Schneller XC Mantel für harten Untergrund
VORTEILE
- Geringer Rollwiderstand
- Tubeless ready
- Sehr angenehme Dämpfung
- Lässt sich nicht schwerer als andere MTB Mäntel montieren
- In zwei Breiten erhältlich
- Keine Panne im Testzeitraum
NACHTEILE
- Schlechter Grip bei Nässe und Matsch
- Lehm setzt sich im Profil fest
BEWERTUNG

Von Pirelli wurden mir die beiden Mountainbike Mäntel Scorpion XC H und XC S zum Testen in der Größe 29 x 2.4 zur Verfügung gestellt. Der XC H ist dabei bei mir hinten und der XC S an meinem Vorderrad zum Einsatz gekommen. In diesem Bericht schreibe ich allerdings nur über den XC H Mantel. Den XC S Mantel behandle ich in einem weiteren Testbericht.
Zudem möchte ich noch darauf hinweisen, dass ich die Mäntel nicht an einem Cross Country, sondern an einem All Mountain MTB getestet habe. Ursprünglich wollte ich Trail-Mäntel testen, da diese aber nicht verfügbar waren, wurden mir die XC Mäntel zum Test angeboten.
Hier noch eine kleine Übersicht über die folgenden Zeilen, damit Ihr euch besser zurecht finden könnt:
- Über Pirelli
- Features
- Erster Eindruck und Montage
- Im Einsatz
- Fazit
Features
Der Pirelli Scorpion XC H ist ein speziell für harte, verdichtete Cross-Country- und Marathon-Strecken entwickelter Fahrradreifen. Seine Hauptmerkmale umfassen:
Laufflächenprofil: Niedriges Profil mit kompaktem Stollen Muster für schnelles und sicheres Fahren auf festem Untergrund.
SmartGRIP Compound: Eine Gummimischung, die mechanische Reißfestigkeit für maximalen Grip auf trockenen und nassen Oberflächen sowie hohe Pannensicherheit bietet. Sie gewährleistet gleichbleibende Leistung über die gesamte Lebensdauer des Reifens, selbst bei Abnutzung der Stollen.
Karkassen Optionen:
LITE MTB: Leichte und flexible Karkasse mit 120 TPI für maximale Geschwindigkeit und Fahrgefühl, ideal für Fahrer mit präzisem Fahrstil. Diese Konstruktion verzichtet auf zusätzlichen Seitenschutz, um das Gewicht zu minimieren. Außerdem ist diese Karkasse nur in der Breite 2.2 verfügbar.
ProWALL: Verstärkter Seitenwandschutz durch eine zusätzliche Nylonschicht, die die Pannensicherheit erhöht und die Stabilität bei niedrigem Reifendruck verbessert. Geeignet für XC-Rennen, Trailriding und Enduro.
Der Scorpion XC H ist in den Größen 29x2.2 und 29x2.4 erhältlich und bietet somit Anpassungsmöglichkeiten je nach Vorlieben und Streckenbedingungen.
Diese Merkmale des Scorpion XC H sind ideal für Fahrer, die auf harten, verdichteten Böden unterwegs sind.
Erster Eindruck und Montage


Der Scorpion XC H kommt mit einer einfachen “Verpackung” auf der alle wichtigen Informationen und Features abgedruckt sind. Da es sich bei dem Mantel um einen sogenannten Faltreifen handelt, nimmt der Mantel unmontiert im Gegensatz zu einem Drahtreifen, nur wenig Platz weg.
Einmal von dem Packband befreit, lässt sich der Mantel einfach entfalten. Das Profil macht einen vielversprechenden Eindruck. Im Vergleich zu dem Scorpion XC S ist das Profil wesentlich feiner. Die Verarbeitung ist sehr gut und die Aufdrucke eher schlicht, was mir aber gut gefällt. Leider wird auf der Karkasse des Mantels nur der Minimaldruck für Tubeless angegeben, aber kein Minimaldruck für den Einsatz mit Schlauch. Ich hatte auch noch versucht, diese Information von Pirelli einzuholen, war dabei aber leider nicht erfolgreich.



Für die Montage muss der Reifen komplett entfaltet und schon einmal in die richtige Form gebracht werden. Das Aufziehen der ersten Wulst erwies sich als relativ einfach. Die zweite ließ sich dann nur mit dem Einsatz von Reifenhebern und viel Kraft lösen. Ich fahre mein Mountainbike mit Schläuchen und nachdem ich bei der Montage des Vorderrades bereits meinen Schlauch beschädigt hatte, war ich beim Hinterrad vorsichtiger und ließ mir beim Aufziehen mehr Zeit. Somit hatte ich dann auch keine Probleme und der Schlauch ist heil geblieben.

Beim ersten Aufpumpen habe ich so lange gepumpt, bis sich die Wülste mit einem “Knall” in den Felgenhörnern gesetzt hatte. Das geschah so bei ca. 3-4 Bar.

Im Einsatz

Leider war das Wetter im Dezember und Januar nicht so auf meiner Seite und ich konnte die Scorpion XC Mäntel kaum bei trockenen Konditionen testen. Aber noch genügend, um einen guten Gesamteindruck zu erhalten.
Bei meinem Test bin ich auf feuchtem, gefrorenem, matschigen und einmal sogar trockenen Boden unterwegs gewesen. In der Regel bin ich den Mantel mit ca. 2,2 Bar gefahren, außer als ich bei Minusgraden unterwegs war, da bin ich auf ca. 2,4 Bar hochgegangen.
Bei trockenen Konditionen:
Im Trockenen hat mir der Mantel sehr gut gefallen. Der Unterschied zu meinen grobstolligen und weicheren Mänteln, die ich zuvor aufgezogen hatte, ist direkt spürbar. Der Rollwiderstand ist wesentlich geringer und dennoch bietet der Mantel im einfachen Gelände super Grip. Obwohl es ein XC Mantel ist, konnte ich es mir natürlich nicht nehmen lassen, damit auch ein paar Sprünge über Kicker zu wagen. Hier ist mir der geringere Rollwiderstand sehr stark aufgefallen, da ich für die Sprünge wesentlich weniger pedalieren musste als vorher. Trotz feinerem Profil fühlte ich mich dennoch sicher und die Landungen waren allesamt sehr angenehm.
Auf unebenen Feldwegen und im Wald ist mir außerdem die angenehme Dämpfung der Mäntel aufgefallen. Ich bin viele Strecken mit geschlossenem Dämpfer gefahren und musste mich tatsächlich wundern, wie angenehm das war im Gegensatz zu meinen anderen Mänteln bei geschlossenem Dämpfer. Und auch auf Trails und in steilen Kurven hat der Scorpion XC H einen sehr guten Job gemacht.
Aber nicht nur bergab, sondern auch bergauf konnte sich der Pirelli-Mantel beweisen. Selbst in losem Sand hatte ich keine Probleme auch steile Anstiege zu meistern.
Bei feuchten Konditionen:

Bei feuchten Konditionen musste ich dann ein paar Nachteile feststellen. Gerade im Wald, wo der Boden auch mal etwas lehmig sein kann, setzt sich dieser lehmige Boden in dem feinen Profil ziemlich schnell fest, wodurch der Mantel seinen guten Grip verliert. Es war mir auch nicht möglich, den Mantel wieder frei zu fahren. Selbst nicht nach 3km auf Asphalt. Am Ende musste ich mit einem Stock das Profil freikratzen und zu Hause musste ich dann mit Reinigungsmittel und Bürste ran.
Auf nicht lehmigen Boden bin ich aber auch bei Feuchtigkeit mit dem Scorpion XC H gut zurechtgekommen. Lediglich beim Bergauf fahren waren größere Steine, Stufen und Wurzeln schwerer als mit einem weichen Mantel zu passieren.

Bei nassen und matschigen Konditionen:
Im Regen um Matsch erwies sich der Scorpion XC H als wahre Dreckschleuder. Durch das feine Profil wird der Dreck im Gegensatz zu gröberen Profilen viel besser transportiert und man muss sich nicht wundern, wenn nicht nur der Rücken, sondern auch der Helm von oben voll mit Schlamm ist. Aber XC Fahrer sind das, denke ich, gewohnt. Ich war nur etwas überrascht, da ich selbst nach mehreren Stunden Bikepark im Regen so noch nie aussah. Aber das sei nur mal so am Rande erwähnt.
Dennoch muss man bei den kleineren und feinen Stollen im Profil bei so einem Wetter Abstriche machen. Der Grip ist nicht mehr so gut und mehr als einmal ist mir mein Hinterrad beim Pedalieren durchgedreht und zur Seite ausgebrochen. Mittlere Steigungen wurden hier schon zu etwas größeren Herausforderungen. Aber auch Bergab musste ich vorsichtig und konzentriert unterwegs sein. Gerade beim Bremsen blockierte das Rad sehr schnell, da der Mantel bei der Nässe und Schlamm nicht genügend Grip hatte. Dadurch musste ich mehr mit der Vorderbremse und dem dort montierten Scorpion XC S arbeiten, um kontrolliert unten anzukommen, was auch gut geklappt hat.
Bei gefrorenem Boden:
Und auch auf gefrorenem Untergrund war ich unterwegs und hier kann ich überraschend nur Positives berichten. Ich hatte anfangs zu bedenken, ob es eine so gute Idee ist, aber die Gummimischung von Pirelli hat auf gefrorenem Wald und Feldwegen einen super Job abgeliefert und ich habe mich durchgehend sicher gefühlt. Gerade bei dieser Ausfahrt auf unebenen und hartem Boden habe ich die guten Dämpfungseigenschaften der Mäntel gemerkt.
Überraschenderweise bin ich auch problemlos steile Anstiege auf gefrorenem Laub hinaufgekommen, ohne dass auch nur einmal mein Hinterrad durchdrehte.
Fazit
Dieser Test war für mich nicht nur ein Test, sondern auch auf eine Art ein kleines Experiment. Ohne die Testanfrage wäre ich denke ich nicht auf die Idee gekommen, auf meinem All Mountain MTB XC Reifen zu fahren. Aber da es in meiner Umgebung nicht sehr viel Steigung gibt, dachte ich mir, dass es eventuell gar nicht verkehrt ist und was soll ich sagen, es hat sich gelohnt. Gerade im flachen Gelände spüre ich, wie viel schneller ich unterwegs bin und das nur durch die Scorpion Mäntel von Pirelli.
Selbstverständlich verwandelt das mein Bike nicht in ein Cross Country MTB und mit denen kann ich auch bei weitem nicht mithalten, aber ich habe zumindest bei trockenen Bedingungen nun ein wenig mehr Spaß und vor allem mehr Geschwindigkeit. Sehr positiv finde ich die Dämpfung der Mäntel, die man vermutlich der ProWall Karkasse zu verdanken hat. Dies hat mich wirklich überrascht und dadurch bin ich nun viel öfter mit geschlossenem Dämpfer unterwegs.
Alles in allem sind mir keine groben Nachteile des Scorpion XC H aufgefallen, solange man sich in der Komfortzone eines XC Reifens aufhält. Klar rutscht man bei Schlamm hier eher mal als mit gröberen Profilen, aber dann darf man sich auch keinen XC Mantel zulegen. Klar habe ich den Reifen mehr als nur einmal in nicht dafür gedachtem Gelände bewegt, aber ich wollte auch Testen, wo die Grenzen des Scorpion XC H sind. Vermutlich wäre für meinen Fahrstil und meine Standardstreckend eher der Scorpion XC M mit einer etwas weicheren Gummimischung als Hinterrad geeignet. Dennoch hat der Scorpion XC H bei meinen Tests durchweg für super Grip gesorgt und das selbst auf gefrorenen Böden.
Lediglich das sich lehmiger Waldboden so festgesetzt hat, wodurch sich der Grip verschlechterte und sich der Reifen auch auf Asphalt nicht frei fahren lies hat mich etwas enttäuscht.
Was Pannensicherheit angeht, kann ich nicht viel sagen. In meinem Testzeitraum hatte ich keine und ich habe die Mäntel nicht gerade geschont. Daher vergebe ich hier volle vier Sterne und ich werde sicherlich, wenn ich neue Mäntel brauche, auch die Produkte von Pirelli mit in die engere Auswahl nehmen.





