Eher etwas für Cargo-Bikes, als im Sportsektor
VORTEILE
- Genaue Luftdruckkontrolle
- Warnt bei Druckverlust
- Lebensdauer
- Sinnvoll im Cargobereich
- Einfache Montage
- Batterielaufzeit
NACHTEILE
- Teuer
- Sehr groß
- Optik
- App nicht ausgereift
- Kein Mehrwert im Sportbereich
- Batterietausch nicht möglich
BEWERTUNG
Ich habe den AIRsistant von OUTSIDEstories im Sommer 2022 zum Testen bekommen. Ich werde für diese Bewertung weder bezahlt noch bin ich eine Verpflichtung dem Hersteller gegenüber eingegangen. Diese Bewertung spiegelt lediglich meinen persönlichen Eindruck zum bewerteten Produkt wider. Dabei hat sich der Testzeitraum auf ca. sechs Wochen begrenzt.


WAS BIETET DER AIRSISTANT?
Der AIRsistant wurden von Schrader entwickelt und ist ein so genanntes Reifendruckkontrollsystem (RDKS) für Bikes und E-Bikes. Schrader gilt als weltweit führender Hersteller dieser Systeme im Automobilesektor. Mit dem AIRsistant stellt Schrader diese Technologie jetzt auch im Bikesektor bereit.

Der AIRsistant überwacht den Druck und die Temperatur von Fahrradreifen und soll dadurch zu erhöhter Sicherheit und Performance für Trekking-, City-, Mountain- und Cargo-Bikes beitragen. Der integrierte Akku hat eine Betriebszeit von ca. 5000 Stunden. Das bluetoothfähige Gadget ist sowohl für französische Ventile, auch Sclaverand- oder Presta-Ventil genannt und für Autoventile, auch Schrader-Ventil genannt erhältlich.
Der Sensor wird direkt am Ventil montiert, ist nach IP67 Staub- und Wasserdicht und übermittelt nach der Montage Messdaten an einen Fahrradcomputer oder die zugehörige App (iOS oder Andriod). Er ist für einen maximalen Druck von 8,3 bar (120 psi) ausgelegt. Die permanente Überwachung des Reifendrucks trägt zur Sicherheit im Straßenverkehr bei und alarmiert den Fahrer rechtzeitig bei einem schleichenden Plattfuß. Zudem trägt es laut Hersteller dazu bei mehr Fahrkomfort und Akku-Reichweite zu erzielen. Des Weiteren soll dies zu weniger Laufrad- und Felgenschäden sowie einer längeren Lebensdauer von Reifen und Felge führen.

Das System ist in den Liefervarianten für einen Reifen mit einem Sensor, einem Ventilschaft mit Mutter, sowie als Doppelpack mit zwei Sensoren und zwei Ventilschäfte mit Mutter für Vorder- und Hinterrad inklusive einem Ventilkernausdreher und Montageschlüssel zum Einbau erhältlich.
WIE MACHT ER IM EINSATZ?
Leider habe ich zum Testen nur das Set für einen Reifen erhalten. Dieses hat wie oben schon erwähnt, weder einen Ventilkernausdreher noch einen Montageschlüssel zum Einbau. In meinem Fall war dies nicht allzu tragisch, da ich werkzeugtechnisch als Hobby-MTB’ler gut ausgerüstet bin und beides selbst habe, kann aber für nicht so gut ausgestattete Radler nervig sein, da die Montage ohne nicht oder nur schwierig zu bewerkstelligen ist.
Auf das Einzelset greift man wahrscheinlich nur zurück, wenn man entweder ein Cargo-Bike mit 3 Rädern hat und das Doppelset nicht ausreicht, oder man ein defektes RDKS ersetzen muss. Daher sollte in der Regel das Montage-Werkzeug vom Doppelset vorliegen.


Aus welchem Grund man als Tester nur mit dem Erweiterungsset versorgt wird ist mir schleierhaft. Vielleicht liegt es am hohen Preis, denn immerhin legt man knapp unter Dreistellig auf den Tisch um sein Rad mit dem AIRsistant ausstatten zu können. Da ich das Doppelset noch nicht kannte und beide Sets die gleiche Anleitung mit Grafiken der Werkzeuge beinhalten, war ich erst mal verwirrt, weil mir die Tools nicht vorlagen und mir nicht bekannt waren. Daher hatte ich erstmal die ganze Schachtel zerlegt in der Annahme, dass ich etwas übersehen habe.

Die Montage ist, sofern man das richtige Werkzeug besitzt kein Problem und leicht zu bewerkstelligen. Luft raus, Ventilkern raus, AIRsistant drauf, fertig. Für meinen Test habe ich mein Propain Ekano E-MTB mit Tubeless-Bereifung und SV-Ventil verwendet.



Die Einrichtung der App ist simpel und schnell erledigt. Leider muss ich Schrader in der Android App dazu berechtigen mir Marketing-Material zukommen lassen zu dürfen, zu dem geht ohne Account mit persönlichen Daten gar nichts. Das ist sehr fraglich, weshalb das für ein solches System sein muss. Naja als Informatiker hat man ja nicht umsonst eine separate Spam-Emailadresse.
Für die Verbindung zwischen AIRsistant und App, muss man mit dieser einfach den QR-Code des Kontrollsystems einscannen (oder manuell eingeben). Das hat bei mir auf Anhieb und problemlos funktioniert. Zuvor muss man aber noch sein Fahrrad anlegen benennen und klassifizieren, da man mehrere Bikes mit diesem System in der App verwalten kann.







Für die Erstbefüllung des Reifens wird man von der App durch ein Wizard angeleitet. Hier kann man sehr praktisch mittels des Druckrechners durch wenige Parameter, wie Fahrradtyp, E-Bike, Tubeless, Reifengröße und Fahrergewicht den Idealwert finden. Für den Laien ist das sehr hilfreich. Mir persönlich hat es nicht weitergeholfen, da ich, je nach Tour verschiedene Setups im Kopf habe.
Für ein MTB ist das Setup für eine Straßentour auf der einen und Bikepark auf der anderen Seite durch aus sehr verschieden. Auf Teer möchte ich möglichst wenig Rollwiderstand, ergo hoher Druck, auf Trails mehr Grip, was bedeutet, dass ich weniger Druck fahre. Mit der App ist es aber auch möglich basierend auf den persönlichen Vorlieben denn bevorzugten Druck für Vorder- und Hinterreifen manuell zu wählen. Sobald sich der Druck im ausgewählten Bereich befindet, wird der Reifen auf welchem sich der Sensor befindet grün dargestellt. Weicht der Druck ab ist dieser rot.





Was mich wirklich nervt ist, dass ich die Parameter jedes Mal neue eingeben muss, und sich die App die Selektion nicht merkt. Im Hauptmenü lässt sich noch der Signalton einstellen, welcher ertönt, wenn der Luftdruck ein kritisches Level erreicht. Zudem lässt es sich mit der App navigieren, in meinen Augen aber unnütz da es unendlich viele Apps gibt, welche reine auf Navigation spezialisiert sind. Daneben existiert noch das klassische Einstellungen Menü für Sprache, Normeinheiten und Co.

Als stylebewußtem MTB’ler ist die Optik des teuren Untersatzes nicht ganz unwichtig. Man ist ja durchaus eitel was das angeht, schließlich wird das Bike optimiert wo es nur geht. Das RDKS ist wirklich riesig und verschandelt in meinen Augen die Optik enorm. Daher wird es bei mir sicher nicht am Bike bleiben.
Der Sensor ist zudem frei drehbar, was bedeutet er kann seitlich herausstehen und im schlechtesten Fall irgendwo anecken und dabei kaputtgehen. Warum der Sensor nicht so fixiert werden kann, dass er parallel zwischen den Speichen bleibt, kann ich nicht nachvollziehen. Das Gewicht ist mit den ca. 20g am 29’ger MTB Reifen absolut nicht merkbar, wie es bei ultraleichten Carbon Rennrad-Rädern aussieht vermag ich nicht zu beurteilen. Bei den Grammfetischisten im Rennrad-Sport ist das vermutlich zu viel.

In meinen Augen macht das System im Bikesport-Sektor keinen großen Sinn, da man je nach Tourenplanung den Reifendruck vorher justiert und mit einem Messgerät (erhält man für um die 30€) justiert. Ich fahr wie bereits erwähnt unterschiedliche Einstellungen, abhängig davon, ob ich eine Straßentour mit den Kindern mache, oder im Wald beim Trailsurfen oder eben auf Parkmodus fahre. Bei den beiden letzteren habe ich auch einen unterschiedlichen Druck im Hinter- und Vorderreifen.
Dem Laien reicht aber eigentlich auch der altmodische Daumedrucktest zum Prüfen des Drucks. Ich fahre schon sehr lange MTB und hatte noch nie einen schleichenden Plattfuß am Bike. Wenn ich bisher einen Platten hatte, dann gleich richtig. Meist auf einen Nagel, Durchschlag beim Springen oder andere spitze Gegenstände zurückzuführen. Das hört und merkt man sofort, dafür brauche ich also kein System, welches mir sagt, dass der Reifen platt ist.
Ich habe zudem immer ein Tubeless-Reperatur-Set oder Ersatzschlauch und Pumpe dabei. Bei Tubeless kann es auch mal vorkommen, dass ich erst Zuhause beim Putzen merke, dass etwas im Reifen steckt, weil die Milch unterwegs einen Druckverlust durch Versiegeln nahezu komplett verhindert hat. So habe ich schon so manchen Nagel durch die Gegend gefahren. Ich habe aber für mein Tubeless-Bike schon oft darüber nachgedacht es mit einen Runflat-Inlay auszustatten, das sieht man nicht und es schütz vor Stürzen bei einem schlagartigen Platten. Die Warnung des AIRsistant bringt mir in dem Fall nämlich wenig, wenn ich gerade einen Abflug mache.
Die direkte Kopplung des Systems an einen Fahrradcomputer kann ich leider nicht testen und bewerten, da mein Propain Ekano mit dem EP8 Motor und dem Steps-Computer von Shimano nicht kompatibel ist. Aktuell ist der AIRSystem meines Wissens nur mit Garmin Fahrradcomputern eine Verbindung realisierbar.
WAS STECKT HINTER DER MARKE SCHRADER?

Die Firma Schrader existiert seit mittlerweile 165 Jahre und ist weltweit Markführer in der Messsensorentechnologie. Gegründet wurde es 1844 vom deutschen Einwanderer August Schrader in Manhatten (NY). Zu Beginn entwickelte der Mechaniker und Erfinder Anschlussstutzen und Ventile für Gummiprodukte wie Luftkissen und Schwimmwesten. Durch sein Interesse en am Tauchen wandte er sich der Verbesserung von Tauchhelmen und Luftpumpen zu. Dies verhalf dem noch jungen Unternehmen, zu seinen ersten großen Erfolgen. In zweiter Generation stieg Sohn Georg 1890 in das Geschäft mit ein und Vater August konnte seine Aufmerksamkeit Fahrrädern zu wenden, welche um diese Zeit mit den neuartigen pneumatischen Reifen ausgestattet wurden. Er entwickelte das auch heute noch bekannte, in und nahezu jedem Auto verwendete Schraderventil, welches auch als Autoventil bekannt wurde. Durch diese patentierte Pionierarbeit gelang den Schraders der große Durchbruch. Der Erfindungsgeist, tief verwurzelt im Unternehmen führte in jüngster Zeit zur Entwicklung eines Reifendruckkontrollsystems (TPMS), welches weltweit häufig auch Pflicht ist für Neuwagen. Schrader ist globalführender Lieferant von TPMS-Sensoren und -Ventilen. Mehr als 54 Prozent aller globalen OEM-Fahrzeugplattformen verwenden die direkte TPMS-Technologie von Schrader, wobei mehr als 300 Millionen Schrader TPMS-Sensoren weltweit eingesetzt werden.
FAZIT?
Der AIRsistant ist ein nettes Gadget zur Reifendruckkontrolle. Er könnte aber in meinen Augen deutlich kleiner sein. Die App hat durch aus noch Optimierungspotential. Ich vermute hier wird aber auch noch dran gearbeitet, das sieht man auch daran, dass man im Menü bei „Aktivitäten“ noch die Info „Kommt bald“ angezeigt wird.
Im Bikesportsektor ist er meinem Empfinden nach unsinnig. Zudem gibt es mittlerweile Runflat Inserts auf dem Markt, welche im MTB-Bereich zu erhöhter Sicherheit bei Platten beiträgt. Interessant ist ein RDKS aber durchaus für Lastenfahrräder zumal diese dank E-Support mittlerweile gar nicht mal so langsam unterwegs sind.
Im Cargobereich mit schwereren Lasten (Ich denke dabei an Postboten, Mütter mit den Kids, Kurrierräder, Rikshas und viele mehr) kann es auch mal gefährlich werden, wenn etwas nicht stimmt mit dem Reifendruck. Daher finde ich das System für diesen Bereich gar nicht so verkehrt. Im Park werde ich es wohl eher nicht zu Gesicht bekommen, genug der Worte und ab aufs Bike #wirsehenunsdraussen














