Gute Ansätze ....verbesserungsfähige Grundlage für einen guten Rucksack
VORTEILE
- leicht
- erweiterbares Hauptfach
- langer Protektor
- bequem / guter Sitz
- atmungsaktiv
NACHTEILE
- Zierliche Reisverschlüsse
- Fächeraufteilung/ Beschriftung
- sehr dünnes Material
- kein Regencover, Protektorenhalterung
- Befestigung Dry Bag, Helmhalterung
BEWERTUNG
Mein erster Eindruck, als ich den Rucksack "Tourpack" der Firma Komperdell in der Hand hielt lässt sich schnell zusammenfassen :
- leicht
- schmal
- dünnes Material
Da ich schon viele Bikerucksäcke hatte und mittlerweile meinen dritten Rucksack mit Protektor fahre, war ich schon sehr gespannt auf den Komperdell. Ich kannte die Firma bisher nur von Protektoren für den Skisport.
Der Rucksack wurde im Testzeitraum auf verschiedenen Touren / Trails benutzt, zum Beispiel auf den Trails um Kirchberg in Tirol, in Innsbruck und in den rheinlandpfälzischen Wäldern meiner Heimat, wodurch er im rauen alpinen Gelände aber auch in den sanften deutschen Mischwäldern unterwegs war und am Ende eine dreistellige Testkilometer Anzahl, sowie eine vierstellige Anzahl an Höhen- und Tiefenmetern gesammelt hatte und den Testzeitraum überlebt hat!
Nach dem Auspacken habe ich ihn auch direkt mit meinem Rucksackinhalt beladen, den ich eigentlich immer dabei habe (siehe Foto unten), dies sind:
- kleine Pumpe, Flickzeug, Multitool, Leatherman, Erste-Hilfe-Set, Ersatzschlauch, Riegel, Schlüssel, Handy, Geldtasche, Kabelbinder, Windstopper. All diese Bestandteile fanden Platz im Tourpack, der dafür nicht erweitert werden musste.

Der Rucksack ist schon fast komplett gefüllt mit dem Inhalt für kleine Touren (Fach nicht erweitert)
Nach dem ersten Packen und der ersten Fahrt fielen mir schon einige Aspekte auf, die mir gefielen bzw. nicht gefielen. Nun möchte ich auf die oben genannten Aspekte (positiv / negativ) näher eingehen. Ich starte mit den mir positiv aufgefallenen Eigenschaften.
Gewicht
Der Rucksack ist insgesamt sehr leicht. Dies liegt an den sehr dünnen Materialien, dem „Schaumstoff“ Protektor und der minimalistischen Anfertigung. Des Weiteren ist der Rucksack sehr schmal gebaut. Durch das Gewicht ist er sehr angenehm auf längeren Touren. Des Weiteren finde ich ihn eine optimale Alternative zu den größeren, schwereren Rucksäcken, wenn man nur eine schnelle Runde fahren möchte und trotzdem einen Protektor auf dem Rücken haben möchte. Auch für Bikepark Besuche wäre er durch seine Größe eine gute Option.
Erweiterbares Hauptfach
Durch das erweiterbare Hauptfach wird aus dem schmalen Rucksack ein richtig Großer, wodurch er sich dann auch für größere Tagestouren eignet, bei denen man problemlos folgende Gegenstände unterbekommt: Werkzeug, First-Aid, Verpflegung, Ersatzschlauch, Luftpumpe, Wechselkleidung und Regenjacke, mit bisschen Glück und je nachdem was die Protektoren für eine Größe haben, passen diese auch noch rein. Negativ muss man jedoch anmerken, das der Rucksack dann keine schöne Optik mehr aufweist, weil überall vom Inhalt Beulen erscheinen und das dünne Stretchmaterial sehr gedehnt wird (siehe Foto).

Leider kein schöner Anblick - bei voller Beladung und erweitertem Hauptfach drückt sich der Inhalt durch das dünne Außenmaterial.
Rückenprotektor
Zum Rückenprotektor lässt sich sagen, dass dieser sehr lang ausfällt und dadurch die ganze Wirbelsäule und das Steißbein schützt. Jedoch deckt der Rucksack / Protektor durch die schmale Bauweise nicht die komplette Rückenseite/ Schulterbereich ab. Des Weiteren verformt er sich durch das weiche Material sehr leicht, wodurch der Rucksack keine starre Form annimmt, sondern sich um den Rück schmiegt, wenn er festgezogen getragen wird. Zum Schutz kann ich nix sagen, weil ich während meines Testzeitraums nicht gestürzt bin, hier vertraue ich Komperdell aber, da die Firma aus dem Skisport sehr viel Erfahrung besitzt. Mittlerweile hat der Härtegrad und die dicke von Protektoren auch nichts mehr zusagen bezüglich Schutzwirkung, weshalb man sich hier keine Gedanken machen muss.
Tragekomfort
Unter diesem Aspekt möchte ich die Punkte: bequem, atmungsaktiv und guter Sitz näher erläutern.
Durch den oben erwähnten dünnen Protektor sitzt der Rucksack bequem auf dem Rücken und drückt nicht, weil er sich der Körperform/ Sitzposition anpasst.
Da der Rucksack nicht den ganzen Rücken bedeckt habe ich auch nicht so viel geschwitzt, jedoch wird es doch ganz schön nass/warm im Bereich des Rucksackes. Die Polster sind falsch positioniert bzw. zu klein, dass hier die warme Luft zirkulieren kann und die Atmungsaktivität besser wäre.
Durch die Gurte, die sehr elastisch sind, kann der Rucksack stramm auf dem Rücken befestigt werden, sodass er selbst bei wilden Trailabfahrten und Sprüngen fest auf dem Rücken sitzt und nicht wackelt oder stört. Dies ist auch im Falle eines Aufpralls von Vorteil, wenn der Rucksack möglichst komplett an seiner Position verbleibt.
Dies sind leider auch die einzigen positiven Aspekte, die mir aufgefallen sind. Viele negativen Punkte sollte man als Verbesserungsvorschläge sehen, die eine gute Grundbasis zu einem meiner Meinung nach sehr gelungen Rucksack machen würden, falls sie ausgebessert werden.
Reisverschlüsse
Solch kleine/zierliche Reisverschlüsse habe ich an noch keinem Rucksack gesehen, der für den Outdoorsport gedacht ist. Selbst Wanderhosen haben größere. Mich stört die Größe aus verschiedenen Gründen:
- Wenn man das Hauptfach erweitern möchte muss man sehr behutsam ziehen, weil man sonst Angst hat etwas kaputt zu reisen.
- Des Weiteren klemmen sich die kleinen Reisverschlüsse häufig ein, dies ist nervig!
- Ein weiterer Aspekt, der gegen solch kleine Reisverschlüsse spricht, dass man sie nur sehr umständlich mit den Handschuhen greifen und dann schließlich benutzen kann.
Hier musste ich mich wirklich fragen, wieso keine anständige Größe verwendet wurde.
Immerhin haben sie den Testzeitraum überstanden, dies lag aber nur an dem behutsamen Öffnen/ schließen und weil ich das Hauptfach meist klein gelassen habe, weil es mich ehrlich gesagt genervt hat und das Volumen für die meisten Touren gereicht hat. Diese kleinen Reisverschlüsse sollten dringend bei Nachfolgern ausgebessert werden.
Fächeraufteilung
Der Rucksack besitzt neben dem Hauptfach eine Frontfach, ein Brillenfach und an den Hüftgurten jeweils ein kleines Fach. Im Hauptfach findet man vier unterschiedlich große Netztaschen, das Fach für die Trinkblase, einen Wäschesack für Wechselkleidung und Gummiriemen. Nun möchte ich der Reihe nach auf die einzelnen Fächer eingehen.
Fronttasche: Die Fronttasche wird als „Toolpocket“ bezeichnet. In ihr ist ein Gummiband mit einer Schnalle, an das man das Tool befestigen könnte. Mehr als ein Multitool passt jedoch nicht rein, weshalb ich hier kein Werkzeug verstaut habe, sondern meinen Schlüssel. Ich zumindest habe mehr als ein Multitool an Werkzeug dabei, weshalb das ganze Werkzeug in den Netztaschen im Hauptfach verstaut wurde.
Brillenfach: das Brillenfach ist groß genug für eine Sonnenbrille, eine Googel, die mittlerweile bei Enduro / Trailfahrern sehr beliebt ist, passt jedoch nicht rein. Neben der Sonnenbrille hatte hier auch meine Geldtasche ihren Platz. Das Fach wird ebenfalls durch einen zierlichen Reisverschluss verschlossen und kann getrennt vom Hauptfach geöffnet werden.
Hüfttaschen: Die Hüfttaschen fallen ebenfalls sehr klein aus. Hier hatte ich einen kleinen Riegel / Gel verstaut und mein Liftticket (siehe Foto), mehr passt hier leider nicht rein. Eine größeres Fach, dass vielleicht auch ein Handy aufnehmen kann wäre wünschenswert, damit man sein Handy z.B. im Notfall schnell zur Hand hat.


Liftkarte und Riegel finden ihren Platz in den Taschen am Hüftgurt, mein Handy (Sony Xperia Aqua) hat leider nicht reingepasst, schade!
Hauptfach: Im Hauptfach gibt es vier unterschiedlich große Netztaschen (siehe Foto). In das untere passt gerade so ein perfekt zusammengerollter Schlauch rein. In das größere Fach obendrüber, der „Phone Pocket“ habe ich Reifenheber, Multitool, Flickzeug und zwei kleine Riegel untergebracht. Daneben findet man ein längliches dünnes Fach, was vermutlich für die Pumpe gedacht ist, hierfür wurde es auch benutzt. Auf der gegnüberliegenden Seite findet man ebenfalls eine Netztasche, das vierte Fach, hier hatte ich das First-Aid-Pack untergebracht, mehr hat in das Fach aber nicht gepasst. Bei dieser Beladung muss man sich ebenfalls überlegen wo man nun noch Wechselkleidung, Proviant etc. unterbringen möchte, hier bieten dann nur noch die Ränder am Rucksack Platz.

Die Fächeraufteilung könnte besser sein....gut zuerkennen die Befestigungsriemen an den Seiten, die leider alles andere als praktisch sind (siehe unten)!
Den Gummiriemen habe ich ehrlich gesagt nicht benutzt, weil ich nicht wusste was ich damit machen soll, so konnte er den Ersatzschlauch umspannen....
Trinkblase: Das Fach für die Trinkblase befindet sich hinter all diese Fächern. Ich muss ehrlich zugeben, ich bin nie mit Trinkblase gefahren, weil es extrem unstädnlich war die gefüllte Trinkblase in das Fach zu bekommen. Die Schlauch Verlegung ist ebenfalls sehr mühsam. Des Weiteren muss man hierfür den Wäschesack abnehmen. Immerhin lässt sich der Schlauch vom Beutel nehmen, wodurch man beide Teile halbwegs säubern kann. Da die Trinkblasen immer problematisch sind zum Reinigen und Trocknen, benutze ich generell nach Möglichkeit lieber Trinkflaschen (auch bei anderen Rucksäcken).
Wäschesack: das ein Tourenrucksack einen Wäschesack für trockene Wäsche besitzt, finde ich super. Jedoch ist es hier wieder an der Umsetzung gescheitert, die Befestigung mit den Klammern (siehe Foto) ist extrem fummelig und nervig, weshalb der Sack über den Testzeitraum nur noch an drei Stellen befestigt war, damit ich die Fächer die dadrunter liegen erreichen konnte. Ich habe mehrmals versucht den Sack wieder komplett zu befestigen, habe es aber dann irgendwann aufgegeben. Im „Dry Bag“ passt ein Trikot bequem rein, meine Hardshell Regenjacke hat allerdings nicht gepasst.

Die Befestigung mit den Klammern ist eine einfache Lösung, allerdings umständlich, unpraktisch und nerviges Gefummel...
Material:
Der Rucksack besteht aus einem sehr dünnen elatsischen Material, wodurch er leicht und dehnbar ist. Dies führt jedoch zu einer unschönen Optik bei voller Beladung (siehe Foto). Des Weiteren glaube ich bei einem Sturz auf den Rücken, bzw. den Rucksack, das das äußere Material das direkt aufgerieben ist.

Sonstiges:
Ansonsten möchte ich negativ anmerken, dass der Rucksack kein Raincover besitzt, weshalb er bei Starkregen an seine Grenzen kommt und nach Schlammtouren dementsprechend ausschaut.

Dank fehlendem Raincover sieht der Rucksack nach seiner ersten Fahrt alles andere als neu aus ;) Sobald der Schlamm getrocknet war konnte man ihn aber gut mit einem Handbesen abbesen....allerdings sammelt sich der Dreck in dem unteren Teil (Protektor) hierfür hilft nur die Waschmaschine. Die versiegelten Reisverschlüsse sind aber eine gute Idee und sinnvoll an einem MTB-Rucksack.
Des Weiteren ist mir aufgefallen, dass der Rucksack keine Halterung für Protektoren besitzt, weshalb diese auch in das Hauptfach gequetscht werden müssen. Ein Rucksack der einen Rückenprotektor besitzt ist nun mal für Touren gedacht bei denen es mal härter zugeht, bzw. auch in den Bikepark, weshalb eine Halterung für Protektoren meiner Meinung nach selbstverständlich sein sollte.
Außerdem fande ich die Helmhalterung auf den Schultergurten nicht überzeugend, weshalb ich sie auch nie benutzt habe, mich hat es gestört wenn der Helm im Nacken / auf den Schultern lag bzw. gewackelt hat, hier wäre ein Helmnetz sinnvoller.
Des Weiteren ist mir aufgefallen, dass der Brustgurt in seiner Weite nicht verstellt werden kann, dies kann denke ich vor allem bei Frauen mit einer gewissen Oberweite unangenehm werden, bzw. vielleicht auch schon bei Männern mit einem breiten Brustkorb. Bei mir hat es zwar halbwegs gepasst und die Gurte haben nicht eingeschnitten, erwähnen wollte ich es trotzdem. Beim Brustgurt ist mir ebenfalls aufgefallen das die Schnalle keine Signalpfeife besitzt, dies ist auch schon fast zu einem Standard bei Outdoor Rucksäcken geworden.
Fazit:
Wer die komplette Bewertung gelesen hat, wird gemerkt haben, dass der Rucksack gute Ansätze besitzt, aber es noch eniges zu verbessern gibt, damit es ein wirklich guter Touren Bike Rucksack wird. Ich habe hier schon häufiger Bewertungen zu Produkten geschrieben, selten sind mir doch so viele, für mich wichtige Punkte aufgefallen, die ein Produkt nicht besitzt.
Da die Bewertungen ja möglichst aussagekräftig sein soll, ist meine Bewertung dementsprechend hart ausgefallen - Sorry Komperdell!
Da der Tourpack den Testzeitraum überstanden hat und eine gute Basis besitzt bekommt er noch zwei Zelte. Ich werde ihn auch sicherlich auf meinen schnellen Runden, bei denen ich nicht viel dabei habe weiterhin tragen, jedoch kann er was Ausstattung etc. angeht nicht mit den großen Konkurrenten von zum Beispiel Deuter oder Evoc mithalten. Falls das Komperdell vorhat, gibt es noch einiges an Arbeit.
Trotzdem möchte ich mich bei Komperdell und Outsidestories bedanken, dass ich die Chance bekommen habe den Rucksack zu testen und hoffe das ich Komperdell und eventuellen Kaufinteressenten ein wenig mit meiner Bewertung helfen konnte. Bei Fragen werde ich diese möglichst schnell beantworten.



































