Überzeugender Airbag-Rucksack: Jain
VORTEILE
- Massiver Schutz
- Airbag Rucksack kann als kleiner Daypack verwendet werden
- Einfache Installation
- Kopplung mit App möglich
- Hoher und entspannter Tragekomfort
- Autarke Sensorik
NACHTEILE
- Ersetzt nicht einen Helm
- Zusätzliches Gewicht + geringere Aerodynamik schwierig für Rennradfahren
- Belüftung des Rückens kaum gegeben
- Reißverschluss zum Airbag verhakte beim Test
BEWERTUNG
Mase AirRide
Mein Setup & Einsatzzweck
Ich bin regelmäßig auf dem Gravelbike unterwegs – von Schotterwegen im Mittelgebirge bis zu leichten Trails (S1/S2) und längeren Bikepacking-Touren. Ich trage keinen Full-Face-Helm, fahre sportlich aber nicht rennmäßig und bin viel solo unterwegs. Zudem radel ich täglich ca. 16 Kilometer zur Arbeit Sicherheit ist mir wichtig – aber nicht um den Preis von Komfort oder Bewegungsfreiheit. Da ich wie gesagt häufiger Solo unterwegs bin, habe ich auch schon verschiedene Systeme ausprobiert, die im Falle eines Sturzes ein Notrufsignal auslösen. Damit es vielleicht erst gar nicht zu einem Notruf kommen muss, hat Mase den AirRide entwickelt, welcher einem Airbag gleich bei einem Sturz auslösen und dich schützen soll. Also ran an den Test:
Erster Eindruck & Verarbeitung
Der MASE AirRide kommt in einem soliden Karton, mit Anleitung, Ladegerät, Inflatoreinheit und dem Airbag-Rucksack selbst.


- Design: Schlicht, funktional und modern. In Schwarz oder Grau erhältlich, passt gut zum sportlichen Look.
- Verarbeitung: Hochwertige Materialien, sauber vernäht. Die Reißverschlüsse wirken stabil, der Rucksackkörper robust und angenehm gepolstert.
- Tragekomfort: Etwas schwerer als ein normaler Bike-Rucksack (ca. 1,2 kg), aber gut ausbalanciert.
Der Rucksack kommt von den weiteren Verstaumöglichkeiten eher einem Trailrunning-Rucksack gleich, sodass zwar ein paar Kleinigkeiten aber nicht viel in den Rucksack hineingeht.
Technik & Funktionen
- Sensorik: Der AirRide misst 300x/Sekunde Bewegungsdaten und soll binnen Mester/Sekunde kritische Situationen (Sturz, Aufprall) erkennen.
- Die Airbag-Auslösung funktioniert mit einer CO₂-Kartusche – bei Auslösung bläst sich der Airbag in Sekundenschnelle auf.
- Schutzbereiche: Rücken, Schultern, seitlicher Brustkorb – der Kopf bleibt frei (anders als z. B. beim Hövding).
- Wiederverwendbar: CO₂-Kartusche lässt sich selbst tauschen – einfach, aber nicht ganz billig (ca. 50 € pro Patrone).
- Akkulaufzeit: Rund 25 Stunden aktive Nutzung, Laden über USB-C (ca. 3 h Ladezeit).

Als Erstes die Montage bzw. Installation.
Dies verläuft super easy. Die mitgelieferte Kartusche muss einfach im Innern des Rucksacks eingeklickt werden, der Akku schnell aufgeladen werden und schon kann der Airbag genutzt werden. Selbst für meine zwei linken Hände verlief die Instandsetzung und Aktivierung super easy. Gleichzeitig bietet Mase den überragend entspannten und guten Service von Anleitungsvideos bei Youtube, mit denen es dann auch wirklich jeder schaffen sollte.
Bei den Bildern sieht man, dass man nur den roten Stift herausziehen muss, Kartusche fest reindrücken und dann den roten Stift wieder hineinführen. Fertig.



Dann muss er nur noch aufgeladen werden. USB-Kabel werden mitgeliefert. Werden des Aufladens brennt das unten zu sehende rote Lichtlein.


Jetzt kann es aber losgehen.
Also nach draußen aufs Rad und ran an den Test.

Der Rucksack sitzt zunächst erst einmal gut und drückt nirgends. Auch das Gewicht finde ich eigentlich noch völlig ok. Dazu gleich aber noch mehr.

Um zu überprüfen, ob alles ordnungsgemäß funktioniert, gibt es einen Selbsttest. Dazu klickt man den oberen Brustgurt zusammen. Ein rotes Lichtlein blinkt. Warten bis dies mit einem grünen Lichtlein abschließt und man hat die Gewissheit, dass alles technisch einwandfrei installiert ist.
Man startet die Sensorikimmer erst, indem man den oberen Brustgurt verschließt. Diesen sollte man, sofern man das System nicht nutzen möchte, in die Parksituation befördern. Dafür gibt es extra Halterungen am Brustgurt, wo sich die der Verschluss einhängen kann. Daher am besten erst nach dem Aufsteigen aktivieren und vorher deaktivieren


Des Weiteren kann ich nach der Testphase festhalten, dass mir folgenden Aspekte beim AirRide gut gefallen haben:
- , dass ich relativ schnell ein Gefühl von Sicherheit hatte. Dies insbesondere, wenn es bergab ging oder ich auf losem Untergrund gravelte.
- Sehr guter Schutz bei Stürzen
Gerade auf Abfahrten, bei Gegenverkehr oder in unübersichtlichen Kurven kann ein Sturz extrem gefährlich werden. Der AirRide schützt dann genau die Zonen, die oft betroffen sind: Schlüsselbein, Schultern, Rücken, Nacken. - Sinnvolle Ergänzung zum Helm
Viele Helme (auch teurere) schützen nur den Schädel – nicht die Halswirbelsäule oder Schultern. Der AirRide ergänzt das sinnvoll, v. a. bei Fahrten solo oder mit wenig Infrastruktur (z. B. in den Alpen). - Trotz Technik angenehm zu tragen: Sitzt stabil am Rücken, verrutscht nicht – auch bei ruppigen Passagen.
- Praktisch beim Test war, dass der Rucksack auch als kleiner Daypack durchging, mit seinem kleinen Stauraum für Tools, Snacks, Windjacke und somit ideal für 2–4-Stunden-Ausfahrten war.


- Heutzutage vielleicht auch nicht mehr ganz normal, aber das System funktioniert mit einer autarken Sensorik: Kein GPS oder App-Zwang, funktioniert komplett offline und ohne Cloud.
Gleichzeitig gab es beim Test aber auch ein paar negative Aspekte, die zu benennen sind.
- Zusätzliche Masse: Man merkt das System auf längeren Touren (v. a. bergauf) – nicht schwer, aber eben spürbar.




Mit rund Kilo Eigengewicht ist der AirRide für Gewichtsfanatiker sicher ein No-Go. Wer z.B. sein Rad auf Kilo runtertrimmt, wird nicht freiwillig so viel „draufpacken“. Auch wenn natürlich der Grund dafür ein mehr als guter ist.
- Keine Lüftung am Rücken: Gerade an heißen Tagen schwitzt man mehr als mit minimalistischen Rucksäcken.

- Preis: Rund 700–800 Euro UVP – viel Geld, aber wohl doch gerechtfertigt durch Innovation und Schutz.
- Fehlauslösungs-Angst: Ich hatte keine, aber die Möglichkeit bleibt – z. B. bei sehr abruptem Absteigen oder unorthodoxem Fahrverhalten.
- Kein Schutz bei extremem Highspeed-Sturz: Der Airbag schützt, aber ersetzt natürlich keine Vollausrüstung bei Downhill-Stürzen. Der Fairness halber muss man hier dazu sagen, dass Mase auch nicht damit wirbt und definitiv davon abrät, ihn bei Full-MTB Fahrten in irgendwelchen Bikeparks zu tragen. Dennoch bin ich zu Weilen auf Tour und weiß vorher noch nicht genau, welche Verhältnisse mich erwarten. Dann wäre ich natürlich gerne auf alles vorbereitet.
- Um ihn immer dabei zu haben, fehlt mir einfach noch zusätzlicher Stauraum. Habe ich auf meinen MTB Touren meist mehr Material dabei, als dass es in den AirRide passen würde. Auch müsste ich auf dem Weg zur Arbeit auf eine unliebsame Radtasche umsteigen, wollte ich den AirRide nutzen.
Airbag-Auslösung: Selbsttest?
Ich habe keine echte Auslösung erlebt – und das ist auch gut so. Aber ich habe mir einige Testvideos angesehen:
- Die Auslösung erfolgt ruckartig, aber sanft – keine Explosion, eher ein deutliches "Pffft"
- Der Schutzbereich umfasst: Rücken, Nacken, Schultern, obere Brust
- Der Kopf bleibt frei – daher kein Ersatz für den Helm, sondern Ergänzung.
Im Fall einer Auslösung wird der Airbag wieder „entlüftet“, zusammengefaltet, der Inflator getauscht. Das dauert rund 10–15 Minuten, mit etwas Übung. Den Reißverschluss zum Airbag habe ich auch einmal selbst getestet. Dieser ist in Dreieckform aufgebaut mit drei integrierten Schlitten. Bei mir führte das Öffnen dieser jedoch leider dazu, dass sich der Schlitten verhakte und der Reißverschluss nur mit sehr, sehr viel Fummelei und Kraft wieder in seine richtige Bahn gebracht werden konnte. Auch danach ärgerten mich die Reißverschlüsse durch selbstständiges Öffnen. Die Gebrauchsanweisung des Herstellers wurde dabei beachtet. Sollten die Probleme mit dem Reißverschluss häufiger vorkommen, würde ich einen Garantiefall stellen.


Danach muss man die Kartusche wieder ersetzen (ähnlich wie bei Lawinen-Rucksäcken). Hier kommen dann noch einmal ca. 50 Euro für eine neue Kartusche auf einen zu. Nicht wenig Geld, aber irgendwie auch wiederum angemessen.
Mein Fazit:
Kauf ihn dir, wenn dir das zusätzliche Gewicht und die etwas weniger gute Aerodynamik egal ist. Insbesondere Menschen, die längere Touren mit Radtaschen machen bzw. keinen normalen Rucksack tragen, werden uneingeschränkt Freude haben und kaum spürbare Nachteile durch den AirRide haben. Ganz im Gegenteil.