Watt-Jagd im Verborgenen: das High-Performance-Tretlager
VORTEILE
- Maximale Effizienz
- Leicht zu Warten
- Hohe Präzision - kein Knacken
- CNC-gefräst
- Keramiklager
- Leichte Wattersparnis
NACHTEILE
- Wartung notwendig
BEWERTUNG


Griasts eich!
Wer sein Rennrad auf maximale Effizienz trimmt, optimiert meist zuerst die Aerodynamik oder das Gewicht. Doch die „Marginal Gains“, die über Sieg oder Niederlage (oder einfach das bessere Fahrgefühl) entscheiden, verstecken sich oft dort, wo man sie nicht sieht: im Tretlagergehäuse. Nachdem ich bereits positive Erfahrungen mit OSPW-Systemen gesammelt hatte, wollte ich wissen, was das BB86 Shimano Bottom Bracket von CyclingCeramic in der Praxis leistet.
Hard Facts
Bevor wir uns dem Fahrgefühl widmen, ein Blick auf die nackten Zahlen und die technologische Basis des Bottom Brackets, da es hier viele verschiedene Ausführungen gibt, je nach Kurbel und Rahmenhersteller.
| Feature | Spezifikation |
|---|---|
| Standard | BB86 Pressfit (86,5 mm Gehäusebreite) |
| Kompatibilität | 24 mm Achsen (Shimano Hollowtech II & andere) |
| Material Gehäuse | Hochpräzises, CNC-gefrästes Aluminium |
| Lager-Typ | Grade 3 Silicon Nitride (Si3N4) Keramikkugeln |
| Besonderheit | Hand-Assembled & Individually Tested in France |
| Dichtung | High-Performance Seals (All-Condition) |
| Gewicht | ca. 55 g |

Cycling Ceramic hat eine wirklich tolle Matrix, der man entnehmen kann, welches Tretlager das Richtige für sein Bike ist.
Erster Eindruck & Verarbeitung: CNC-Präzision aus Frankreich
Schon beim Auspacken wird klar, dass man hier kein Massenprodukt in den Händen hält. Das Tretlager wirkt direkt extrem wertig, vor allem auch im Vergleich zu dem Standard Tretlager von Shimano. Ich hatte ja beim Umbau beide in den Händen. CyclingCeramic fertigt die Lagerschalen mit mikrometrischer Genauigkeit. Das ist bei Pressfit-Standards wie BB86 absolut kritisch, da minimale Toleranzen hier oft die Ursache für das gefürchtete Knacken im Wiegetritt sind. Die Passform ist so exakt berechnet, dass eine perfekte Ausrichtung der Lager garantiert wird, was wiederum die Steifigkeit des gesamten Antriebsbereichs spürbar erhöht.
Das Herzstück, das Keramik Tretlager
Das eigentliche Highlight sind die verbauten Keramikkugeln. CyclingCeramic verwendet ausschließlich Grade 3 Keramikkugeln, die nicht nur 58 % leichter, sondern auch 121 % härter als herkömmliche Stahlkugeln sind. Das Resultat ist eine Reduktion der Reibung.
Im „Trockentest“ – also wenn man die Kurbel ohne Kette anstößt – dreht sich das System gefühlt ewig. Doch entscheidend ist die Performance unter Last. In der Praxis bedeutet das: Wenn man im Zielsprint oder am steilen Anstieg mit maximaler Wattzahl in die Pedale tritt, verformt sich im Lager nichts. Die Energieübertragung wirkt direkter, fast schon „digital“ – jeder Tritt wird unmittelbar in Vortrieb umgewandelt.
Ein häufiges Vorurteil gegenüber Keramiklagern ist die mangelnde Haltbarkeit bei schlechtem Wetter. CyclingCeramic begegnet diesem Problem mit einer zusätzlichen Abdichtung des Lagers. Diese Dichtungen schützen das Innere effektiv vor Wasser, Staub und Straßendreck, ohne dabei den Rollwiderstand spürbar zu erhöhen.
Ich bin das Lager unter verschiedensten Bedingungen gefahren – von staubigen Sommerausfahrten bis hin zu regnerischen Frühjahrstouren und Temperaturen um die 0 Grad. Das Lager fährt sich super unter allen Bedingungen. Ich hatte es auch bereits aufgemacht und eine Wartung ist noch nicht nötig.


Ich glaube, uns ist allen bewusst, dass die Wattersparnis nur leicht ist, aber natürlich was bringt. Ich hatte sogar wirklich das Gefühl, dass ein Unterschied spürbar ist zum Shimano-Tretlager. Das von Cycling Ceramic läuft einfach so viel leichter und das gibt einfach ein gutes Gefühl, ob am Berg oder im Sprint. Man hat High Performance-Tretlager verbaut und das zeigt sich!
Wartung und Pflege für dauerhaften Leichtlauf
https://www.youtube.com/watch?v=Ch8SUIZ8hUM
Trotz der exzellenten Dichtungen ist ein High-Performance-Lager kein „Set-and-forget“-Bauteil, wenn man die maximale Watt-Ersparnis dauerhaft erhalten will. Der Hersteller empfiehlt einen regelmäßigen Service: Je nach Fahrleistung und Wetterbedingungen (ca. alle 5.000 bis 10.000 Kilometer oder einmal pro Saison) sollte man die Dichtungen vorsichtig anheben, das Lager reinigen und mit dem speziellen CyclingCeramic-Fett neu abschmieren.
Das Lagerfett wird bereits von CyclingCeramic mitgeliefert. Hierbei sollte man in etwa 60 bis 80 Prozent des Lagers einfetten. Da die Keramikkugeln extrem hart sind, ist sauberes Fett essenziell, um die Laufbahnen vor Pitting zu schützen. Pitting ist ein schalenförmiger Materialausbruch an Oberflächen, verursacht durch hohe, wechselnde tribologische Beanspruchung. Wer aber diesen kleinen Service-Schritt beherrscht, sichert sich über Jahre hinweg das butterweiche Gefühl der ersten Ausfahrt.


Montage
Jetzt möchte ich noch auf die Montage des Tretlagers eingehen. Da braucht man natürlich etwas Basiswissen und das nötige Fingerspitzengefühl, sowie natürlich auch das passende Werkzeug.
https://www.youtube.com/watch?v=PvqxuHbnoSE


- Als Erstes ist ein Montageständer zwingend notwendig. Ich bringe mein Rennrad immer an der Sattelstütze an.
Um jetzt zum Tretlager zu kommen, bauen wir als Erstes die Shimano-Ultegra-Kurbel aus. Das ist relativ einfach: einfach die beiden Schrauben am linken Kurbelarm lösen, den Sicherheitspin lösen, und schon kann der linke Kurbelarm abgezogen werden. Wir lösen die Kette und ziehen nun auch die Kurbel mit den Kettenblättern ab. Wir haben nun direkten Zugang zum Tretlager.


Da es sich hierbei um ein Pressfit-Tretlager handelt, muss dieses herausgeschlagen werden. Hierfür gibt es passendes Werkzeug. Der Schlag wird durch das Tretlager gesteckt und rastet dann ein. Mit ein paar vorsichtigen Schlägen geht das Tretlager auch raus. Gleiches dann noch auf der anderen Seite. Und hier lieber etwas leichter ausschlagen und dafür öfter.



- Jetzt muss natürlich die Tretlageraufnahme gereinigt werden. Bitte dafür einen passenden Rennradreiniger verwenden.
Jetzt benötigen wir etwas Montagefett, das sorgt dafür, dass das Tretlager sehr gut eingepresst werden kann, auch wieder ausgeschlagen werden kann und nicht irgendwann fest sitzt und natürlich damit nichts knackt. Das Montagefett bringen wir sowohl am Rahmen als auch am Tretlagergehäuse an.


Jetzt brauchen wir wieder das Spezialwerkzeug zum Einpressen der Lager. Hierfür die richtigen Adapterscheiben für 24-Millimeter-Tretlager verwenden. Die Tretlager von beiden Seiten anbringen und dann werden diese vorsichtig wie bei einem Schraubstock gleichmäßig in die Tretlageraufnahme eingepresst.



Jetzt fetten wir noch das Tretlager wo der Kontakt zur Kurbel besteht und auch noch die Kurbel.

- Danach werden beide Kurbelarme wieder angebracht und mit dem richtigen Drehmoment angezogen.

Die Montage hört sich so jetzt erst mal sehr einfach an, man muss aber äußerst vorsichtig und präzise arbeiten, damit man nichts am Carbonrahmen beschädigt. Wer sich hier nicht ganz sicher ist, bringt sein Rennrad mit dem Tretlager lieber in eine Werkstatt, und die kümmert sich darum.
Trotzdem lohnt es sich, das Bottom Bracket selbst zu kaufen. Bei r2-bike gibt es fast alle Tretlager für den Unschlagbaren Preis von circa 150 EUR, also 35 EUR unter dem UVP. Das sollte eine Überlegung wert sein!
Pfiats eich!


