Allrounder mit sehr weitem Einsatzspektrum
VORTEILE
- Komfort
- Volumen
- Einsatzbereich
- Zugriff auf Fächer
- gut sortierbar
- Qualität
NACHTEILE
- Gewicht
- Preis
- Bändel am Hüftgurt nicht verstaubar
- bei hohen Temperaturen vermutlich nicht genug belüftet
BEWERTUNG
Als OutsideStories mich fragte, ob ich den Altus ND40:45 testen möchte war die nächste Reise schon (so gut wie) geplant und so begleitete er mich für 7 Tage (davon 2 Tagestouren und eine 5 tägige Trekkingtour) durch die schottischen Highlands.

Eigentlich war geplant einen zweiten Rucksack als Tagesrucksack mitzunehmen, da Lowe Alpine aber „leichte Alpinwanderungen von Hütte zu Hütte, Bergsteigen, Ski- und Wintertouren“ als Einsatzbereich angibt wollte ich ihn in beiden Extremen, sowohl auf Tagestouren als auch einer Trekkingtour mit Zelt (was beides nicht mehr so wirklich in den Einsatzbereich fällt) testen. Um eins vorweg zu nehmen, er hat meine Erwartungen übertroffen.
Aber jetzt zum Rucksack selbst:
Der Altus ND40:45 ist mit einem großen Hauptfach ausgestattet, auf welches sich sowohl klassisch von oben als auch von vorne zugreifen lässt. Vor allem auf Touren mit viel Gepäck habe ich dieses Feature bei meinem vorherigen Rucksack in dieser Größenordnung sehr vermisst. Es ist so unfassbar praktisch, schnell mal eine Jacke, welche man versehentlich nach unten gestopft hat, heraus holen zu können, oder sich abends einen besseren Überblick über das, am Morgen schnell zusammen geworfene Gepäck zu verschaffen. Außerdem ist es um 5l erweiterbar, damit auch auf der letzten Etappe noch ein paar Mitbringsel rein passen ?.


Die Unterteilung des Hauptfaches (deren Aufbau mich anfangs zugegebenermaßen etwas verwirrt hat) ist beim Altus ND 40:45 so hochgezogen, dass man von vorne Zugriff auf beide Seiten hat. Dies ist auch nötig, da leider kein separater Zugang zum Bodenfach vorhanden ist. Das Bodenfach wird vom Hauptfach durch eine „Wand“ mit Reißverschluss getrennt, welcher komplett geöffnet werden kann, damit man ein großes Hauptfach erhält. Es ist allerdings empfehlenswert, ihn wirklich nur dann komplett zu öffnen. In allen anderen Fällen sollte man nur den vorderen Teil des Reisverschlusses aufziehen, welcher sich direkt am Frontzugriff befindet. Dann ist er auch leicht wieder zu schließen.

Direkt auf der Frontöffnung aufgesetzt befindet sich ein großes offenes Fach mit Gummizug, welches vermutlich für einen Helm gedacht ist. Ich nutze es vor allem, um Jacken zu verstauen, welche ich im Laufe des Tages immer mal wieder an und ausziehe. Außerdem befindet sich dort eine weitere verschließbare Tasche für Kleinigkeiten, welche ich allerdings selten genutzt habe.
Das Deckelfach ist in ein inneres und ein äußeres Fach aufgeteilt. Im äußeren Fach habe ich meistens Regenkleidung untergebracht, um diese schnell zur Hand zu haben und im Inneren ein Erste-Hilfe-Paket. Hier sind auch die alpinen Notsignale abgedruckt, damit man im Ernstfall nicht denken muss, sondern sofort handeln kann.

Zwei weitere verschließbare Taschen sind am Hüftgurt angebracht. An diesen gefällt mir besonders gut, dass sie aus einem Stretch-Stoff gefertigt sind und somit viel Platz bieten, aber im leeren Zustand nicht auftragen und damit ein „an den Armen scheuern“ verhindern.

Seitlich am Rucksack sind zwei große Netztaschen für Flaschen oder sonstigen Kleinkram angebracht. Und auch sonst gibt es zahlreiche Befestigungsmöglichkeiten, sei es für Stöcke (Faltstöcke müssen leider im Rucksack verstaut werden), Axt, Zelte, Isomatten oder sonstige Dinge, es gibt genug Daisy chains, Kompressionsriemen und extra Stock- bzw. Axthalterung, um alles unter zu bekommen.
Zusammenfassend lässt sich hier sagen, der Altus ND40:45 ist ein wahres Raumwunder. Wenn alle Kompressionsriemen zusammengezogen sind ist er kaum größer als mein 20 Liter Tagesrucksack, aber wenn man es braucht bekommt man gerne Equipment für eine Campingtour unter und das auch noch gut organisiert, sodass man jederzeit Zugriff auf fast alles hat. Das Platzangebot überzeugt mich vollkommen.
Das Tragesystem ist sehr steif gebaut. Was erst einmal unbequem klingt, fand ich vor allem mit viel Gepäck sehr komfortabel. Sowohl der Hüftgurt als auch die Schultergurte saßen sehr angenehm, wo sie sollten. Somit gab es keine Scheuer- oder Druckstellen. Der rückennahe Aufbau des ND Air Contour+ Tragesystems bringt den Schwerpunkt nah an den Körper heran. Angepasst werden kann: die Rückenlänge, welche in der Frauenversion zwischen 43cm und 48cm liegt, Riemen zur Lastenkontrolle, an Schulter und Hüftgurten, sowie natürlich einen Brust- und Hüftgurt. Am Hüftgurt hätte ich mir allerding eine Möglichkeit gewünscht, die Bändel zu verstauen, da diese mich beim Gehen nerven.


Der Brustgurt ist nicht stufenlos verstellbar, sondern wird in Daisy chains eingehängt. Um ehrlich zu sein bin ich mir noch nicht sicher, ob mir dieses System gefällt oder nicht. Ein großer Pluspunkt ist natürlich die einfache Auswechselbarkeit einzelner Komponenten. Allerdings bin ich jemand, der über den Tag hinweg gerne die Einstellungen immer wieder etwas verändert, was sich hierdurch fummelig gestaltet. Mit der Belüftung war ich bei Temperaturen zwischen -1°C und 10°C sehr zufrieden. Mein Rücken wurde schön warmgehalten, aber niemals zu warm. Bei hohen Temperaturen möchte ich allerdings nicht auf ein System ohne Rückenkontakt verzichten.
Zur Wasserfestigkeit kann ich leider (oder zum Glück) nicht allzu viel sagen, da es wider Erwarten nicht geregnet hat. Allerdings kommt der Altus ND40:45 mit einer Regenhülle, welche ihr extra Fach hat und übergezogen an den Seiten gegen verrutschen eingehängt werden kann. Somit sollte er sehr gut geschützt sein.

Qualitativ scheint mir der Altus ND40:45 super. Nach einwöchiger Benutzung sind noch alle Nähte fest und der Stoff sieht aus wie neu. Dafür, dass Lowe Alpine hier nicht spart spricht auch die (beschränkt) lebenslange Garantie.
Resümee: Der Lowe Alpine Altus ND40:45 hat mich wirklich überzeugt. Wie jeder Rucksack ist er nicht perfekt, aber jede Kritik ist hier jammern auf hohem Niveau. Dieses hat natürlich auch seinen Preis. Mit stolzen 170 Euro ist er sicherlich einer der hochpreisigeren Rucksäcke seiner Größenordnung und mit 1,66kg auch kein Leichtgewicht, trotzdem habe ich ihn in dem kurzen Testzeitraum, den ich ihn dabei hatte, lieben gelernt und er wird mich sicherlich noch öfter begleiten dürfen.


















