Leave-No-Trace, bei 17 Gramm gibt´s keine Ausrede mehr
VORTEILE
- verdammt leicht: Größe #2 wiegt 17 g
- taugt tatsächlich was zum Graben
- echt stabil für so ein Fliegengewicht
- Klopapier vergraben ist besser als verbrennen
- signalisiert Leave-No-Trace, Vorbildcharakter
- hält die Diskussion in der Community am Laufen
NACHTEILE
- nur in eine Richtung stabil
- kann bei falscher Benutzung verbiegen
- Kosten, na klar
- der Griff ist wenig komfortabel
- muss natürlich auch mal geputzt werden
- ein weiterer Gegenstand, der verloren gehen kann
BEWERTUNG
Eine Schaufel, klein und leicht aber mit doppelter Wirkung. Für mich der beste Botschafter für Leave-No-Trace-Prinzipien und ein essentieller Bestandteil meines Poop-Kist. Mit nur 17 Gramm fällt sie kein Stück ins Gewicht, flach wie sie ist findet sie immer Platz im Gepäck und ein Loch zu graben fällt mit ihr deutlich leichter als mit einem Stock, was dazu führt, dass man es tatsächlich auch jedes Mal tut, an statt nur davon zu reden.


Schaufel an sich
Es gibt die Schaufel in 3 verschiedenen Größen. #1 ist mit unter 13 Gramm etwas für die absoluten Ultraleicht-Fetischisten. Die #2 mit 17 g halte ich für die beste Größe, ein gutes Mittel zwischen Stabilität und Gewicht. Die #3 hingegen ist auf Grund des dickeren Materials etwa doppelt so stabil und mit der längeren Schaufelfläche auch effektiver, wiegt aber auch über 27 Gramm. Klar, immer noch kein Schwergewicht, aber wo wir schon Mal beim Erbsenzählen sind.
Alle drei Größen sind aber aus dem gleichen Material, mit selbiger Form und Funktion. Es gibt ein Karabiner- oder Lanyard-Loch am Griffende, einen schmaleren am Rand gewellten Teil, der meist als Griff verwendet wird, einen breiteren Teil, mit dem sich harter Boden schlechter, weicher aber effektiver wegschaufeln lässt und eine Spitze mit rechts und links je zwei Zackigen Einkerbungen, die beim Zerreißen von dünnen Wurzeln helfen können.
Die längs verlaufenden Knicke verleihen der Schaufel in die eine Richtung Stabilität, versucht man jedoch verkehrt herum, also mit der beschrifteten Seite nach oben zeigend, zu schaufeln, kann sie leicht verbiegen.


Einsatzbereich
Nun ja, zusätzliche Ausrüstung verkompliziert und beschwert das Gepäck in jedem Fall. Gerade diese Schaufel bietet sich aber wohl an, wenn es einem besonders aufs Gewicht ankommt. Zudem lohnt es nicht, sie mit in die Berge zu nehmen, der Boden sollte schon so beschaffen sein, dass das Graben auch überhaupt möglich ist. Aber abgesehen davon, ist dem Einsatzbereich nicht viel an Grenzen gesetzt. Ich selbst nutze sie auf allem an Wander-, Bikepacking-, und Paddeltouren die ich so mache. Zusammen mit einer halben Rolle Klopapier und etwas Handdesinfektionsmittel ist sie standardmäßig in meinem Poop-Kit für Unterwegs.


Verwendung
Der primäre Einsatzzweck dürfte klar sein. Wer seine Notdurft am Wegesrand verrichten möchte, tut gut daran sie tief genug zu vergraben. In Anbetracht dessen wie sehr wir selbst saubere Wege schätzen wäre das wohl das mindeste. Und Klopapier braucht nochmal deutlich länger um zu verrotten und das Anzünden bietet sich auf Grund der Waldbrandgefahr nicht unbedingt an. Zudem reicht es meiner Meinung nach nicht, einfach hinter einen Strauch oder Stein zu gehen. Andere verlassen auch mal den Weg, suchen zufällig dort Feuerholz oder sind Kinder, die einfach lieber abseits der Wege spielen.
Die zweite und fast noch wichtigere Verwendung ist die als Kristallisationspunkt für Diskussionen. Gespräche über Leave-No-Trace-Prinzipien stößt man am besten und meist unabsichtlich durch das einfache sichtbare Mitführen einer teuren für die aller meisten unnötig leichten Schaufel an. Sie scheint dem ein oder anderen so übertrieben, dass sie nahezu dazu nötigt zum Thema Stellung zu beziehen. Und darum geht es. Nicht womit man seinen Dreck verbuddelt, sondern dass man es tut ist nämlich der Punkt auf den es ankommt. Und nur, wer sich zu rechtfertigen versucht, dass das ja auch mit einem Stock oder dem Ende des Wanderstocks ginge, denke beim nächsten Mal auch daran und macht es vielleicht sogar tatsächlich.
Wenn aber eben gerade diese Schaufel zur Hand ist, sei zu ihrem Handling noch gesagt, die Schaufel sollte immer mit der beschrifteten Seite nach unten zeigend verwendet werden. Dabei ist es egal, ob mit dem breiteren Blatt oder dem Schmaleren Stil gegraben wird. Das kann je nach Bodenbeschaffenheit und Komfort auch wechseln. Daher lohnt es nicht den wenig bequemen Griff mit Tape zu umwickeln.


Daten
- Größen: #1, #2, #3
- Gewicht: 12.8 g, 17 g, 27.6 g
- Maße: 6.4 x 16.5 cm, 6.6 x 17.2 cm, 6.6 x 20.3 cm
- Farben: 2, 9, 8 (reichlich Auswahl)
- Design durch TheTentLab aus Colorado
- Hergestellt durch DAC in Korea


Leave-No-Trace
Ehrlich gesagt ist Leave-No-Trace der Grund, weshalb ich mir diese Schaufel geholt habe. Nicht der Inhalt, die Prinzipien, die ich auch ohne solch teure Ausrüstung umzusetzen vermag. Nein, es ging mir um die Gelegenheit, diese immer mehr aufkommende Diskussion in der Community mit aufzugreifen und weiter zu tragen. Denn nur, wer sich nicht zurückhält, weil er denke, die Wanderwege sauber zu halten sollte doch ein Selbstläufer sein, trägt tatsächlich zur Verbesserung bei. Und weil ich nicht jeden vollquatschen und missionierend nerven möchte, sah ich die Schaufel am Rucksack als die Gelegenheit an, etwas Polarisierendes als Vehikel nutzen zu können, dass mein gegenüber dazu bringen würde, dieses Fass auf zu machen.
Jetzt aber mal zu Punkt selbst. Leave-No-Trace verfolgt verschiedene Ansätze, die es ermöglichen sollen einen nachhaltigen Umgang mit der Natur zu finden, während wir diese erkunden. Dahinter steckt eine ganze Organisation (lnt.org) und mehr, als es auf den ersten Blick zu sein scheint. Für uns Outdoor-Enthusiasten sind aber sicher die wichtigsten Punkte folgende: Der Erkenntnis und dem Vergegenwärtigen dessen, dass die Natur uns vieles gibt, es in zahllosen Belangen keinen Ersatz für sie geben kann, alles was wir tun einen Einfluss auf sie hat und sie uns angesichts ihres Ausgeliefertsein besonders schützenswert sein sollte muss etwas folgen.
Dieses Etwas soll der Gedanke sein, wer stets bemüht ist seinen Impact zu minimieren zeigt, dass er sich sorgt und kümmert. Tatsächlich dürfte der Einfluss einer nicht in den Wald geworfenen Riegelverpackung verschwindend gering sein, im Vergleich zum Wechsel des Stromanbieters. Aber wer Müll an öffentlichen Orten hinterlässt trägt dazu bei, dass vermüllte Landschaften normal werden, die Hemmungen bei anderen sinken und die Wertschätzung allgemein den Bach runtergeht. Und wie wir uns stimmungsmäßig und gesamtgesellschaftlich positionieren dürfte gerade jetzt eine entscheidende Rolle spielen. Ich denke Artensterben und Klimawandel werden die entscheidenden Herausforderungen im Leben meines Sohnes und unserer Kinder sein. Und da ist das Tragen eines Zeichens für Wertschätzung und Rücksichtnahme am Rucksack das mindeste, was man in den Wind halten kann.


Resümee
Wer Wert darauf legt, dass der Wald nicht so aussieht, wie der Hund Ebba ihn nahe unseres Camps im Harz versucht hat mit Klopapier zu dekorieren, der sollte Leave-No-Trace verinnerlichen und auf die ihm praktikabelste Weise versuchen umzusetzen. Ich kann nur sagen, diese Schaufel ist dafür absolut geeignet.
The Deuce von TheTentLab muss kein Phänomen von ThruHikern auf den endlosen Trails der nordamerikanischen Wildnis bleiben. Zelte von TheTentLab kennt sicher kaum einer und DAC ist den meisten nur als Produzent von Zeltstangen bekannt, aber wenn sich solche Leute zusammentun, um einen wirklich entbehrlichen Ausrüstungsgegenstand so leicht zu machen, dass es nichts mehr gibt, was gegen das Einpacken spricht, dann hat das zumindest meine Unterstützung verdient.




