distanzen und mehr Einsamkeit.
► Unterm Strich gilt: Die Südroute verbindet sportliches Wandern mit Flow und Genuss, während die Nordroute stärker auf alpine Herausforderung und intensives Naturerlebnis setzt.
Bereit für dein Weitwander‑Abenteuer? So fit musst du wirklich sein.
Für beide Routen benötigst du vor allem eine gute Grundfitness und die Fähigkeit, mehrere Tage hintereinander lange Etappen mit Höhenmetern zu bewältigen. Trittsicherheit auf schmalen, teilweise steinigen Bergwegen ist wichtiger als reine Kraft oder Tempo.
Kletterkenntnisse sind nicht nötig, leichte Kraxelei und der Einsatz der Hände können aber gelegentlich vorkommen.
Besonders die ersten Etappen erfordern Aufmerksamkeit im alpinen Gelände, bleiben aber klassisches Bergwandern.
► Wer regelmäßig wandert, sich sicher im Gebirge bewegt und Durchhaltevermögen mitbringt, ist für die Tour gut vorbereitet.
„Vom Gletscher zum Wein“ – Nordroute
Die Nordroute führt dich in 35 Etappen vom Dachstein-Gletscher durch die ganze Vielfalt der Steiermark. Startpunkt ist die hochalpine Welt rund um den Dachstein – mit Karstlandschaften, weiten Almen und der Tauplitzalm, dem größten Seenhochplateau Mitteleuropas.
Im Nationalpark Gesäuse wird es dann landschaftlich wilder: Schroffe Kalkwände, tiefe Schluchten und die ungezähmte Enns setzen den Ton, ergänzt durch kulturelle Highlights wie das Stift Admont oder den Erzberg. Hinter Mürzzuschlag und der Semmeringbahn geht es über die Fischbacher Alpen in die sanften Hügel der Oststeiermark , wo du die Wanderung genussvoll ausklingen lassen kannst.
Zwischen Eis und Weite: Dachstein-Start mit Charakter
Der Auftakt am Dachstein ist gleich fordernd. Hier oben, nahe 2.700 Metern, spürst du sofort: Das ist alpines Terrain mit Haltung. Gletscherblicke, karge Karstfelder und überraschend grüne Almterrassen wechseln sich ab. Du benötigst Trittsicherheit, ja – aber keine Kletterkünste.
Vielmehr ist es diese Mischung aus Respekt vor der Landschaft und dem Flow des Gehens, die den Einstieg prägt. Und genau hier beginnt das große Thema dieser Route: Veränderung. Schritt für Schritt lässt du das Hochgebirge hinter dir und wanderst hinein in eine immer weichere, zugänglichere Welt.
Tauplitzalm: Panorama-Modus statt Gipfelstress
Ein erstes echtes Highlight wartet mit der Tauplitzalm. Sechs Bergseen, ein endlos wirkendes Plateau auf rund 1.600 Metern und Wege, die sich entspannt laufen lassen.
Das ist fast schon wie ein alpiner Reset nach den felsigen Dachstein-Etappen. Statt ständig Höhenmeter zu jagen, wanderst du hier im Panorama-Modus: Blick auf den Grimming, das Tote Gebirge und immer wieder dieses intensive Blau der Seen. Ein Abschnitt, der zeigt, wie vielseitig Weitwandern sein kann – und warum weniger Technik manchmal mehr Erlebnis bedeutet.
Gesäuse: wild, intensiv, unvergesslich
Dann kommt das Gesäuse – und plötzlich wird alles wilder. Die Berge rücken enger zusammen, die Wege werden alpin, die Eindrücke intensiver. Bis zu 200 Millionen Jahre alte Gesteine, steile Felsfluchten und eine außergewöhnlich artenreiche Natur machen diesen Abschnitt zu einem der spektakulärsten der gesamten Route.
Und mittendrin: Rückzugsorte wie Johnsbach, wo du nachts noch einen Sternenhimmel siehst, den es so kaum noch gibt. Gleichzeitig öffnen sich kulturelle Fenster – etwa im Stift Admont, wo barocke Pracht auf Bergwelt trifft.
Vom Bergen ins Genussland: der lange Übergang
Hinter Hochschwab und Rax verändert sich nicht nur die Topografie, sondern auch dein Wandertempo. Wälder werden dichter, Almen weiter, die Fischbacher Alpen überraschend sanft. Statt schroffer Gipfel dominieren nun Kuppen, Lichtungen und stille Forstwege.
Der höchste Punkt, etwa das Stuhleck, bietet noch einmal einen weiten Blick – danach wird es zunehmend genussvoll. Hier beginnst du, länger stehen zu bleiben: für Aussicht, für eine Jause, für Gespräche mit Einheimischen.
Finale mit Genuss: Thermen- und Vulkanland
Im Süden der Route erreichst du schließlich das Thermen- und Vulkanland – und damit eine völlig neue Wanderwelt. Sanfte Hügel, Weinberge, Streuobstwiesen und kleine Orte mit großer Gastfreundschaft prägen die letzten Etappen.
Wandern wird hier zum Genuss: Du gehst von Buschenschank zu Buschenschank, kombinierst Etappen mit Thermenstops und lässt die Tour eher ausklingen als enden. Der Weg nach Bad Radkersburg fühlt sich nicht wie ein Ziel an, sondern wie ein Ankommen in einer Region, die zeigt, dass Weitwandern mehr ist als nur Strecke.
Kurzprofil Nordroute:
- Streckenlänge: 524 km
- Tagesetappen: 35 Tagesetappen à 4–8 Stunden Gehzeit
- Startpunkt: Bergstation am Dachstein-Gletscher
- Endpunkt: Bad Radkersburg
- Weitere Informationen: Wanderroute „Vom Gletscher zum Wein Nordroute“
„Vom Gletscher zum Wein“ - Südroute
Die Südroute verbindet auf 25 Etappen alpine Ursprünglichkeit mit steirischer Genusskultur. Vom Dachstein aus führt sie durch die eindrucksvolle Bergwelt der Schladminger Tauern – mit aussichtsreichen Graten, kristallklaren Bergseen und urigen Hütten, die perfekt für eine Pause taugen.
Über das Bergsteigerdorf Krakau und die historische Stadt Murau geht es weiter zum Stift St. Lambrecht und auf den Zirbitzkogel mit weitem Panoramablick. Danach öffnet sich die Landschaft Richtung Süden: Die Koralm markiert den Übergang in die sanften Weinlandschaften.
Dachstein: Alpiner Start
Gerade die ersten Etappen haben alpinen Charakter: Schmale Steige, Geröllfelder und lange Tage verlangen Kondition und Trittsicherheit – belohnen dich aber mit einsamen Hochgebirgslandschaften und spektakulären Blicken in den Klafferkessel mit seinen dutzenden Bergseen.
Mit jedem Höhenmeter wächst das Gefühl, wirklich unterwegs zu sein – weit weg vom Alltag, nah dran an den Elementen.
Nature meets Culture
Rund um Murau und St. Lambrecht wird die Tour ruhiger, aber nicht weniger spannend. Zwischen dunklen Wäldern, weiten Almen und kleinen Höfen sammelst du Kilometer im Flow, bevor mit dem Benediktinerstift St. Lambrecht ein echtes Kultur-Highlight wartet. Hier trifft Natur auf Geschichte – und genau dieser Mix macht die Südroute so besonders.
Beste Aussichten: Zirbitzkogel
Mit dem Zirbitzkogel erreichst du einen der schönsten Aussichtsberge der Steiermark: Ein 360‑Grad‑Panorama von den Tauern bis weit ins Hügelland begleitet dich am Gipfel. Kurz danach verändert sich die Szenerie spürbar – auf der Koralm wanderst du über weiche Almböden, vorbei an Hütten, Bächen und weiten Rücken mit Blick nach Süden.
Im Süden wird es mediterran und weinselig
In der Südsteiermark prägen schließlich Weingärten, Buschenschänken und mediterran anmutende Hügel das Bild. Entlang der Südsteirischen Weinstraße führte die Route durch eine der bekanntesten Weinregionen Österreichs.
Hier findest du unzählige Einkehrmöglichkeiten, Aussichtspunkte und dieses besondere Gefühl, nach vielen Tagen im Gebirge angekommen zu sein. Ziel ist die historische Kleinstadt Leibnitz – und damit das perfekte Finale zwischen Panorama, Wein und Genuss.
Kurzprofil:
- Streckenlänge: 370 km
- Tagesetappen: 25 Etappen à 4–8 Stunden Gehzeit
- Startpunkt: Bergstation am Dachstein-Gletscher
- Endpunkt: Leibnitz
- Weitere Informationen: „Wanderroute vom Gletscher zum Wein“ – Südroute
Diese Ausrüstung solltest du dabeihaben:
Rucksack
- Rucksack (max. 35–45 Liter)
Leicht, gut belüftet, mit Hüftgurt – dein wichtigster Komfortfaktor Regenhülle (oder wasserdichter Sack)
► Lies dazu unseren Ratgeber Trekkingrucksäcke.
Bekleidung (das Zwiebelprinzip ist alles)
Wanderschuhe (eingelaufen!)
Stabil genug für alpine Passagen, aber bequem auf langen Etappen.► Siehe dazu unseren Ratgeber Wanderschuhe
- 2–3 Funktionsshirts (Merino oder Synthetik)
- 1 leichte Isolationsjacke (Daune/Primaloft)
Regenjacke/Hardshelljacke (wind- und wasserdicht)
► Lies dazu unseren Ratgeber Hardshelljacken
- Wanderhose + kurze Hose
- Unterwäsche und 2–3 Paar Wandersocken
Anforderung: wenig, funktional, schnell trocknend
Übernachten
- Hüttenschlafsack
- kleines Mikrofaserhandtuch
- ggf. Ohrstöpsel
Orientierung und Sicherheit
- Smartphone mit Offline-Karten/GPX
- Powerbank
- Stirnlampe
- kleines Erste-Hilfe-Set
- Blasenpflaster
- Sonnenschutz (Creme + Sonnenbrille)
Verpflegung
- Trinksystem/Flaschen (1,5–2 l)
- Energieriegel/Snacks
Auf der Südroute findest du oft Einkehr – trotzdem immer Reserve dabeihaben.
Weitere Ausrüstung
Trekkingstöcke (entlasten bergab massiv)
► Lies dazu unseren Ratgeber Trekkingstöcke
- Multifunktionstuch/Kappe
- leichte Handschuhe (je nach Saison)
Faustregel für dein Gepäck:
Maximal 8 bis 10 Kilo Gesamtgewicht (inkl. Wasser)
Alles, was du nicht jeden Tag benötigst → raus. Du bereust jedes Kilo zuviel.
Haftungsausschluss: Diese Tour(en) wurde(n) nach bestem Wissen aufbereitet. Eine Gewähr für die Richtigkeit der Angaben wird dennoch nicht gegeben. Das Befahren und Begehen erfolgt stets auf eigene Gefahr. Lies hier den vollständigen Haftungsausschluss.