Sehr leichter Wanderrucksack mit innovativem Rückensystem
VORTEILE
- anpassbares Rückensystem
- leicht (ca. 800 g)
- 30l Volumen
- Sozialstandards in der Produktion
- gelungenes Design
NACHTEILE
- wenige Fächer / Taschen
- keine Regenhülle
- sehr kleines Deckelfach
- bei Komprimierung störende "Riemenreste"
- geringe Eigenstabilität des Rucksacks
- keine Notfallpfeife im Brustgurt integriert
BEWERTUNG
Seit einigen Wochen habe ich den Wanderrucksack Tatonka Skill 30 Recco zum Testen. Begleitet hat mich dieser auf einigen Wandertouren (Tagestouren), sowie auch im Alltag (z.B. Einkaufen) oder auf dem Fahrrad beim Weg zur Arbeit.
Fachaufteilung:
Der Ruckack besteht aus einem geräumigen Hauptfach (30l) welches über eine Reißverschluss-Deckelklappe zugänglich gemacht wird. Im Hauptfach befindet sich ein Zusätzliches Fach am Rücken für die Trinkblase inkl. Befestigung. Im Deckel ist ein kleines (ebenfalls per Reißverschluss gesichertes) Deckelfach eingenäht. Dieses ist allerdings nur wenig voluminös und schluckt gerade mal einen Geldbeutel und evtl. noch ein Mobiltelefon. Außen am Rucksack sind seitlich noch zwei Steckfächer angebracht, ideal z.B. für Trinkflaschen geeignet. Das war es aber auch schon, was der Rucksack an Fächern zu bieten hat. Keine (schnell zugänglichen) Aufbewahrungsmöglichkeiten für häufig benötigte Utensilien wie Taschentücher, Fotoapparat oder Mobiltelefon. Hier muss man sich anderweitig helfen, indem man die Taschen an der Kleidung bestmöglich nutzt. Die sparsame Verfügbarkeit von Fächern und Taschen ist vermutlich dem Leichtbau des Rucksacks geschuldet, da jede weitere Tasche den Rucksack auch wieder schwerer macht. Dies fällt besonders an den Hüftflossen auf, an denen ja viele Wettbewerber-Produkte Taschen anbringen. An dieser Stelle hätte man allerdings die Möglichkeit, aufgrund er gelochten Hüftflossen sich mit Hilfe von Karabinerhaken oder ähnlichen Konstruktionen weitere Täschchen anzubasteln. Schöner wäre es allerdings gewesen, wenn an dieser Stelle schon vom Hersteller Taschen angebracht gewesen wären.
Eine Schlaufe als Eispickel-/Stockhalterung ist ebenfalls vorhanden, allerdings muss man die Stöcke oder den Eispickel dann am oberen Ende mit den Komprimierungsschnüren verzwirbeln, da es sonst keine weiteren Befestigungsriemen gibt. Manchmal nicht ganz einfach, aber mit etwas Übung bekommt man auch das hin.
Tragesystem:
Beim Tragesystem hat Tatonka einen ganz neuen, aus meiner Sicht sehr guten Weg gewählt: Es sind zwei Fiberglas-Stäbe in X-Form in das Tragesystem gespannt. Über zwei vertikale Riemen kann man die Spannung auf die Fiberglas-Stäbe bringen, wodurch diese sich mehr oder weniger durchbiegen und somit der Abstand des Rucksacks zum Rücken variiert werden kann. Man kann damit nicht nur die Lastverteilung beeinflussen, sondern auch die Belüftung am Rücken. Insbesondere bei Wanderungen habe ich die Spannung etwas erhöht, wodurch der Rücken besser belüftet war, beim Radfahren habe ich die Einstellung so gewählt, dass der Rucksack nah am Rücken anliegt, sodass keine Pendelbewegung des Rucksacks auftreten konnte. Auch bei direktem Kontakt am Rücken sind die Fiberglasstäbe nicht zu spüren, der Rucksack trägt sich sehr angenehm. Die Verstellung kann man mit etwas Übung (und Dehnübungen ;-)) auch vornehmen, ohne den Rucksack absetzen zu müssen.
Design:
Auch das Design des Rucksacks ist meiner Meinung nach gelungen. Die seitlichen Komprimierungsschnüre erfüllen ihren Zweck, sodass der Rucksack auch bei geringer Befüllung die Form gut behält, allerdings stören die dann überhängenden Komprimierungsschnüre ein wenig. Diese muss man dann am Besten in den Steckfächern seitlich unterbringen, damit diese nicht im Weg herum-baumeln.
Recco-Reflektor:
Wie vielleicht aufgefallen ist, habe ich den Recco-Reflektor nicht unter den positiven Eigenschaften aufgelistet. Es ist zwar an sich eine gute Idee, Recco-Reflektoren in Ausrüstungsgegenständen vernäht zu haben, allerdings stelle ich mir die Frage, ob der Rucksack ein geeigneter Ort für den Reflektor darstellt. Der Recco-Reflektor soll im Falle einer Verschüttung die Ortung durch die Rettungsmannschaften erleichtern. Ich bin allerdings der Meinung, dass im Falle einer Verschüttung der Rucksack als erstes durch die gewaltigen Kräfte vom Körper gerissen wird. Dadruch könnte evtl. wertvolle Suchzeit verloren gehen, da der Rucksack geortet und befreit wird, nicht der Verschüttete selbst. Aus diesem Grund sollten die Reflektoren eher an der Kleidung angebracht werden. Auf der anderen Seite hat man natürlich ganz ohne Reflektoren eine noch geringere Chance, gefunden zu werden. Der Tipp wäre also: wer auf winterliche Tour geht möge bitte ein vollwertiges LVS mitnehmen.
Nachhaltigkeit / Produktionsbedingungen:
Erstmalig bei Tatonka habe ich den Begriff "Open Factory" aufgeschnappt. Die Rucksäcke werden in Vietnam gefertigt, allerdings nach europäischen Fertigungsstandards und unter sozialverträglichen Bedingungen. Open Factory bedeutet in diesem Zusammenhang, dass sich die interessierte Öffentlichkeit Zugang zu den Produktionsstätten verschaffen kann. Die Einhaltung von Arbeits- und Sozialstandards (UN-Konventionen) wird regelmäßig durch den TÜV überprüft und zertifiziert. Finde ich eine gute Sache, so kann man davon ausgehen, dass nichts verheimlicht wird.
Fazit:
Der Tatonka Skill 30 Recco ist gut für Tageswanderungen geeignet. Allerdings wurde zu viel Augenmerk auf das geringe Gewicht gelegt, sodass man an manchen Stellen auf nützliche Eigenschaften verzichten muss. Diesen Nachteil kann das gelungene Tragesystem teilweise wieder ausgleichen, sodass ich am Ende 3 von 5 Sternen vergebe.
















































