Der vielseitigste Wanderrucksack, den ich je hatte
VORTEILE
- Vielseitiges Anwendungsgebiet
- Daisy Chain Elemente
- Verarbeitung
- Position und Anzahl der Kompressionsriemen
- Anzahl der Taschen
- Befestigungselemente für Eispickel und Wanderstöcke
NACHTEILE
- Pfeife am Brustgurt ist etwas frimelig
- kein Leichtgewicht
BEWERTUNG
40 ist das neue 30.
So wird es ja in diversen Magazinen derzeit mit dem Alter propagiert – Lowe Alpine hat sich davon vielleicht ein wenig inspirieren lassen und uns mit dem Altus 42:47 einen neuen Allzweckrucksack in eben jener Größe kreiert. Wie sich dieser im Alltag schlägt, das gibt’s jetzt zu lesen.
Technische Daten:
- Masse: (M-L) 1700g (L-XL) 1800g
- Packvolumen: 47 --> 42 Liter normal + 5 Liter aufbauend
- Zweigeteiltes Innenraumfach mittels Reißverschluss
- Äußere Einschubtasche mit Daisy Chain Elementen
- Seitentaschen mit Kompressionsriemen
- Einschubfach für eine Trinkblase
- Hüftflossentaschen
- Zugang von oben und mittels Reißverschluss von vorn
- Halterung für Wanderstöcke und Eispickel
- Brustgurt mit integrierter Pfeife
- Deckelfach mit außen- und innenliegender Reißverschlusstasche
- Regencover
Von der Ausstattung her ist der Rucksack also für alles gerüstet. Egal ob Mehrtageswandertour, Klettertag oder alpine Begehung – rein von der Ausstattung her, leistet sich der Altus keine Allüren und bietet damit die Basis für jede Disziplin.
Test im Alltag:
Ich konnte in letzter Zeit leider weder eine Alpenüberquerung vorweisen, noch ausgedehnte Mehrtagestouren an den Tag legen, wie es für den Lowe Alpine Altus durchaus angebracht wäre. Als frisch gewordener Vater konnte ich aber lernen, dass man auch auf einfachen Wandertouren durchaus mehr Platz benötigt als bisher... So fühlt sich mein Altus also mit Babywechselwäsche, Windeln und anderem Babyzubehör, bevor dann auch der für die Unternehmung eigene notwendige Teil wie Trinkblase, Regenjacken, Proviant oder Kletterequipment ihren Platz finden.
Spätestens an dieser Stelle fällt mir auf, dass ein 20 oder 30 Liter Rucksack nicht mehr ausreichend ist um alles unterzubringen und man aber auch keine zwei Rucksäcke verwenden kann und will. Der Altus versteht sich also für mich als aufgeräumtes Lastentier, welches sich durch die verschiedenartig aufgebauten Fächer auch gut sortiert einräumen lässt. Trinkblase im Einzelfach, die Babysachen im unteren Teil, im oberen Hauptfach Proviant und dicke Kleidung, im vorderen Einschubfach die Daunenjacken und den Boulderführer sowie zum Schluss die Kletterschuhe an den Daisy Chains.
Super fällt an dieser Stelle auf, dass der untere Teil gut ein Drittel des Rucksacks einnimmt, wodurch zum Einen viel hinein passt und zum Anderen der obere Teil nicht so stark gestapelt werden kann, dass man nicht mehr an den Reißverschluß der Trennwand gelangt. Auch die Taschen in den Hüftflossen lassen genügend Platz für Energieriegel ohne dabei die Hände beim Wandern zu stören.
Mein persönlicher Favorit ist allerdings das Rückensystem AirContour+. Es ist eine Art Hybrid aus fester Schaumstoffanlage und vorgespanntem Meshnetz, wodurch sich das Gewicht des Rucksack gut auf die Hüftflossen und die Schulterpolster verteilt. Ich habe den Rucksack mit rund 5-10kg beladen und fand dieses Gewicht für das Tragesystem sehr angenehm. Größere Lasten dürfte er dennoch auch vertragen können. Die Rückenplatte ist ergonomisch geformt und aus einem elastischen Schaum, der auf der starren Rückenplatte aufgebracht ist. Hierbei folgt der S-Schlag des Rucksacks angenehm der Kontur der Wirbelsäule, während das Meshnetz auf der Haut/Klamottenoberfläche aufliegt und einen kleinen Luftspalt zur Belüftung kreiert. Aufgrund seines Designs schmiegt sich der Rucksack aber sehr gut mit dem Körper an, sodass ich auf den Zustiegen oder auch abseits der Wanderwege nie das Gefühl hatte, dass der Rucksack hinter mir ein Eigenleben entwickelt, wenn es mal etwas holpriger zugeht. Ich habe bei 179cm den L-XL und würde sagen, dass diese Rucksackgröße ab 180cm Körpergröße durchaus Sinn ergibt – am besten im Laden ausprobieren zum Tragen ist hier aber sicherlich der bestmögliche Weg die richtige Rucksacklänge für sich zu finden.
Die verschiedenen Zurrsysteme sind dem aktuellen Trend folgend schmaler in der Breite, dafür aber dicker geworden. Das spricht für mehr Steifigkeit und etwas verringertem Gewicht, was aber vor Allem auffällt, dass die Riemen insgesamt weniger Fläche einnehmen und der Rucksack damit übersichtlicher wird. Die Hüftflossen lassen sich dank der Konstruktion schnell und einfach vorn verstellen, was sich für die Anpassung an den Körper und ob man bergauf oder bergab geht positiv auswirkt. Das Deckelfach lässt sich mittels der Zurrriemen nochmals anheben um die 5 Liter Zusatzvolumen herauszuholen. Im Deckelfach selbst erwartet uns standesgemäß ein inneres Fach und die SOS Notfallanleitung, sowie das äußere Deckelfach mit Einklippsmöglichkeit für den Schlüsselbund. Gut versteckt am Boden gibt es noch das zusätzliche Regencover, dass den Rucksack in ein kräftiges Orange hüllt.
Als eierlegende Wollmilchsau kann der Altus zusätzlich noch Wanderstöcke und Eispickel gesondert aufnehmen. Hierfür gibt es zwei verschiedene Aufnahmen, die genau das ermöglichen. Der TipGripper für die Wanderstöcke und der HeadLocker für die Eispickel. Für mich ist ist insbesondere die Eispickelhalterung die angenehmste, die mir je untergekommen ist. Da die Haue formschlüssig in Position gehalten wird und zwei seitliche Verzurriemen den Pickel fixieren, kommt es zu so gut wie keiner Eigenbewegung des Pickels.
Fazit:
Nicht gemeckert ist ja gelobt genug, sagt man den Deutschen hinterher – damit würde man dem Lowe Alpine Altus 42:47 allerdings nicht gerecht werden. Er ist für mich ein fabelhafter Rucksack in der 40 Liter Klasse und leistete sich in meinem Test keinerlei Schwächen. Die Verarbeitung, Vielseitigkeit und das tolle Tragesystem machen ihn für mich zur ersten Wahl, wenn es stärker bepackt nach draußen geht. Sein Gewicht von 1,6 – respektive 1,7kg kommt durch seine Vielseitigkeit und die gute Verarbeitung zustande, sodass ich ihm diese nicht als Nachteil auslegen kann. Auch die drei verschiedenen Farbtöne die einem zur Auswahl stehen, sowie das ND40:45 Modell für Frauen geben viel Raum um den Altus an die persönlichen Bedürfnisse anzupassen. Wem das auch noch nicht reicht, für den gibt es den Altus auch noch in der 30 und 50 Liter Klasse. Damit hat Lowe Alpine in meinen Augen wirklich eine Eierlegende Wollmilchsau kreiert – Chapeau.







































